Steiniger Weg aus dem Minus

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JOSEF GUTSMIEDL Oberallgäu - Die erste Aufsichtsratssitzung des Klinikverbundes Kempten-Oberallgäu stand ganz im Zeichen der anlaufenden Sanierung des Klinikums Kempten. Zuletzt verbuchten die Kliniken Kempten ein Minus von 2,6 Millionen Euro. Seit 1. April sind die Krankenhäuser in Kempten Teil des neu gegründeten Klinikverbundes mit den Kliniken Oberallgäu. Jetzt sollen die seit längerem defizitären Häuser in Kempten „fit gemacht“ werden. Wichtiger Schritt werden Änderungen im Pflegedienst sein: Mehr Effizienz soll erreicht werden - Pflegehilfskräfte werden nach und nach qualifiziertes Personal ergänzen und ersetzen. Die wirtschaftliche Talfahrt der beiden Kemptener Krankenhäuser - Robert-Weixler- Straße und Memminger Straße - schnell gestoppt werden. Darin sind sich Geschäftsführung und Aufsichtsrat einig. „Wir stehen vor vielen grundlegenden Entscheidungen“, so Gebhard Kaiser, Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Klinik-Verbundes. Jetzt muss man schnell an die Umsetzung des Sanierungskonzeptes gehen, und dürfe nicht zaudern. „Schritt für Schritt voran und den Aufgaben gerecht werden - zusammen mit Mitarbeitern und den niedergelassenen Ärzten“, steckt Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Ulrich Netzer den Rahmen ab. Dass dabei auch „unangenehme Themen“ anstehen, ergänzte schließlich Andreas Ruland, Geschäftsführer des neuen Klinikverbundes. Qualität und Effizienz Eines dieser „unangenehmen Themen“ scheint das neue Pflegekonzept zu sein, das von Pflegedirektorin Susanne Kern dem Aufsichtsrat vorgestellt wurde. „Der Pflegedienst will und muss sich an der Sanierung der Kemptener Krankenhäuser beteiligen“, schickte sie voraus. Ziel sei es, die Kosten zu senken und gleichzeitig die Effizienz der Pflege zu erhöhen. Es sei „eine wirtschaftliche Notwendigkeit“, die Personalkosten zu verringern, betonte Susanne Kern und verwies auf Mitbewerber. Das soll gelingen, indem Pflegehilfskräfte in die „Mannschaft“ kommen und im Gegenzug examiniertes Personal entlasten. „Natürlich angepasst an die pflegerischen Anforderungen der jeweiligen Station“, ergänzte die Pflegedirektorin. Das bedeute, so die Erklärungen weiter, dass etwa Tätigkeiten, die denen der häuslichen Pflege entsprechen, wie Hilfe beim Anziehen oder Waschen, nicht von hochqualifizierten Mitarbeitern ausgeführt werden. Vielmehr sind dafür die neuen Hilfskräfte zuständig, die in einem sechswöchigen Schnellkurs geschult wurden. Die Qualität der Pflege soll dabei nicht leiden. Erfolgreich sei das Konzept schon im Schlaflabor und der Onkologischen Tagesklinik erprobt worden. „Wir werden Erfahrungen sammeln und den Qualifikationsmix stets anpassen an die Erfordernisse“, sagte Susanne Kern. Das Verhältnis von voll ausgebildeten Kräften (dreijährige Ausbildung) zu Hilfskräften soll bei 70 zu 30 liegen. Der vorgeschriebene Mindestbestand an examinierten Fachkräften werde selbstredend eingehalten. Die Pflegedirektorin verspricht sich davon eine „weiteren Professionalisierung und qualitativen Verbesserung“, da sich die ausgebildeten Pflegekräfte auf ihren eigentlichen Aufgabenbereich konzentrieren könnten. Susanne Kern berichtete von „guten Erfahrungen“ beim Einsatz von Stationssekretärinnen. Diese Mitarbeiterinnen sollen das Pflegepersonal von allerlei Verwaltungsarbeiten und nicht fachlichen Tätigkeiten auf der Station entlasten. „Eine spürbare Entlastung. Wir wollen diese Mitarbeiterinnen nicht mehr missen.“ Fazit: Ausbau des Anteils der Hilfskräfte bei Abbau des Anteils (teurerer) Fachkräfte. Alles in allem hält Susanne Kern das Konzept für einen „rücksichtsvollen Weg, den Pflegedienst der Krankenhäuser umzustrukturieren“. Einsparungen von mehr als sechs Vollzeitstellen verspricht sie sich von einem neuen Arbeitszeitmodell, mit dem anderen Kliniken in der Region schon gute Erfahrungen gemacht hätten. Ob der Schuss nicht etwa nach hinten losgehen könnte, gaben Mitarbeitervertreter aus den Kemptener Krankenhäusern im Aufsichtsrat zu bedenken. Ob das Modell zur Einsparung beitrage bezweifelt etwa Nikolaus Felder: „Wo sparen wir, wenn woanders aufgebaut wird?“ Die Ausdünnung des qualifizierten Personals mache keinen Sinn. Der Weg könne gefährlich sein, auch wenn er betriebswirtschaftlich sinnvoll erscheine. Der Bereich Pflege werde aber nicht der einzige „Leidtragende“ der Sanierung sein, stellte Geschäftsführer Ruland fest. „Aber wir haben ein Effizienzproblem bei der Pflege.“ Kempten müsse „seine Hausaufgaben machen“, betonte er. Der Betriebsrat habe zudem keinen anderen Weg aufgezeigt, kritisierte Ruland. Man müsse sich an eine Entwicklung anschließen, die längst Einzug gehalten habe. Es sei Zeit für Arbeitsteilung. „Falls die Kehrtwende für die Krankenhäuser in Kempten nicht gelingt, haben wir in zwei oder drei Jahren ein Riesenproblem!“ gab schließlich Aufsichtsrat Manfred Baldauf aus Oberstdorf zu bedenken. Dann stünden die Kliniken vor der Pleite, rief er das jüngste Defizit von 2,6 Millionen Euro für das vergangenen Jahr in Erinnerung. „Wir müssen die Schwachstellen erkennen und wo immer möglich abstellen“, appellierte Baldauf.

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