"Ort der Selbstfindung auf dem Weg der geistlichen Berufung"

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Frère Jaques Servais (links) ist auf Einladung von Dekan Karl-Bert Matthias (Zweiter von rechts) in Thalkirchdorf zu Gast. Der Direktor der Casa Balthasar in Rom ist hier mit den Studierenden Johannes und Aymeric (Zweiter und Dritter von links) sowie Davide (rechts) vor dem Pfarrhof zu sehen.

Gemeinschaftliches Leben und Studieren und dabei einen Bezug zur Schöpfung erhalten, diese Erfahrung machen vier junge Männer aus Deutschland, Italien, Frankreich und Kanada in der Casa Balthasar in Rom.

Auf Einladung von Dekan Karl-Bert Matthias verbringt der Direktor des Hauses Balthasar, der belgische Jesuitenpater Jaques Servais, derzeit noch einige Tage mit den Studenten in Thalkirchdorf. In der Idylle der Oberallgäuer Alpen bereitet sich die Gruppe im alten Pfarrhof auf eine literarische Tagung über Bertolt Brecht vor und genießt dabei die Ruhe des kleinen Ortes.

Die Gläubigen von Thalkirchdorf haben den Pater bereits während verschiedener Gottesdienste erlebt, die jungen Männer haben mit ihrem Choralgesang auf sich aufmerksam gemacht. Dekan Matthias kennt Pater Servais seit längerem und hatte ihn bereits vor einigen Jahren mit einer Gruppe Studierender zu Gast im Ostrachtal. Die Verbindung zur Casa Balthasar kam über den Jugendpfarrer Daniel Rietzler zustande. Der in Sulzberg geborene Geistliche hat unter anderem dort studiert und steht weiter mit der Casa in Kontakt.

Dieses 1990 gegründete Haus dient als Ort der Selbstfindung auf dem Weg der geistlichen Berufung. Sie bietet jungen Menschen auf der ganzen Welt die Möglichkeit für geistige, intellektuelle sowie kulturelle Bildung. Die Werke von Hans Urs von Balthasar, Henri de Lubac und Adrienne Speyr bilden dabei den Schwerpunkt. In der Casa werden darüber hinaus auch Exerzitien nach den Lehren von Ignatius von Loyala angeboten. Der Direktor Jaques Servais war unter Kardinal Ratzinger von 1985 bis 1990 Offizial an der Glaubenskongregation und von 1993-1996 Professor für Dogmatik am Institut Johannes Pauls II. in Rom.

Tagsüber studieren die jungen Männer beispielsweise Philosophie und nachmittags ist Platz für die persönliche Weiterbildung. Der 28-Jährige Johannes aus Altötting hat zunächst den Beruf des Schreiners erlernt und wurde durch einen Bekannten auf die Casa Balthasar aufmerksam. „Hier habe ich einen Ort gefunden, wo ich das studieren und lernen kann, wonach ich gesucht habe“, beschreibt der Oberbayer das Zusammenleben in der Einrichtung. Das Studium der Philosophie werfe für ihn neue Fragen des Lebens auf, so Johannes. Wichtig sei ihm darüber hinaus, im Miteinander die Fähigkeiten des anderen zu erfahren und auch von ihnen zu profitieren. So könne er von seinem Mitbewohner Aymeric (30 Jahre alt) aus Paris Französisch lernen.

Seinen Beruf konnte Johannes bereits erfolgreich einsetzen: „Ich habe einen Schrank für das Esszimmer der Casa gebaut“, berichtet er. Überaus dankbar und glücklich ist er über den Kontakt zu einem Restaurator, der ihn in alte Techniken eingeweiht hat. Aymeric und der 26-jährige Italiener Davide haben im Casa das Nähen gelernt. Sitzkissen haben die beiden neu bezogen und ein Sonnensegel für den Essplatz im Freien genäht. „Wir haben kein Personal und machen alles selber, sogar Brotbacken kann ich jetzt“, schildert Johannes. „So bekommen wir einen Bezug zur Schöpfung“, urteilen auch die anderen Hausbewohner. In der Casa herrscht eine große Vielfalt an Angeboten, aus der sich jeder etwas heraussuchen und dann seinen Horizont erweitern kann. Das sei für ihn wie eine Schule des praktischen und christlichen Lebens, so der Altöttinger.

Neben der praktischen Arbeit sei das literarische Studium ein weiterer wichtiger Bestandteil. Autoren wie Bert Brecht oder Thornton Wilder seien aktuell dran. „Von ihnen können wir manchmal mehr lernen als von Theologen“, stellt Frère Jaques Servais fest. „Die heutige Kirche braucht eine Verlebendigung des christlichen Lebens“, nennt der Pater einen Hauptgedanken der Casa. Wir müssen einen christlichen Samen säen, in der Hoffnung, dass daraus etwas wächst“, so Servais.

pdsf

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