Tannheimertal: Michlbauer-Harmonika musizieren für die Öffnung der Grenzen

Kleine Grenzmusik: Musikalische Demonstration am Oberjoch

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Simone Rathgeb (rechts) und Fredl Leutner demonstrierten mit flotter Musik an der geschlossenen Grenze bei Oberjoch.

Oberjoch/ Schattwald – Seit März keinen Unterricht, keinen Stammtisch, Ausgangssperren und Kontaktbeschränkungen, keinen musikalischen Austausch für die vielen deutschen und österreichischen Michlbauer-Harmonikaschüler.

Fensterkonzerte, Video-Aufnahmen jedes Einzelnen und viel Applaus untereinander, hielt die Schüler von Fredl Leutner von der „Michlbauer“-Harmonikaschule in Tannheim zusammen. Über die geschlossene Grenzen, kontrolliert von der deutschen Bundespolizei und dem österreichischen Bundesheer hinweg, war man digital vernetzt und verbunden so gut es eben ging.

Doch nach vielen Wochen der musikalischen Entbehrung und Trennung, und vor dem Hintergrund von rückläufigen weniger Infiziertenzahlen, war am vergangenen Donnerstag der Punkt zum Handeln erreicht.

Bei strahlendem Sonnenschein traf eine kleine Abordnung von zwei deutschen Schülern, (nach Lockerung der Kontaktbeschränkung seit Mittwoch möglich) und dem Harmonikalehrer mit drei Tiroler Schülern von beiden Seiten an der Grenze ein. Mit großer Freude und Begeisterung und erleichtert, die anderen endlich wieder zu sehen, wurde viel erzählt und danach aufgespielt.

Die deutsche Bundespolizei betrachtete sich das Ganze und fuhr nach einer kurzen Erläuterung der rechtlichen Situation wieder ab. Wenig später kontrollierte das österreichische Bundesheer die musikalische Truppe und bekam prompt ein Ständchen gespielt.

Dies alles diente dazu, sich in Zeiten der sehr eingeschränkten Bewegungsfreiheit wenigstens ein bisschen Gehör zu verschaffen. Nicht nur Gastronomie, Handwerk und Verwandtschaftliche Beziehungen sind im Allgäu und im Tannheimertal im alltäglichen Austausch grenzübergreifend wichtig, sondern auch kulturelle und sportliche Aktivitäten.

„Die deutschen Schüler, die seit Jahren in Tirol den Unterricht besuchen, haben keine Möglichkeit ihrem Hobby und ihrer Ausbildung am Instrument nachzugehen. Als nicht relevant um die Grenze passieren zu dürfen wird es von den Regierungen eingestuft sofern überhaupt eine Reaktion auf Anfragen zurückkam“, berichtet Leutner.

Leutner zum Abschluss der pfiffigen Aktion: „Schade, dass das Motto der EU ‚In Vielfalt geeint‘ in schwierigen Zeiten offenbar keine Relevanz mehr findet. In diesem Sinne Grüße nach München, Berlin, Innsbruck und Wien – wir brauchen offene Grenzen“

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