Tourismusdialog im Oberallgäu: Wer stehen bleibt, fällt zurück

Der Knebel der Vorschriften

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Die Allgäuer Krimi-Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr (Mitte) werben mit ihren Büchern und deren Verfilmungen auch für die Region, finden Hotelier Michael Fäßler (von links), Moderator Georg Ried, Staatssekretär Franz Josef Pschierer und (von rechts) Seilbahn-Präsident Peter Schöttl und Klaus Holetschek vom Tourismusverband Allgäu/Bayrisch-Schwaben.

„Bayern ist Heimat. Ganz einfach“, so ein Zitat in einem aktuellen Imagefilm der bayerischen Tourismuswirtschaft. Das sehen die Tourismusverantwortlichen im Allgäu genauso, so der Tenor beim Tourismusdialog mit Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer in Sonthofen.

Alles was die Menschen gemeinhin mit dem Begriff Heimat in Verbindung brächten, fände sich im Allgäu noch mehr als anderswo in Bayern: nicht kitschig und klischeehaft, sondern echt, ehrlich, herzlich. 

Tourismusdialog im Oberallgäu: Bayerns Wirtschafts- und Tourismusstaatssekretär Franz Josef Pschierer sprach mit Vertretern aus der Allgäuer Tourismusbranche über die Potenziale und Perspektiven der Urlaubsregion. Die Zahlen sind gut, das Allgäu ist seit Jahren „in“. Doch was sollte geschehen und was sollte nicht passieren, damit es so bleibt. Dies wollte der Staatssekretär mit Praktikern vor Ort ausloten und diskutieren.

„Allgäuer Dörfer im Nachbau gibt es weltweit. Aber wir sind das Original.“ Der Allgäu-Tourismus läuft gut. Im vergangenen Jahr, so skizziert Pschierer die Entwicklung, habe sich ein Plus von 5 Prozent bei den Gästeankünften ergeben; 6 Prozent bei den Übernachtungen. „Dieser Trend hält auch in diesem Jahr an. Ein Verdienst der Tourismusfamilie“, so der Staatssekretär. Dennoch dürfe man nicht stehen bleiben, sondern müsse vielmehr investieren. Mit „Geiz ist geil“ könne der Allgäu-Tourismus nicht punkten. „Es gibt Menschen, die nicht nur den Preis kennen, sondern auch den Wert schätzen.“

Pschierer folgert: „Ohne Tourismus hätte sich die Wirtschaft nicht so gut entwickelt, mit neuen Arbeitsplätzen und Wohlstand in breiten Schichten.“ Sein Ministerium habe nicht nur „gute Worte“, sondern fördere Investitionen in den Tourismus, zum Beispiel mit der aktuellen Premiumoffensive Tourismus oder der Regionalförderung Bayern. Speziell auf das Algäu zugeschnitten sei etwa das Sonderprogramm „Almwirtschaften / Berggaststätten“. Eine Nummer größer das Seilbahnprogramm des Freistaats, das bis ins Jahr 2019 verlängert wurde und die Qualität der Infrastruktur verbessern helfe, so Pschierer: „Dort wo wir in Bergbahnen investieren, gibt es nachgelagerte Investitionen.“ Es gehe längst nicht mehr um die Skifahrer allein; im Fokus stünde Naturgenießer, der Ganzjahrestourismus. „Ohne diese Förderungen sind solche Investitionen nicht möglich“, bringt Pschierer das Prinzip auf den Punkt. Nicht im Gegen- oder Nebeneinander komme man weiter, sondern im Miteinander.

Investitionen und Tourismusförderung hält auch Peter Schöttl, der Präsident des Deutschen Seilbahnverbandes, für wichtig. Das sichere Jobs und halte die Menschen in der Region. Eine ständige Weiterentwicklung des touristischen Angebotes sieht der Vorsitzende des Tourismusverbandes Allgäu/Bayrisch-Schwaben, Klaus Holetschek, als unerlässlich. Das gelte nicht zuletzt für die Digitalisierung der Branche.

Wo die Gastronomie in der Praxis der Schuh drückt, beschrieb als Praktiker der Branche Michael Fäßler, Chef in vierter Generation des Sonnenalp Resort in Ofterschwang. Fäßler warnte vor allzu viel Bürokratie, zu vielen Vorschriften, die die Branche lähmten. Einerseits solle man Müll vermeiden, müsse aber andererseits bei der Küchenarbeit Gummihandschuhe tragen. Übrig gebliebene Semmeln vom Buffet dürfe man nicht einmal den Mitarbeitern geben, kritisiert Fäßler. „Wir schützen uns langsam zu Tode“, gibt ihm Pschierer Recht.

Es gebe viele Jobs in der Gastronomie und Hotelerie, doch sei es kaum möglich, die erforderlichen Fachkräfte zu gewinnen, greift Michael Fäßler ein weiteres Thema auf. Fäßlers Hotelier-Kollege und IHK-Vizepräsident im Kreis Kempten / Oberallgäu, Robert Frank aus Oberstdorf, pflichtet bei und fordert Erleichterung, um weitere ausländische Arbeitskräfte beschäftigen. Auch die Lehrpläne der Dualen Ausbildung müssten auf den Prüfstand.

Die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze für Bewirtung und „normalen“ Verkauf waren weiterer Diskussionsstoff der Runde. Hier kann sich der Staatssekretär auf lange Sicht eine Art gegenseitige Annäherung der beiden Sätze von 7 Prozent (Verkauf) beziehungsweise 19 (Gastronomie) Prozent vorstellen. Eine Senkung des Steuersatzes in der Gastronomie würde Pschierers Schätzung zufolge den Bund allerdings drei bis vier Milliarden Euro kosten.

Flexibilität sei zudem gefordert beim heißen Eisen Arbeitszeitregelung, die Jochen Deiring vom Hotel- und Gaststättenverband anspricht: „Arbeitnehmerfeindlich und fern jeder Praxis.“ Man könne die Gäste doch nicht nach Hause schicken, weil die zulässige Arbeitszeitdauer des Personals nach zehn Stunden erreicht sei. Viele Beschäftigte würden gerne länger arbeiten, um dafür länger am Stück frei zu haben.

Josef Gutsmiedl

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