Oberstdorf: Gemeinde kündigt Mietverträge für Praxen im Oberstdorf Haus

Enttäuschte Ärzte

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Oberstdorf – Zum Jahresende ist Schluss. Die Gemeinde Oberstdorf verlängert den Mietvertrag mit den beiden Ärzten im Oberstdorf-Haus nicht. In nichtöffentlicher Sitzung stimmten nur wenige Räte aus den Fraktionen von UOL, Grünen, AO/FDP und SPD gegen eine Kündigung.

Begründet wird die Kündigung mit der Raumnot bei der Verwaltung. Damit endet eine Tradition, Gesundheitsleistungen im ehemaligen Kurmittelhaus anzubieten. Auch die Solidaritätsbekundungen vieler Patienten und eine Petition der Ärzte an die Gemeinderäte nutzten nichts. Alternative Vorschläge, wie etwa das Haus Birkeneck übergangsweise für die Verwaltung zu nutzen, fanden keine Mehrheit.

„Es wurde hinter verschlossenen Türen ohne unsere Mitbeteiligung über unsere Köpfe hinweg entschieden“, zeigten sich die beiden Ärzte bitter enttäuscht. Die Entscheidung zeige „ein großes Maß an Vorurteilen und Ignoranz“. Die oft beschworene Bürgernähe scheine den Verantwortlichen ebenso ein Fremdwort zu sein, wie die Einhaltung eigener Zusagen und Aussagen. „Was wir in den letzten vier Wochen erleben mussten ist weder sozialverträglich, noch gab es eine Abwägung auch unserer Argumente“, heißt es in einem Schreiben an Bürgermeister und Gemeinderäte. Wer über das Schicksal von Menschen entscheide, ohne sich vorher ein vollständiges Meinungsbild zu machen, handle verantwortungslos. Außerdem werfen sie dem Bürgermeister vor, das Angebot eines Privatiers bis nach der Sitzung zurückgehalten zu haben.

Laut Bürgermeister Mies war die Raumnot der Verwaltung im Gemeinderat unbestritten – ebenso die Einsicht, Abhilfe zu schaffen. Unterschiedlich gesehen wurde allerdings, ob den Mitarbeitern der Verwaltung oder den freiberuflichen Ärzten der Vorrang für die weitere Nutzung der Flächen gegeben werden sollte. Nach der Entscheidung des Marktgemeinderates am 17. März wurde den Ärzten ein Angebot einer Privatperson für Räume am Marktplatz überlassen. Andernfalls hätte man der Entscheidung des Marktgemeinderats vorgegriffen, so Mies. Dieses sei nach wie vor gültig. Auch wenn es dazu keine Verpflichtung gibt, hätte der Markt Oberstdorf die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten begleitet. Die Ärzte hätten das Gesprächsangebot jedoch abgelehnt.

Dr. Folkert Müller-Eberstein und Michael Lachenmair wollen auf jeden Fall als Haus- und Notärzte in Oberstdorf bleiben und sind jetzt auf der Suche nach neuen Praxisräumen.

Heinrich Bonert

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