Eine Gerichtsverhandlung als Unterrichtsprojekt

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Maler Horst Weiß prüfte während der Verhandlung das Kunstwerk, während die Angeklagte Davina Schröder (Kirsten Pottle, von links), Verteidiger Henry Kober und Richter Benjamin Herges ihn gespannt dabei beobachteten.

Sonthofen – Jede Menge los war am Donnerstag im Sonthofer Amtsgericht. Im Rahmen der bayernweiten „Woche der Justiz“ hatte der Direktor des Amtsgerichtes, Alfred Reichert, zum „Tag der Justiz“ geladen. Auf dem Programm stand unter anderem eine Gerichtsverhandlung um ein gestohlenes Kunstwerk.

Davina Schröder steht vor Gericht. Der Kunststudentin wird vorgeworfen, während eines Stromausfalls ein Kunstwerk des Malers Horst Weiß aus der Villa Jauss gestohlen und durch eine selbst angefertigte Kopie ersetzt zu haben. Das Original soll sie laut Anklageschrift in ihrer Garage versteckt haben, um es zu behalten. Schröder hat bereits ein beträchtliches Vorstrafenregister vorzuweisen: Nötigung, fahrlässige Körperverletzung und Beleidigung.

Der Fall stößt auf großes Interesse in der Bevölkerung, vor allem bei der Jugend: der Sitzungssaal 1 des Amtsgerichtes Sonthofen ist bis auf den letzten Platz besetzt, ganze Schulklassen haben sich eingefunden, um der Verhandlung zu folgen.

Die Angeklagte leugnet vehement, etwas mit der Sache zu tun zu haben. Das Bild in der Villa Jauss sei das Original. Blöd nur, dass der Künster persönlich im Gerichtssaal anwesend ist und das Gemälde begutachtet. Sein Urteil: Das Kunstwerk sieht auf den ersten Blick aus wie das Original. Bei näherem Hinsehen lässt sich jedoch feststellen, dass es eine fast schon stümperhafte Fälschung ist... Das Urteil des Schöffengerichts: Davina Schröder erhält 18 Monate auf Bewährung und muss 200 Sozialstunden ableisten...

Die Gerichtsverhandlung ist eigentlich nur ein Theaterstück. Das W-Seminar des Gymnasiums Oberstdorf hat sich unter Leitung seiner Lehrerin Andrea Wölfle-Holzmann und in Zusammenarbeit mit Alfred Reichert, Direktor des Amtsgerichtes Sonthofen, den Fall ausgedacht, die Verhandlung ausgearbeitet und im Rahmen des „Tages der Justiz“ aufgeführt. Einen solchen Fall habe er in seiner langjährigen Laufbahn noch nicht erlebt, lobt Reichert die Schüler.

Die Verhandlung läuft „wie im richtigen Leben“ ab, streng nach Strafprozeßordnung, wie Reichert betont. Mit einer Ausnahme: Film- und Fotoaufnahmen sind in diesem Fall erlaubt. Die Schülerinnen und Schüler hatten zur Vorbereitung auch einigen „richtigen“ Gerichtsverhandlungen beigewohnt. Im Zuschauerraum sitzen neben einigen interessierten Erwachsenen vornehmlich Schüler, die mit ihren Lehrern zum „Tag der Justiz“ ins Amtsgericht gekommen sind.

Die Verhandlung war zwar der Höhepunkt des Tages im Gericht; es waren jedoch auch ansonsten einige interessante Veranstaltungen angeboten. So hatte Reichert zuvor – vor zahlreichen interessierten Jugendlichen – über die „Folgen einer Jugendstraftag“ referiert. Themen wie Testamentsgestalten und Erbangelegenheiten hatten verständlicherweise eher das erwachsene Publikum angesprochen, doch konnten die Sonthofer Notare auch hier vor vielen Interessierten Informationen geben.

Großes Interesse zog auch der Infostand der Polizei auf sich, an dem eine Motorradfahrt simuliert werden konnte, ebenso wie der Parcour, den die Besucher mit einer Rauschbrille durchlaufen konnten.

Eva Veit

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