Toleranz, Diplomatie und Optimusmus: Heidi und Sepp Schmid sind seit 65 Jahren verheiratet

Heidi und Sepp Schmid aus Sonthofen durften vergangene Woche ihre Eiserne Hochzeit feiern: seit 65 Jahren sind sie verheiratet. Foto: Eva Veit

„Dann hab ich ihn eingeladen, er darf mit unter meinen Schirm“, erinnert sich Heidi Schmid an die erste nähere Begegnung mit ihrem Mann Sepp. Das war im Herbst 1946. Am 10. Mai 1947 schlossen die Beiden den Bund fürs Leben. Inzwischen sind sie seit 65 Jahren verheiratet und konnten vergangene Woche ihre Eiserne Hochzeit feiern.

Was ist das Rezept für eine so lange Ehe? „Viel Toleranz von Seiten der Frau, Diplomatie und Optimismus“ erklärt Heidi. Natürlich habe es auch in ihrer Ehe Höhen und Tiefen gegeben. Aber man dürfe halt nicht gleich aufgeben. „Wenn es nach mir gegangen wäre, wären wir schon manches Mal geschieden worden“, gesteht Sepp. „Ich bin ein arger Hitzkopf!“ „Ich bin dein ruhender Pol“, entgegnet ihm Heidi. „Es geht nur miteinander“, ist sich Sepp sicher, in privaten wie auch in finanziellen Dingen. „Alleine hätte ich das alles nie geschafft!“ Eine Doppelhochzeit Mit 17 Jahren wurde Sepp Schmid 1943 eingezogen – er kämpfte an der West- und an der Ostfront, wurde zweimal verwundet und kam Ende 1944 in Kriegsgefangenschaft. Als er im Mai 1946 entlassen wurde, konnte er nicht nach Hause zurückkehren – das Sudetenland gehörte nicht mehr zu Deutschland. So kam er nach Göggingen bei Augsburg, wo ihm in der Nachbarschaft seiner zukünftigen Frau Heidi ein kleines Zimmer zugewiesen wurde. Das erste Mal habe er seine Zukünftige gesehen, als er mit einem Freund Holz gehackt habe, erzählt Sepp Schmid. Heidi sei mit ihrer Schwester, beide im Dirndl, vorbeigelaufen, und er habe zu seinem Freund gesagt „von denen beiden will ich aber keine!“ Nachdem sich die Beiden im Herbst 1946 unter Heidis Regenschirm näher kennengelernt hatten, ging dann alles sehr schnell. Am 10. Mai 1947 wurde in der Kirche St. Michael in Göggingen Doppelhochzeit gefeiert: nicht nur Sepp und Heidi heirateten, auch ihre Schwester Zenzi und deren Freund Adi. Es wurde nur im kleinen Kreis gefeiert und nicht so pompös wie heute – für 25 Leuten „gab es nur einen Hasenbraten“ – aber es sei trotzdem eine sehr schöne Hochzeit gewesen, sind sich die Jubilare einig. Schwere Anfangsjahre Die Nachkriegsjahre waren nicht leicht, „es hat ja niemand was gehabt.“ Die Schmids lebten, nach der Geburt ihrer Tochter Monika im August 1948 zu dritt, in einem kleinen Zimmer von etwa zehn Quadratmetern. Das Zimmer war karg eingerichtet, Wasser musste von draußen geholt werden. Auf Grund der Verwundungen, die Sepp Schmid im Zweiten Weltkrieg erlitten hatte, konnte er seinen ursprünglichen Beruf des Bauschreiners nicht mehr ausüben. Er arbeitete deshalb zunächst bei der Bundesbahn, bevor er im September 1956 in die Bundeswehr eintrat. Dort legte er die Prüfungen für sämtliche Führerscheinklassen ab. Durch seine Tätigkeit bei der Bundeswehr war Sepp Schmid oft von seiner Familie getrennt. Mindestens sechs Jahre, in denen der Vater vielleicht zweimal pro Jahr zu Hause war, erinnert sich Tochter Monika. Es seien harte Zeiten gewesen, aber „die Trennungen haben uns nicht geschadet“, ist sich das Ehepaar sicher. Heidi musste eben zu Hause alles selbst organisieren, auch bei anstehenden Wohnungswechseln war ihr Mann manchmal nur einen Tag zu Hause. Im Allgäu angekommen Drei Jahre lang lebte die Familie in Holland, bevor Sepp Schmid schließlich 1970 nach Sonthofen versetzt wurde. Als Heidi Schmid bei der Anreise das erste Mal die Allgäuer Berge gesehen habe, musste sie weinen, erzählt ihr Mann. Für Heidi stand fest: hier gehe ich nicht mehr weg! Wenn ihr Mann nochmals versetzt geworden wäre, hätten sie einfach wieder eine Fernbeziehung geführt. Und die Schmids konnten in Sonthofen bleiben. Heidi arbeitete im Kaufhaus Hager und bei Ergee, Sepp war nach seiner Pensionierung 1979 noch zehn Jahre als Fahrschullehrer tätig. Ihre Tochter Monika heiratete in die USA – und kam 1984 allein mit ihrer damals zweijährigen Tochter Melanie zurück. Heidi und Sepp Schmid kümmerten sich liebevoll um ihre Enkelin, nicht nur wenn Monika arbeiten musste. Monika sei sein ganzer Stolz, erzählt Sepp Schmid, Melanie sein Sonnenschein. Die Familie habe keine größeren Schicksalsschläge zu verkraften gehabt, erzählt Heidi. Sepp hatte bei zwei schweren Unfällen großes Glück, kam ohne große Verletzungen davon. „Fügung“ sagt er. Es sei wichtig, immer positiv in die Zukunft zu schauen, fügt Heidi hinzu, dann lasse sich vieles besser ertragen. Heute ist Heidi Schmid 89 Jahre alt, Sepp 86. Sepp kann nach zwei Herzinfarkten und einem Schlaganfall ohne größere Einschränkungen leben. „Wir müssen Gott danken, wenn man sieht, wie andere in unserem Alter daherkommen“ sagt Heidi. Die beiden gehen nach wie vor regelmäßig schwimmen, fahren in Urlaub, engagieren sich beim Roten Kreuz und sind auch ansonsten recht aktiv. Und sie genießen den traumhaften Blick von ihrem Balkon in die Oberstdorfer Berge. Bei klarem Wetter können sie sogar den Oberstdorfer Kirchturm sehen, erzählt Sepp Schmid. „Wenn das ein Maler malen würde, würde man sagen der ist verrückt, das gibt es doch gar nicht“, fügt seine Frau hinzu.

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