Riedberger Horn: Bürgermeister sind erbost über "Fehlinformationen" zum Liftverbund

"Halbwahrheiten und Lügen"

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„Der Bericht sollte uns weh tun“, meint Berni Huber zur jüngsten Berichterstattung des  Bayerischen Fernsehens über das geplante Liftprojekt am Riedbergerhorn.

Balderschwang / Obermaiselstein – Das umstrittene Liftprojekt am Riedbergerhorn geht zwar noch nicht auf die Zielgerade, doch eine wichtige Entscheidung steht offenbar unmittelbar bevor.

Die Bürgermeister der Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein rechnen wie der Betreiber der Grasgehren-Lifte, Berni Huber, mit einer klaren Ausssage zum laufenden Zielabweichungsverfahren in den kommenden Wochen. Verärgert sind die Befürworter des geplanten Liftverbundes über aktuelle Stellungnahmen der Projektgegner und Berichte, die „voller Halbwahrheiten und Doppelzüngigkeit“ seien.

Als Beispiel führen Balderschwangs Bürgermeister Konrad Kienle und sein Kollege aus Obermaiselstein, Peter Stehle, den jüngsten Fernsehbeitrag des Bayerischen Fernsehens zu dem Thema an. Je näher eine Entscheidung über das von beiden Kommunen eingeleitet Zielabweichungsverfahren rücke, um so drastischer würden die angeblichen Auswirkungen gezeichnet. „Lauter Halbwahrheiten, ja Lügen“, stellt Kienle verärgert fest.

„Ein vollig falsches Bild“ habe kürzlich der Fernsehbeitrag der Abendschau des Bayerischen Fernsehens gezeichnet, findet auch Berni Huber von den Grasgehren-Liften. „Das sollte uns richtig weh tun.“ Die geplante Lifttrasse sei genauso falsch dargestellt worden wie der Flächenverbrauch und die Eingriffe in den Bergwald. Die Piste, die an der Flanke des Riedbergerhorns den Anschluss ans Skigebiet Balderschwang ermöglichen soll, sei gerade einmal 20 Meter breit und verlaufe nur in einem kurzen Teilsttück innerhalb der Schutzzone C des Bayerischen Alpenplanes. Dazu seien keinesfalls wie behauptet werde, flächige Rodungen im Bergwald erforderlich, sondern lediglich einzelne Baumfällungen. Die gesamte bebaute Fläche – Bergsstation einschließlich der Fundamente der elf Liftstützen – betrage gerade einmal 350 Quadratmeter.

Der eigentliche Gipfel des Berges werde gar nicht berührt, es gebe praktisch keinerlei Erdbewegungen, setzt Huber seine Klarstellungen fort. Das zuletzt immer wieder angeführte Argument, dass Lift und Piste in einem riskanten geologischen Gelände verliefen und etwa Gefährdungspotenzial mit sich brächten, sei schlichtweg falsch.

Der Liftverbund solle die Skigebiete Balderschwang und Grasgehren (auf Obermaiselsteiner Seite) verbinden, um das kleine aber schneesichere Wintersportgebiet konkurrenzfähig zu halten, betonen die beiden Bürgermeister immer wieder. Das sei kein Aufrüsten, sondern eine dringend gebotene Qualitätsverbesserung, unterstreicht Konrad Kienle. Er sei es Leid, gegen Halbwahrheiten zu kämpfen, die die Verbände verbreiteten.

Gerade Balderschwang müsse mithalten können bei familienfreundlichen Angeboten, meint Bürgermeister Konrad Kienle weiter. „Sonst haben wir hier nichts!“ Es gehe nicht zuletzt um die Zukunftsfähigkeit des Ortes; andernfalls sähen die jungen Menschen im Tal keine Perspektive. „Mit veralteten Bügelliften geht es nicht“, so Kienle. „Den von den Gegnern der Pläne geforderten sanften Tourismus haben wir längst – sanfter geht‘s nicht!“ Die Menschen im Tal stünden hinter den Plänen.

Die aktuellen Planungen für den Liftverbund berührt die Schutzzone C nur in einem kleinen Bereich von rund 6,7 Hektar. Die Gesamtfläche der Zone C betrage am Riedbergerhorn aber 1140 Hektar, erläutert Fischens Alt-Bürgermeister Toni Vogler. Den von den Naturschutzverbänden befürchteten Präzedenzfall werde es nicht geben; dazu sei die Situation am Riedbergerhorn zu speziell.

Man wolle ja nichts verändern und nicht am Schutzstatus rütteln, ergänzt Peter Stehle. Die Schutzzone C werde allgemein akzeptiert. Die mehrfach abgeänderten Planungen würden weder den Bestimmungen des Alpenplans noch der Alpenkonvention zuwiderlaufen. „Alle Vergleiche mit anderen Projekten sind an den Haaren herbeigezogen.“ Man wolle und könne nicht in Konkurrenz zu den großen Skigebieten wie etwa am Arlberg treten, sagt Stehle weiter. „Das ist eine ganz andere Liga.“ Dennoch bleibe alpines Skifahren für die Region wichtig und brauche deshalb die entsprechende Technik. „Die Gemeinden haben die Initiative ergriffen, nicht eine Berg- bahn-Gesellschaft“, betont Toni Vogler und verweist auf die Interessen der beiden Kommunen an einer maßvollen Entwicklung. Das laufende Zielabweichungsverfahren als erster Schritt, die Planungen weiter voranzutreiben, sei legal, betont Konrad Kienle. „Das ist kein Rechtsbruch. Wir nutzen das Gesetz – nicht mehr und nicht weniger!“

In den nächsten Woche dürfte die Entscheidung im Kabinett der Staatsregierung fallen. Bürgermeister Peter Stehle und Konrad Kienle zeigen sich optimistisch und rechnen mit einer Entscheidung in ihrem Sinne. Zu einer Klage der Projektgegner könne es jedenfalls erst bei einem bestehenden Bebauungsplan kommen. „Und dann müssen auch Fakten auf den Tisch“, betont Peter Stehle.

Josef Gutsmiedl

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