Friedhofskultur in Sonthofen

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Das „Grabdenkmal-Museum” am Mittelgang des Sonthofer Friedhofes.

Sonthofen – „‘Jenseits des Guten und Schönen – unbequeme Denkmale’, der diesjährige Tag des offenen Denkmals steht unter keinem einfachen Leitspruch“, unterstreicht Bundespräsident Joachim Gauck in seinem Grußwort zum 20. Denkmaltag der Stiftung Denkmalschutz.

Bereits seit 2007 beteiligt sich die Stadt Sonthofen an der größten deutschen Kulturveranstaltung jeweils mit stadtrelevanten Ausarbeitungen im Kontext der Themenvorschläge. „Das Motto lässt sich auf vielfältige Weise für Sonthofen thematisieren“, erläutert Kulturreferentin Gertrude Goldner ihre Ausgestaltung des Denkmaltags unter dem Leitgedanken 

„Orte der Erinnerung“ als „Festperle“ im Jubiläumsjahr zur 50-jährigen Stadterhebung: den Friedhöfen in Sonthofen mit dem seit 30 Jahren bestehendem „Grabmalmuseum“, dem alamannischen Reihengräberfeld in Altstädten, den vielen Gedenkstätten, Mahnmalen und Ehrenmonumenten im Stadtgebiet, die der Toten und Vermissten, der Vertriebenen und der Flüchtlinge der letzten Kriege gedenken. 

Ziel des Denkmaltags ist es, Aufmerksamkeit für Sepulkralkultur zu wecken und für dieses Kulturgut zu sensibilisieren. Denn eng verbunden mit der Historie einer Stadt ist auch die Geschichte der Friedhöfe. Grabstätten sind Zeichen gelebten Lebens seiner Bürger. Friedhöfe sind aber auch Orte, an denen Kultur und Natur eine Symbiose bilden: sie geben der Trauer einen Platz und sind die Oase der Stille mitten in der Stadt. Und sie sind immer ein Spiegelbild einer sich wandelnden Gesellschaft mit veränderter Trauerkultur- und Rituale. Der Tod gehört jedoch immer zum kulturellen Profil und auch zum täglichen Leben einer Stadt. 

Mahnmal und Erinnerung zugleich ist die Kriegsgräberstätte, die zur zentralen Ruhestätte für 1.600 Kriegstote im „Schwäbele Holz“ vor 60 Jahren gestaltet wurde. Bereits 1953 hat der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge für acht Tote des Ersten und 1590 Opfer des Zweiten Weltkriegs aus 78 umliegenden Gemeinden die zentrale Begräbnisstätte begonnen. Im „Turm des Gedenkens“ aus Grüntenstein sind auf Eisentafeln die Namen der Umgebetteten verzeichnet. Darunter sind auch die 60 Sonthofer Bürger, die beim Luftangriff am 22. Februar 1945 ihr Leben verloren. 

Mit dem „Grabdenkmal-Museum“ am Mittelgang des Sonthofer Friedhofs hat die Stadt Sonthofen seit 1983 schützenswerte Grabmale als historische Zeugnisse erhalten. In den 30 Jahren des Bestehens konnten bisher 20 Grabmale umgesetzt werden, die zumeist aus dem Beginn des 20. Jahrhundert stammen. Weitere geschichtlich wertvolle Grabsteine wurden an ihrem ursprünglichen Standort belassen, um den Friedhofscharakter zu erhalten. 

An die Opfer der Kriege wird in jeder Kapelle der Ortsteile mit Gedenktafeln gedacht. Die weiteren Gedenkstätten, wie das Mahnmal der Heimatvertriebenen, deren fünf Säulen die Ostgebiete Schlesien, Ost- und Westpreußen Pommern und das Sudetenland symbolisieren, das Heimkehrerdenkmal, das zum Frieden mahnt sowie die Kriegergedächtniskapelle und der fast vergessene Lindenhain am Kalvarienberg, der zur Erinnerung an die 113 Gefallenen Sonthofer Soldaten des Ersten Weltkriegs gepflanzt wurde. 

Auch das Kriegerdenkmal am Rathausplatz wurde zum Gedenken an die Opfer des Deutsch-Französischen Kriegs 1875 erstellt. Im Heimathaus erinnern die alten Grabtafeln an den Kirchhof um die Pfarrkirche St. Michael. 

In einem Faltblatt sind die einzelnen Gedenkstätten näher beschrieben, wie auch das alamannische Gräberfeld westlich des Friedhofs in Altstädten, das vor 125 Jahren beim Bau der Eisenbahnlinie nach Oberstdorf gefunden wurde. Leider ist ein Teil der auf 150 Gräber geschätzten Grabanlage dabei zerstört worden. Funde darüber sind im Sonthofer Heimathaus ausgestellt, die auch am „Tag des offenen Denkmals“ von 15 bis 18 Uhr besichtigt werden können.

Das Programm: 

Am Sonntag, 8. September, finden an den „Orten der Erinnerung“ folgende Veranstaltungen statt: 

11 Uhr Eröffnung des „Tags des offenen Denkmals“ in der Friedhofskapelle St. Sebastian und Afra. Anschließend Führung durch Dip.-Ing. Uwe Brendler (Heimatdienst) und Friedhofsrundgang mit Hans Endras (Naturfreunde). 

14 Uhr Friedhof Altstädten. Treffpunkt nicht an der Pfarrkirche, sondern an der Stele des alemannischen Reihengräberfeldes. Führung durch Uwe Brendler (Heimatdienst). 

16.30 Uhr Kriegsgräberstätte am „Schwäbele Holz“. Gedenkfeier „60 Jahre Kriegsgräberstätte“. Begrüßung und einleitende Gedanken durch Gerd Krause, Geschäftsführer des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, Grußworte von 2. Bürgermeister Harald Voigt und Oberst Hans-Christian Hettfleisch, Standortältester der Garnison Sonthofen. Ökumenisches Gedenken mit Diakon Oeing, musikalische Umrahmung durch die Bläsergruppe der Stadtkapelle.

go

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