Vergessener Meister

Thüringen: Sonderausstellung über den Allgäuer Maler Andreas Müller

Ölbild von Andreas Müller
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Ölbild von Andreas Müller: Apotheose der Erbprinzessin Charlotte von Sachsen-Meiningen, 1855-1861
  • VonLena Fuhrmann
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Meiningen – Andreas Müller aus Rettenberg – dem Oberallgäuer Maler mit Allerweltsnamen – ist eine große Ausstellung gewidmet, aber nicht im Allgäu, sondern in Thüringen.

Denn der vor 190 Jahren geborene, eher unbekannte Freskant, Historienmaler und Illustrator hat ein durchaus ausstellungswürdiges Œuvre hinterlassen. Dieses wird nun zum ersten Mal präsentiert.

Meininger Museen

Im Schloss Elisabethenburg mitten in Meiningen heißt es: „Allgäu – Meiningen – München. Einblicke in Leben und Werk des Malers und Zeichners Andreas Müller (1831–1901)“. Diese Sonderausstellung der Meininger Museen ist die überhaupt erste Andreas Müller gewidmete Ausstellung. Müller wurde am 23. Juli 1831 in der Altach-Mühle in Rettenberg geboren. Er studierte an der Akademie der bildenden Künste in München und war Schüler von Moritz von Schwind und Wilhelm von Kaulbach. Letzterer empfahl ihn an Erbprinz Georg von Sachsen-Meiningen (ab 1866 als Georg II. regierend), an dessen Hof Müller fünf Jahre lang tätig war und auch Theaterkostüme für das Meininger Hoftheater entwarf. Danach kehrte der Oberallgäuer Maler nach München zurück, wo er eine Reihe königlicher Aufträge erhielt und 1875 als Professor für kirchliche Kunst an die Akademie berufen wurde.

Leihgaben aus Sonthofen, Rettenberg, Oberstdorf

„In der Meininger Ausstellung stößt man auf viele Leihgaben aus dem Allgäu. „Das Museum ließ eine ziemlich ramponierte 161 x 258 cm große Zeichnung der ‚Zehnten ägyptischen Plage’ aus dem Heimathaus Sonthofen total restaurieren“, weiß der ehemalige Vorsitzende des Berufsverbandes Bildender Künstler Allgäu/Schwaben-Süd, Walther Gunther le Maire. „Das Ölgemälde ‚Frühstück im Freien’ (100 x 400 cm) aus der Hofmühle Immenstadt ist dominant gehängt, ein kleines Ölbild eines Helmes und mehrere Zeichnungen kommen aus Rettenberg, Sonthofen und aus Privatbesitz von Oberstdorf und Kranzegg.“ Überraschend eindrucksvoll seien auch Großfotos, beispielsweise des Altarbildes „Der gute Hirte“ aus der Kapelle in Wagneritz.

Im Oberallgäu sind von Müllers Hand noch heute die Altarbilder „Heilige Ursula“ und „Herz Jesu“ in der Untermaiselsteiner Kirche zu betrachten. Auch die Entwürfe für Altar und Deckenfresken der Kirche in Rettenberg stammen von Müller. Die Kirche in Weißenhorn bei Ulm zählt zu seinen Hauptwerken. „Müllers Glasfenster sind in ganz Deutschland zu finden, in Sonneberg, in Mecklenburg-Vorpommern, Hof, Landshut“, schwärmt le Maire, „sogar in Stockholm, Moskau oder Breslau.“

Späte Wertschätzung

Stilistisch ist Müller den Spät-Nazarenern zuzuordnen, welche eine religiös orientierte Malart der Romantik vertreten, „die lange nicht ,in’ war“, so le Maire. Dies mag an ihrer vordergründig einfältigen Gestaltungsweise liegen, die schnell als kitschig empfunden wird. Le Maire, selbst Maler, beobachtet, dass der Stil der Nazarener „langsam wieder geschätzt wird.“

Andreas Müllers Werke sind noch bis zum 3. Oktober in Schloss Elisabethenburg in Meiningen zu sehen. Im Oberallgäu kann man seine Kirchenausstattung freilich jederzeit in den genannten Allgäuer Kirchen bewundern. Und bald soll es auch einen Film geben, der mit Müllers Nachkommen und den Museumskuratoren momentan am Entstehen ist. Informationen zur Sonderausstellung im Schloss Elisabethenburg in Meiningen gibt es auf der Homepage www.meiningermuseen.de

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