Tatort vor der Haustüre

Mit ihrem neuen Kriminalroman „Mord im Bergwald“ führt die Allgäuer Autorin Nicola Förg die Leser in den Bergwald bei Garmisch. Der zweite Fall von Irmi und Kathi bringt wieder „reichlich Lokalkolorit, perfektes Timing und ein unwiderstehliches Kommissarinnen-Duo“, titelt der Piper Verlag zum Bestseller des Monats März. Eine Lesung mit der Autorin der Allgäu-Krimis findet statt am Dienstag, 27. April, um 20 Uhr in Wildpoldsried, Kulturhaus. Nicola Förg entwickelt sich zur „Serientäterin" - einmal jährlich ein Regionalkrimi. Nach mehreren Fällen im Allgäu verlagerte sich vor einigen Jahren Wohn- und Tatort in den (wilden) Westen Oberbayerns. Der zweite Fall für die Garmischer Kommissarinnen Irmi Mangold und Kathi Reindl führt die Leser einmal mehr in die vermeintliche Idylle auf dem Dorf... Der KREISBOTE sprach mit Autorin Nicola Förg über kriminalistische Hinter- und menschliche Abgründe. Und woher die Fälle „kommen“.

KREISBOTE: Immer neue Morde in nächster Nachbarschaft? Nicola Förg: Klar, immer neue Fälle... Es war für mich sehr reizvoll, ein neues Ermittlerteam ins Rennen zu schicken. Dass es zwei Frauen sein müssten, war ebenso schlüssig: Jeder weitere Kommmissar hätte wohl Züge von Weinzirl getragen. Die Damen - Irmi und Kathi - sind auch aus der Region. Sie haben auch keinen ortsfremden Kollegen an der Seite wie in vielen TV-Krimis. Natürlich begegnen sie bei den Ermittlungen Bekannten, was ja im ländlichen Raum logisch und nahe liegend ist. Im jüngsten Fall wird sogar Irmis Bruder zum Verdächtigen... KREISBOTE: Gibt es eine Art "Auslöser", der den Stoff für den Roman quasi in seiner Struktur umreißt? Nicola Förg: Bei "Mord im Bergwald" war es der so genannte Milchstreik im vergangenen Jahr. das war auch für mich ein eindrückliches Erlebnis, ich lebe ja mitten unter aktiven Milchbauern. Meine Nachbarn haben auch gestreikt. Und meine Austragsnachbarin war völlig fertig, sie hat versuicht die Milch eben nicht einfach wegzuschütten, sondern zu verarbeiten, zu Käse, Butter... eine unlösbare Aufgabe. Das war letztlich der Ausgangspunkt für den Krimi. Ich wollte eine Geschichte erzählen, die mit dem Milchstreik zu tun hat, der ja auch ein gerüttelt Maß an Streit und Unfrieden in die Dörfer getragen hat. Die eigentlich Krimihandlung konstruiere ich dann drumherum. KREISBOTE: Also keine Idylle, wo es bestenfalls mal eine Rauferei auf dem Kirchweihfest gibt? Keine heile Welt vor den Toren der Großstadt? Nicola Förg: Thema all meiner Romane: Es steckt viel Mörderisches hinter der Geranienpracht an den Häusern. Das Leben auf dem Land hat hat bis heute viel mit Geborgenheit und Aufgehobensein zu tun. Andererseits gibt es wenig Fluchtmöglichkeiten aus der „Idylle", die nicht selten nur mehr Fassade ist. Anderssein kann sehr schnell gefährlich werden - wer anderer Meinung ist als der Stammtisch, wer anders lebt, ist suspekt. KREISBOTE: Die Geschichte ist schon "im Kopf" fertig, wenn die zündende Idee kommt, das Gerüst, steht? Nicola Förg: Natürlich kenne ich den Mörder und seine Beweggründe. Anders könnte ich die Geschichte ja nicht entwickeln und die Leser auch nicht auf falsche Fährten führen, Spannung erzeugen. Als Autor muss ich mehr wissen als der Leser auf den ersten Seiten des Romans. Innerhalb des Plots, des Plans der Geschichte, passiert viel, Figuren tauchen auf, die ich zunächst nicht vorgesehen hatte, beispielsweise ein Grattler, der seine Kälber quält, oder eine belgische Studentin, die einen Sommer auf einer Alm arbeitet... KREISBOTE: Es geht also weiter? Die „Serie" wird nicht abbrechen? Nicola Förg: Nein, wird sie nicht. Das „pralle Leben" im Oberland bietet Stoff. Im Herbst, so meine Planung, gibt es ein Wiedersehen mit Kommissar Weinzirl... Und die Damen aus Garmisch machen auch weiter. Zum aktuellen Roman „Mord im Bergwald“: Während die Garmischer Kommissarin Irmi Mangold sich ziemlich erfolglos als Gärtnerin versucht und ihre Kollegin Kathi Reindl gerade ein Schäferstündchen mit ihrem verheirateten Nachbarn verbringt, herrscht wenige Kilometer entfernt große Aufregung: Freiwillige vom Alpenverein, die zur Schutzwaldsanierung auf schmalen Steigen oberhalb der Fischbachalm (Krün) Setzlinge transportieren, finden einen Finger, dann ein Ohr. Bald darauf wird auch die zugehörige Leiche entdeckt - männlich, Mitte zwanzig. Im Karwendel und in den Mittenwalder Buckelweisen treffen die Kommissarinnen auf wütende Milchbauern, eifersüchtige Naturschützer, heimliche Geliebte, korrupte Militärs - trittsicher in den Tod! Nicola Förg ist im Oberallgäu aufgewachsen, studierte in München Germanistik und Geographie und ist ganz im Westen Oberbayerns der alten Heimat wieder näher gerückt. Sie lebt mit fünf Pferden, zwei Kaninchen und einer wechselnden Zahl von Katzen in einem vierhundert Jahre alten denkmalgeschützten Bauernhaus im Ammertal. Dort, wo die Natur opulent ist und wo die Menschen ein ganz spezieller Schlag sind. Als Reise-, Berg-, Ski- und Pferdejournalistin ist ihr das Basis und Heimat, als Autorin Inspiration, denn hinter der Geranienpracht gibt es viele Gründe (zumindest literarisch), zu morden. Eine Lesung mit Nicola Förg, der Autorin der Allgäu-Krimis, findet statt am Dienstag 27. April, um 20 Uhr in Wildpoldsried im Kulturhaus.

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