AWO stellt Forderungen an die Politik im Zuge der Corona-Krise

"Heime im Stich gelassen"

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Eine schwere Zeit für die Bewohnerinnen und Bewohner sowie für das Personal in den Seniorenheimen.

Allgäu – Die schwäbische Arbeiterwohlfahrt (AWO) betreibt im Regierungsbezirk 25 Seniorenheime. Im vergangenen Vierteljahr war die Organisation von der Corona-Krise besonders betroffen.

Dr. Heinz Münzenrieder, Vorsitzender der AWO-Schwaben, blickt auf die letzten Wochen zurück: „Wir hatten in zwei unserer Einrichtungen (Aichach und Kempten) insgesamt 18 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 zu beklagen. Dies ist weit mehr als im gesamten Stadtgebiet Augsburg.“ Diese Ausnahmesituation führe in allen Häusern zu einer „nie dagewesenen Belastung“.

Münzenrieder erklärt, dass für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neben dem Leid der Angehörigen der Verstorbenen, auch die Zu- und Ausgangsregularien schwer zu bewältigen waren. Die teilweise immer noch geltenden Einschränkungen für Besucher, seien für die Bewohner und auch für die Angehörigen nur schwer zu ertragen.

„Bewohner in Quarantänezimmern oder gar in Quarantäneabteilungen und Pflegende in Ganzkörperschutzkleidung zeigten nicht nur den Ernst der Lage auf, sondern beeinträchtigten auch schwerstens die Lebensqualität der uns anvertrauten Menschen“, so Münzenrieder. Er betont, dass vor allem die Leistungen und das Engagement der Pflegekräfte zu würdigen sei. Er fordert deshalb eine Neuorientierung bei tarifvertraglichen Regelungen.

Außerdem warnt der Vorsitzende der AWO-Schwaben, dass die derzeit relative Entspannung der Covid-19-Erkrankungen, nicht darüber hinwegtäuschen dürfe, dass immer noch ein qualifizierter Handlungsbedarf bestehe.

Er fordert die Erweiterung von Covid-19-Testungen beim Pflegepersonal. Die vom Bundesgesundheitsministerium erlassene Verordnung gehe laut Münzenrieder zwar in die richtige Richtung, aber die von den Wohlfahrtsverbänden geforderten Reihentestungen in den stationären Pflegeeinrichtungen seien derzeit nicht geplant. Vorgesehen sei nur ein stichprobenartiges Verfahren, sofern keine Verdachtsmomente vorliegen. Die Wohlfahrtsverbände sind Träger der meisten Heime in Deutschland und fordern dagegen regelmäßige und flächendeckende Reihentests in allen stationären Pflegeeinrichtungen.

„Stichprobentests sind mit Blick auf das vorgegebene erhöhte Ansteckungsrisiko und wegen der zwingend notwendigen weiteren Besuchslockerungen völlig unzureichend.“ Münzenrieder weist auf die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Universität Bremen zu Covid-19-Sterbefällen in Heimen hin: „Diese Studie belegt, dass knapp die Hälfte aller Verstorbenen in stationären Einrichtungen lebte. Dies spricht hierfür, dass die Heime jetzt nicht im Stich gelassen werden dürfen. Übertriebene Sparsamkeitsüberlegungen sind insoweit fehl am Platz. Wesentlich ist die bessere Beherrschbarkeit des Risikos.“

Darüber hinaus weist die AWO auf ein Phänomen hin, dass nach ihrer Beurteilung bislang nicht ausreichend geklärt sei: Warum konzentrieren sich auch in Schwaben die Todesfälle auf wenige wenige „hotspotmäßige“ Häuser? Heinz Münzenrieder: „Wir können es uns heute noch nicht erklären, dass – obwohl alle unsere 25 Häuser in etwa gleich organisiert sind – die bedauernswerten Todesfälle fast alle in unserer Einrichtung in Aichach aufgetreten sind.“ Und: „Wir müssen gegenüber solchen auch künftig nicht auszuschließenden großen Gefahren für Gesundheit und Leben unserer Bewohner gewappnet sein, dies sind wir schon unseren an Covid-19 verstorbenen Bewohnern schuldig.“

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