Wohin die „Reise” gehen wird, ist ungewiss.

Sturm, Schnee, Corona: Der Holzmarkt auf Achterbahnfahrt

Holz
+
Wer jetzt Holz mache, könne wieder gute Preise erzielen, betont die Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu.
  • VonJosef Gutsmiedl
    schließen

Oberallgäu – Die Forstbetriebsgemeinschaft blickt auf zwei turbulente Jahre zurück. Ein Thema regt FBG-Vorsitzenden Johann Jordan besonders auf.

Der Holzmarkt der vergangenen beiden Jahren glich einer Achterbahnfahrt. Die Doppel-Mitgliederversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu FBG für die Jahre 2019 und 2020 ließ einen Zeitraum Revue passieren, der alle Höhen und Tiefen des Holzmarktes widerspiegelte. Derzeit seien wieder gute Erlöse zu erzielen.

Die Pandemie, die im Februar 2020 auch in Deutschland „einschlug”, ließ alle Pläne für das Jubiläum „50 Jahre FBG” platzen und auch die Jahresversammlung. Stürme, massive Schneebrüche und Borkenkäferbefall kennzeichneten die Lage während des Jahres 2019, nachdem enorme Sturmwürfe in den Jahren 2017 und 2018 und eine Dürrephase ein Überangebot auf dem Holzmarkt hinterlassen hatten.

„Der Holzmarkt war am Boden.“

Die „turbulenten, herausfordernden Zeiten” setzten sich fort, brachte Vorsitzender Johann Jordan seine Bilanz auf den Punkt. Schier unglaublich große Stammholzlager mussten angelegt werden, um die Massen aufzufangen und zu puffern. „All das hat die miserable Preissituation weiter verschärft”, so Jordan. „Der Holzmarkt war am Boden.” Einige Mitglieder hätten in dieser misslichen Marktlage „leider draufzahlen” müssen. Erst später brachten anziehende Preise eine Entlastung und weitgehend geräumte Lager.

„Mengenspitzen sind immer schwierig”, ergänzte Geschäftsführer Roman Prestele in seinen Rechenschaftsberichten für die beiden vergangenen Jahre. Und längst seien Preisbewegungen keine regionale Angelegenheit mehr. „Der Markt findet in Europa statt.” Unterm Strich sei man „mit einem blauen Auge” aus dem Jahr 2019 herausgekommen. Das Jahr 2020 brachte alles andere als Entspannung, sondern begann mit neuen Sturmwürfen. Riesige Stammholzlager – wie etwa bei Herzmanns, wo über 8 000 Festmeter Stammholz nach dem Sturm „Sabine” gelagert wurden – deuteten auf die desolate Lage im eingebrochenen Holzgeschäft hin.

Die Trendwende: 100 Euro pro Festmeter

„Der Holzpreis fiel schließlich bis auf 40 Euro je Festmeter”, beschrieb Prestele die Talfahrt bis zum Annahmestopp und sprach von „Frechheit”. Zeitweise sei überhaupt kein Verkauf mehr möglich gewesen. Zumindest die staatliche Unterstützung habe funktioniert. Gegen Jahresende gab es eine leichte Erholung und die Trendwende. Und glücklicherweise hielt sich Borkenkäferbefall in Grenzen.

Was die aktuelle Entwicklung angeht, spricht der Geschäftsführer von einer „nie dagewesenen Rallye” mit einem neuerlichen rasanten Anstieg der Erlöse, wie er seit zehn Jahren nicht zu beobachten gewesen sei. Prestele riet den FBG-Mitglieder, das aktuell hohe Preisniveau um die 100-Euro-Marke zu nutzen und nicht allzu lange mit geplanten Einschlägen zu zögern. „Die Märkte werden immer schneller.”

FBG nicht anhängig von Großabnehmern

Vor diesen Rahmenbedingungen zeigte sich das Vermarktungsgeschäft der FBG in den Jahren 2019 und 2020 ebenfalls durchwachsen. Rund 66 000 Festmeter standen zuletzt zu Buche, nach knapp 65 000 Festmetern im Jahr 2019. An der Absatzstruktur hat sich Prestele zufolge wenig geändert: 40 Prozent geht in den Großhandel über die Vermarktung durch inSilva, ein Drittel in den Export (vor allem nach Tirol und Vorarlberg) und ein weiteres knappes Drittel nehmen regionale Sägewerke ab.

Damit sei die FBG nicht abhängig von Großabnehmern und letztlich „gut aufgestellt”, so Geschäftsführer Prestele. Der Energieholzmarkt entwickle sich gut – auch für die FBG. Die Mitgliederzahl hat zuletzt die 3000-er-Marke übersprungen; die betreute Waldfläche beträgt knapp 600 Hektar.

Biodiversität - „Was soll das?“

„Politisch” wurde FBG-Vorsitzender Johann Jordan auch in dieser Versammlung und lenkte den Blick auf aktuelle Themen rund um den Wald wie Klimaschutz, Forststrategie, Flächenstilllegungen und Biodiversität. „Was soll das?”, schüttelte Jordan den Kopf und stellte fest: „Es geht um Ihren Besitz!” Und der Privatbesitz sei kein Gemeingut. „Wir werden den Auswirkungen des Klimawandels Rechnung tragen. Um den Waldumbau voranzubringen muss Holz geschlagen werden!”

Was man den Waldbesitzern denn noch alles vorschreiben wolle, fragte Jordan in die Runde der etwa 60 Versammlungsteilnehmer in Fischen. „Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen. Nur gemeinsam sind wir stark und haben ansatzweise die Chance, zu bestehen”, appellierte er an die Mitgliederversammlung, ihre forstliche Vereinigung zu unterstützen.

Strukturwandel

Im Auge behalten müsse man auch den Strukturwandel in der Sägewerkslandschaft. „Mit 20 bis 50 000 Kubikmeter kommt man bei den große Sägen nicht an”, gab Jordan zu bedenken. Die Macht der großen Unternehmen werde größer.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Heiße Kämpfe beim Winter-Triathlon
Heiße Kämpfe beim Winter-Triathlon
Corona "Drive-In" in Sonthofen und Kempten öffnen wieder
Sonthofen
Corona "Drive-In" in Sonthofen und Kempten öffnen wieder
Corona "Drive-In" in Sonthofen und Kempten öffnen wieder
Corona News Oberallgäu: Inzidenz im Oberallgäu über 200
Sonthofen
Corona News Oberallgäu: Inzidenz im Oberallgäu über 200
Corona News Oberallgäu: Inzidenz im Oberallgäu über 200

Kommentare