Es braucht klare Perspektive

Stiller Protest mit der Aktion »Gedeckter Tisch«

Hotelfachfrau Laura Häfner und der Auszubildende Jonny Achatz mit Hotelier Andre Brandt
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Keine Gäste in Sicht: Hotelfachfrau Laura Häfner (von links) und der Auszubildende Jonny Achatz mit Hotelier Andre Brandt vor dem Hotel Mohren in Oberstdorf.

Oberstdorf – Stell dir vor, der Tisch ist gedeckt und keiner darf Platz nehmen. Stell dir vor, die Hotelbetten sind frisch gemacht und keiner darf darin übernachten. So geht es momentan den Gastronomiebetrieben – nicht nur im Allgäu. Unter dem Motto „Gedeckter Tisch – Gastgewerbe fordert Öffnungsperspektive“ machten auch in Oberstdorf im Rahmen einer bundesweiten Aktion viele Gastronomen auf ihre Existenz bedrohende Situation aufmerksam. Seit November befinden sich die gastgewerblichen Betriebe im Lockdown.

Bei der Runde der Kanzlerin und den Ministerpräsidenten der Länder am vergangenen Mittwoch gab es für die Gastbetriebe noch keine wirkliche Entspannung. Der Lockdown wird bis Ende März verlängert. Bei sinkenden Inzidenzzahlen soll es allenfalls die Möglichkeit geben die Außengastronomie wieder zu öffnen.

Initiiert durch den Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband (BHG) und in Form eines stillen Protests stellten Gastronomen und Hoteliers einen gedeckten Tisch beziehungsweise ein gemachtes Bett auf einen zentralen Platz, um auf die verzweifelte Lage der Betriebe und die momentane Perspektivlosigkeit hinzuweisen. Im Vorfeld der nächsten Bund-Länder-Gespräche drängten sie auf baldige Öffnungsperspektiven. Die Hoffnung richtet sich vor allem auch auf das Ostergeschäft. Die Angst vor Betriebsschließungen geht um, wenn auch dieses ins Wasser fällt.

Es gehe der Branche nicht um Öffnungen auf Kosten der Gesundheit oder um jeden Preis, heißt es in einer Erklärung. Vielmehr um verlässliche Perspektiven und verantwortbare Szenarien, auf die sich die Unternehmer der Branche vorbereiten können.

Während die Nordische WM ohne Zuschauer stattfindet, symbolisieren ein gedeckter Tisch und ein leeres Bett vor dem Oberstdorf-Haus die Misere der Gastronomie in der Corona-Pandemie.

Bei der Aktion mit dabei auch der Besitzer des Hotel „Mohren“ am Oberstdorfer Marktplatz, Andre Brandt, der von zwei Angestellten vor seinem Hotel einen festlich gedeckten Tisch aufbauen ließ. „Die schon nach dem ersten Lockdown erstellten pandemiebedingten Sicherheits- und Hygienemaßnahmen funktionieren sowohl im Restaurant- als auch im Hotelbetrieb“, so Brandt. Sie hätten sich schon bereits über die gesamte Sommersaison bewährt. „Eine klare Öffnungsperspektive muss her – für die Branche, für die Region, für uns und die Mitarbeiter, die bereits seit mehreren Monaten auf die Wiedereröffnung warten“, macht der Hotelier deutlich.

Auch vor dem Oberstdorf-Haus war eingedeckt und ein Bett lud zum „Probeliegen“ ein. Der Vorsitzende des BHG Oberstdorf, Jörg King, sprach von einer misslichen Lage der Betriebe, die im zweiten Lockdown keine Einnahmen haben. Er erwartet ein „klares Signal der Politik“ für einen Wiedereröffnungsplan. Nicht nur die Großen wie die Lufthansa sondern auch die Kleinbetriebe müssten Hilfen bekommen. Er verwies auf die Gastro- und Hotelbranche als wichtigen Wirtschaftsfaktor in Deutschland. Über 100 Hoteliers, Wirte und Angestellte waren zu dem stillen Protest gekommen. Zum Teil mit Schildern wie „Wirtshüs isch Huimat“ und „Liebe Gäste – wir vermissen euch“. Auch Tourismus Oberstdorf stehe hinter der Aktion, versicherte Oberstdorfs Tourismuschef Frank Jost.

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