Tier-Skandal in Bad Grönenbach: 160 Beamte bei Durchsuchungen im Einsatz

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Mit einem Großaufgebot waren Polizeikräfte, Veterinäre und Staatsanwaltschaft am Mittwoch in Bayern und Baden-Württemberg im Einsatz.

„Es sind Bilder, die wir alle gesehen haben, die uns verstört haben und die eine politische Diskussion ausgelöst haben“, sagte Christian Eckel, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, bei der Pressekonferenz bei der Staatsanwaltschaft Memmingen zum Skandal um den Milchviehbetrieb Endres in Bad Grönenbach ein.

Insgesamt stehen der Hofbetreiber, fünf seiner Mitarbeiter und drei Veterinäre im Verdacht, aktiv gegen das Tierschutzgesetz verstoßen oder durch Unterlassen billigend in Kauf genommen zu haben, dass Kühe und Kälber unnötig leiden mussten. Die Selektion und Zuordnung der rund 400 Stunden Videobeweis­aufnahmen zu den einzelnen Standorten nahmen viel Zeit in Anspruch, auch aktuell werden diese noch vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) geprüft.

Am Mittwoch, 31. Juli, erfolgten nun Durchsuchungen in insgesamt 21 Objekten in Bayern und Baden-Württemberg, darunter die sieben Milchbetriebe des Beschuldigten sowie zwölf Privatwohnungen und zwei Tierarztpraxen. Insgesamt 160 Beamte, elf Staatsanwälte und vier Veterinäre waren seit acht Uhr morgens im Einsatz. Dabei wurden laut Thomas Hörmann, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Memmingen, Handys, Laptops und Notebooks beschlagnahmt, um elektronische Daten sicherzustellen. Von deren Auswertung erhofft sich die Polizei Antworten auf die Frage zu finden, wer schon lange vor Entstehung des Videomaterials von den erbarmungslosen Zuständen gewusst und pflichtwidrig Hilfe unterlassen hat.

Erhebliche Verletzungen

Michael Haber, Leiter der Sonderkommission des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, kündigte an, dass die Bearbeitung des Falls noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde. 30 Beamtinnen und Beamte arbeiten demnach mit Hochdruck an der Aufklärung.

Nachdem am 8. Juli per E-Mail eine Anzeige wegen des Verdachts auf starke Verstöße gegen das Tierschutzgesetz eingegangen war, wurden die Anschuldigungen umgehend überprüft und ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Noch am selben Tag wurde die Öffentlichkeit über die Ereignisse informiert. Die Mitarbeiter des LGL unterstützten die Kreisverwaltungsbehörde und die Veterinärämter von Beginn an bei der Kontrolle des Hauptbetriebs. Aufgrund der Größe waren zwei Begehungen notwendig, bei denen das Hauptaugenmerk auf den Umgang mit verletzten und kranken Tieren gerichtet war. Die Kühe wurden Dr. Martina Sedlmayer vom LGL zufolge während des Melkens beobachtet, auffällige Tiere sofort vom Rest separiert und untersucht. Etwa die Hälfte der 1700 erwachsenen Milchkühe sei in keinem optimalen Gesundheitszustand gewesen. „191 Tiere waren sogar in sehr schlechter Verfassung und wiesen zum Teil erhebliche Verletzungen auf. Auch von den 137 kontrollierten Kälbern waren 46 in einem behandlungsbedürftigen Zustand“, so Sedlmayer. Vier Tieren sei es so schlecht gegangen, dass sie gleich beim oder kurz nach dem ersten Kontrolltermin notgetötet werden mussten, acht weitere Einschläferungen folgten beim zweiten Kontrolltermin.

Unterdessen haben die Beleidigungen gegen die Familie Endres nicht nachgelassen. Vor allem im Internet würde sie weiterhin übel beschimpft und bedroht, so Haber. In der Vergangenheit wurden Autoscheiben zerschlagen, Autoreifen zerstochen und der Hofbetreiber sogar von einem aufgebrachten Bürger mit dem Messer bedroht. Zu den Vorwürfen der Tierquälerei haben die Beschuldigten bislang keine Angaben gemacht.

jz

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