Bewusst verheimlicht

Streit um Wegebau: Anzeige wegen Naturschutzvergehen in der »Sulzburg«

Der Alpensalamander
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Der Alpensalamander legt während der Wintermonaten eine lange Winterstarre in unterirdischen Verstecken ein. Heuer wurde er aufgrund des langen Winters erst Ende Mai aktiv.
  • VonJosef Gutsmiedl
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Oberstdorf – Der umstrittene Wegbau im Gebiet der sogenannten Sulzburg bei Oberstdorf-Tiefenbach zieht weitere Kreise: Inzwischen hat eine Privatperson aus Tiefenbach Anzeige erstattet wegen Nichtbeachtung des Tötungsverbots der streng geschützten Art der Alpensalamander. 

Das Verfahren für die Wegebaumaßnahmen in der Sulzburg bei Oberstdorf-Tiefenbach seien ordnungsgemäß durchgezogen worden, betont Klaus Dinser, Schutzwaldmanager am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten. Alle Auflagen seien eingehalten worden.

„Für uns ist es keineswegs ein ordnungsgemäß durchgeführtes Verfahren wie die Forstverwaltung behauptet”, kritisiert Michael Finger von der Ortsgruppe Oberstdorf-Fischen des Bund Naturschutz. Es sei bewusst „verheimlicht” worden, dass es sich hier um einen Lebensraum des Alpensalamanders handele, um ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren durchzusetzen.

Bereits beim ersten Versuch vor einigen Jahren, diesen Wegebau umzusetzen, habe die Untere Naturschutzbehörde eine Umweltverträglichkeitsprüfung gefordert, worauf das Vorhaben, einen Fahrweg zu bauen zurückgezogen wurde. „Es war klar, wenn hier der Alpensalamander ins Spiel kommt, wird es keine Genehmigung geben", so Finger, und weiter: „Nach unserem Nachfragen wurde behauptet, man habe die geplante Trassenführung abgesucht, aber keine Tiere gefunden. Das war vor Anfang Mai. Jeder Beteiligte musste wissen, dass Alpensalamander frühestens Mitte, eher Ende Mai aktiv werden, aus ihren Verstecken kommen und dann erst sichtbar werden".

Alpensalamander wird erst ab Juni aktiv

Die Behauptung einer erfolglosen Absuche sei in seinen Augen nicht mehr als eine schlechte Ausrede, zumal dieses Jahr die Alpensalamander durch den langen Winter erst ab Juni aktiv geworden seien. „Ab vergangenen Sonntag waren sie zu Hunderten im Baugebiet zu finden. Man kann also davon ausgehen, dass viele Tiere durch die längst laufende Baumaßnahme getötet wurden”, beklagt der Sprecher der BN-Ortsgruppe weiter.

Finger: „Alpensalamander genießen den gleichen Schutzstatus wie Edelweiß, Steinadler und Steinbock. Sie kommen ausschließlich im Alpenraum in lokal abgegrenzten Regionen vor, haben überregional keinen genetischen Austausch und ihre Vermehrungsrate ist sehr gering. Deshalb haben wir eine besondere Verantwortung für diese lokale Art, zumal sie noch aufgrund anderer Faktoren stark gefährdet ist."

Teer zieht Alpensalamander an

Finger sieht den Alpwegebau ohnehin skeptisch, gerade auch weil „durch die immer weiter ausgebauten Straßen in die Alpgebiete, deren warmer Teer die Tiere nach einem Regen regelrecht anzieht, wo sie dann von Bikern, Wanderern und PKW plattgewalzt werden”. Wanderer und Bikern sei einfach nicht bewusst, dass sie hier eigentlich eine Sorgfaltspflicht hätten und den Tieren ausweichen müssten.

Daraus leitet Finger den Vorwurf ab: „Bei der jetzigen Baumaßnahme an der Sulzburg gab es keine Ausnahme vom Tötungsverbot einer streng geschützten Art mit den üblichen Auflagen, ja nicht einmal einen Antrag dazu, weil man sich die angebliche Rechtssicherheit einfach durch das Ausklammern der Alpensalamander-Vorkommen erschlichen hat.”

Umgehung des Tötungsverbots

Man dürfe gespannt sein, wie jetzt weiter verfahren werde, ergänzt Irmela Fischer von „Oberstdorf for Future” und meint: „Unserer Ansicht nach sind Auflagen wie ein Fahrverbot von Mitte Mai bis Anfang September auf diesem Weg, sowie Strafen wegen Umgehens des Tötungsverbots unumgänglich.”

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