Landrat Klotz: "Erschütterndes Ereignis", aber kein Versagen Seitens der kommunalen Behörden

Tierschutzverein Sonthofen: Eine "menschliche Katastrophe"

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Ein schreckliches Bild bot sich den Einsatzkräften im Haus der verstorbenen Vorsitzenden des Tierschutzvereines Sonthofen.

Sonthofen - Nach den schrecklichen Ereignissen rund um den Tierschutzverein Sonthofen trafen sich nun Behördenvertreter zu einem "Runden Tisch". Landrat Anton Klotz sieht keine Versäumnisse seitens des Veterinäramtes oder der Stadt Sonthofen. Künftig sollen die Vereine besser überwacht werden.

Zu einem „Runden Tisch“ in Zusammenhang mit den Geschehnissen rund um den Tierschutzverein Sont­hofen trafen sich vergangene Woche Vertreter des Landratsamtes, des Veterinäramtes, der Stadt Sonthofen, der Polizei, des Tierschutzvereines Oberstdorf und Tierschützer im Landratsamt. 

Die Vorsitzende des Tierschutzvereines Sonthofen war vor rund drei Wochen tot in ihrem Haus aufgefunden worden. Bei der Bergung der Toten wurden dutzende verendeter, teils mumifizierter Tiere gefunden. Zwei Katzen konnten lebend aus dem Haus gerettet werden. Vor allem in den Sozialen Netzwerken führte diese Nachricht zu entsetzten Kommentaren. Den Behörden wurde vorgeworfen, nicht rechtzeitig eingeschritten zu sein.

Landrat Anton Klotz sprach in einem Pressegespräch zu den Ergebnissen des „Runden Tisches“ von einem „bedauerlichen, dramatischen Ereignis“. Allerdings, so Klotz weiter, sehe das Landratsamt keine Fehler, weder seitens des Veterinäramtes noch seitens der Stadt. „Die Aufsichtspflicht hinsichtlich dessen, was bekannt war, wurde grundsätzlich nicht versäumt!“ Die Kommunalbehörden wollten nun gemeinsam mit den Tierschützern versuchen, den Tierschutzverein Sonthofen auf neue Beine zu stellen.

Die Verstorbene habe als Vorsitzende des Tierschutzvereines Fundtiere vorübergehend aufgenommen, sich um sie gekümmert und sie meist auch sehr schnell weitervermittelt, erläuterte der Referatsleiter des Ordnungs- und Sozialamtes Sonthofen, Helmut Schratt.

„Die Tiere wurden in eine menschliche Katastrophe gezogen und sind elendig gestorben“, sagte Gottfried Mayrock, Leiter der Abteilung Natur, Gesundheit, Verbraucherschutz und Kommunales im Landratsamt. Weiter sagte Mayrock, dass es sich hierbei um kein Tierheim gehandelt habe – Tierheime müssen vom Veterinäramt überwacht werden. Die Verstorbene habe selbst privat Katzen gehalten und die Fundtiere vorübergehend gepflegt. Bei privaten Tierhaltern erfolgen Kontrollen nur nach einem konkreten Anlass – wenn ein konkreter Verdacht vorliegt, dass die Tiere leiden, dass sie in ihrem Leben bedroht sind. Das Veterinäramt darf sich aber auch dann nur einen Eindruck von den Verhältnissen verschaffen, also ein Haus oder eine Wohnung betreten, wenn der Tierhalter die Behörde freiwillig rein lässt. Gegen den Willen des Betroffenen, so Mayrock weiter, sei dies nur mit einem Gerichtsbeschluss möglich.

"Nicht optimal, aber vertretbar"

Vor einigen Jahren sei das Veterinäramt Meldungen nachgegangen, dass die Tiere nicht gut gehalten würden. Bei einer Besichtigung der Kellerräume des Hauses hätten die Kontrolleure festgestellt, dass die Haltung zwar nicht optimal, aber vertretbar sei. Die Fundtiere hätten dort teils Auslauf gehabt, teils seien sie in Käfigen gehalten worden. Die Privaträume hätten sie nicht betreten dürfen, jedoch habe die Verstorbene versichert, dass dort lediglich ihre privat gehaltenen Katzen lebten. Im vergangenen Jahr sei man nochmals Meldungen nachgegangen. Allerdings habe es zu keinem Zeitpunkt Hinweise gegeben, dass die Tiere nicht gut versorgt würden oder gesundheitliche Schäden erleiden müssten, so Mayrock weiter. Von der dramatischen Verschlechterung der Situation in letzter Zeit habe das Amt nichts gewusst.

Zwar erweckte der Zustand des Hauses den Eindruck, dass die Verstorbene mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen habe, konkrete Hilfsangebote von Seiten des Sozialdienstes und auch der Polizei habe sie jedoch abgelehnt.

Zukunftsvisionen

In dieser Woche will die Stadt Sonthofen gemeinsam mit allen Betroffenen nochmals über die Zukunft des Tierschutzes in der Kreisstadt sprechen. Die Kommune ist verantwortlich für Fundtiere. Im Landkreis Oberallgäu wird es so gehandhabt, dass sich die Tierschutzvereine um Fundtiere kümmern, die Finanzierung erfolgt durch den Landkreis, der den Tierschutzvereinen in Kempten, Immenstadt, Sonthofen und Oberstdorf je nach Einwohnerzahl des Einzugsgebietes Geld zur Verfügung stellt. Der Vorsitzende des Tierschutzvereines Oberstdorf, Udo Busche, sagte, dass leider in den vergangenen Jahren das Verhältnis zum Tierschutzverein Sonthofen nicht mehr gut gewesen sei. Dass der Tierschutzverein Sonthofen in den vergangenen Jahren – entgegen geltenden Rechts – nur noch einen Vorstand hatte, war wohl niemandem bekannt.

Für die Zukunft will der Landkreis dafür sorgen, dass die Geldströme besser überwacht werden und dass der Zugang zu den Fundtieren durch die Behörden erleichtert wird, fasste Andreas Kaenders, Pressesprecher im Landratsamt, die Ergebnisse des „Runden Tisches“ zusammen. Zunächst einmal müsse jedoch die Tierschutzarbeit in Sonthofen neu strukturiert werden.

Wie viele Mitglieder der Tierschutzbund Sonthofen überhaupt noch hat, wer den Vorsitz übernehmen wird, muss zunächst noch mit Hilfe des Vereinsregisters herausgefunden werden. Gerüchteweise ist im Jahre 2014 letztmals der Mitgliederbeitrag von den Mitgliedern abgebucht worden. Man müsse jetzt erst einmal „abwarten, ob sich in Sonthofen ein handlungsfähiger Verein gründet, der es auch schafft, ein Tierheim auf die Beine zu stellen. Sonst muss man weiter schauen“, sagte Landrat Anton Klotz abschließend.

Da derzeit in Sonthofen keine Fundtiere abgegeben werden können, hat der Tierschutzverein zwei Notrufnummern eingerichtet: 0177/5341510 und 0151/62654110.

eva

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