Endzeitstimmung: Oberstdorf Therme soll Mitte August schließen

+
Allzu viele Schwimmer tummeln sich nicht im großen Becken, doch die Schließung per Schnellschuss stößt auf Kritik.

Eigentlich schien alles in trockenen (Bade-)Tüchern. Der Gemeinderat hatte nach langem Hin und Her beschlossen, die in die Jahre gekommene Therme abzureißen und am derzeitigen Standort neu zu bauen. Ein Masterplan wurde erarbeitet und die Pläne öffentlich ausgelegt.

Als Nächstes soll ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden – der Eröffnungstermin der „neuen Therme“ ist für Ende 2021 vorgesehen.

Vorangegangen waren jahrelange Querelen und Diskussionen. Auch die Idee in Richtung Rubi ein Hotel mit angeschlossener Badelandschaft als Ersatz zu bauen. Mit den Thermenfreunden trat eine Organisation auf die Bildfläche, die sich energisch für den Erhalt bzw. Neubau am jetzigen Standort einsetzt, Unterschriften für ein Bürgerbegehren sammelte und letztlich auch die Kommunalpolitik „überzeugte“. Mit Horst Graf wurde – ebenfalls nach einer längeren Hängepartie - Ende 2016 ein neuer Tourismusdirektor eingestellt, der auch das Thermenthema voranbringen sollte.

Nachdem zuvor schon die Öffnungszeiten reduziert wurden, kam im Mai dieses Jahres unverhofft der große Paukenschlag: Die Therme soll zum 15. August vorzeitig geschlossen werden. Gründe: Baumängel, Sicherheitsbedenken und fehlendes Personal. So wurde sofort das beliebte Thermal-Außenbecken geschlossen, weil hier monatlich Tausende von Litern Wasser versickern. Weitere Mängel: Undichte Rohre, an die man nicht herankommt, die Gefahr von Verkeimung, ein veraltetes Notstromaggregat, und, und, und. Auch die Vermieter und Hoteliers wurden von der Nachricht kalt erwischt. Mehrere Gemeinderäte plädierten dafür, das Thema noch einmal zu behandeln um die Ausfallzeit zwischen Schließung der Therme und einer Wiedereröffnung des Neubaus möglichst kurz zu halten.

Kritik der Thermenfreunde

Beim Stammtisch der Thermenfreunde gab es deutliche Kritik, dass in der Vergangenheit zu wenig in den Erhalt des Bades investiert worden sei. Skeptiker befürchten, dass sich der Neubau weiter verzögern könnte und der Ferienort bei vorzeitiger Schließung bis zu vier Jahren ohne Bad dastehe.

Nun sammelten Bürger wieder Unterschriften für einen Bürgerantrag. Die Forderung: Es sollen die notwendigsten Reparaturarbeiten durchgeführt und eine Schließung erst ein halbes Jahr vor dem Abriss vorgenommen werden. Aus ihrer Sicht ist ein Weiterbetrieb notwendig und möglich. Sie befürchten wirtschaftlichen Schaden für den Tourismus in Oberstdorf, wenn das Bad zu lange geschlossen bleibt.

Inzwischen wurden die Unterschriften der Gemeinde überreicht. Ob die Aktion etwas bringt ist allerdings fraglich. Die Weichen sind in Richtung Schließung gestellt – die Zeit drängt.

Aktuell herrscht eher Endzeitstimmung. Die Therme ist nur noch an drei Tagen in der Woche geöffnet. Infrarotsauna, Thermalbecken, Mutter/Kind-Bereich und die Wellenanlage sind außer Betrieb. Die Eintrittspreise sind reduziert und Badekleidung und -utensilien gibt es zum halben Preis. Es geht auch die Befürchtung um, dass die Karten ganz neu gemischt werden und der Standort in der Ortsmitte noch mal zur Disposition stehen könnte. „Schade, dass man so eine Anlage so verkommen lässt“, klagte eine Oberstdorfer Bürgerin, die lange Stammgast in der Therme war und in der vorigen Woche vor verschlossenen Türen stand.

Auch in der Bürgerversammlung war die Thermen-Schließung das Hauptthema. Die Kritik ging vom fehlenden Schulschwimmen über die Personalsituation bis zum Vorwurf der „Verzögerungstaktik“. Ein „empfehlender Antrag“ von Albert Vogler an dem Gemeinderat, dass der Neubau im Jahr 2019 zu erfolgen hat, wurde mit Mehrheit angenommen. Bürgermeister Mies sah dies als Ansporn, die Planungen weiter intensiv voranzutreiben. Er verwies aber auf die „komplexe Materie“ wie Schadstoffprüfungen beim Abriss, europaweite Ausschreibungen und Förderanträge, die Zeit brauchen.

Heinrich Bonert

Auch interessant

Meistgelesen

Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
Ist Ihr Kind fit für das neue Schuljahr?
Ist Ihr Kind fit für das neue Schuljahr?
Parlamentarischer Austausch
Parlamentarischer Austausch
Blasmusik liegt voll im Trend
Blasmusik liegt voll im Trend

Kommentare