Transparenz und Beteiligung

Das Tannachwäldchen als Bürgerwald – die Gegner einer möglichen Umfuntionierung des Waldes in ein Gewerbegebiet hoffen, dass das auch in Zukunft so bleibt. Foto: Eva Veit

Transparenz und öffentlicher Umgang mit allen Prozessen, die die Stadt angehen: das ist laut 1. Bürgermeister Hubert Buhl die Politik, die das Rathaus seit mindestens 16 Jahren praktiziert. Deshalb traf er sich mit Vertretern der Facebook-Gruppe „Gegen die mögliche Abholzung des Tannachwäldchens“ und der betroffenen Anwohner, um mit ihnen über die Überlegungen im Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept ISEK, das Tannachwäldchen als Gewerbegebiet zu nutzen, zu sprechen.

„Ich bin froh, dass wir so ein diskussionswürdiges Thema aufgegriffen haben, froh um die Diskussion, froh um die Beteiligung der Bevölkerung“ betonte Buhl gleich zu Beginn des Gespräches. Zunächst einmal müsse man aber verstehen, dass es nicht alleine um das Tannachwäldchen geht – es geht um Sonthofen als Ganzes. Die freiwerdenden Bundeswehr-Areale und die damit verbundene Konversion stellen wichtige Weichen für die Zukunft Sonthofens. Die ISEK-Planungsgruppe hat zwar die Bereiche Wohnen und Bildung als vorrangiges Ziel formuliert – das Gewerbe darf aber nicht aus den Augen gelassen werden. Sonthofen befindet sich auf Grund beschränkter Flächen in einer schwierigen Lage – man muss den Unternehmen vor Ort aber Entwicklungsmöglichkeiten und somit Platz bieten, um sie zu halten und somit Arbeitsplätze zu sichern. Am Beispiel der Firmen Füß, Wölpert und C&C sehe man, dass eine Firma, die nicht mehr expandieren kann, einfach wegzieht. Aufgabe der Entscheidungsträger der Stadt sei es, „alles abzuwägen, abzuklären, die gesamte Situation zu betrachten,“ führte Buhl weiter aus. Man muss die Möglichkeit, dass Tannachwäldchen als Gewerbegebiet zu nutzen, prüfen, den ökologischen Wert im Gesamtzusammenhang sehen. Prüfen, ob die „Variante 2“ (Tannachwäldchen als Gewerbegebiet und Grüntenkaserne sowie STOV als Grünfläche und Wohngebiet, der KREISBOTE berichtete) langfristig mehr Chancen für die Stadtentwicklung brächte als eine Nutzung der Grüntenkaserne als Gewerbegebiet. „Ich will Sie begeistern, sich in diesen Prozeß einzubringen“ betonte Buhl gegenüber den Vertretern der Gegner. Er bot ihnen an, dass zwei Vertreter in der ISEK-Gruppe mitarbeiten können. Den Bürgern völlig unverständlich „Ist es uns das Wert, das Tannachwäldchen zu opfern, um fünf Jahre zu überbrücken“ spielte Elmar Natter, Anwohner und Mitglied der Facebook-Gruppe, auf das Argument der Verantwortlichen an, die Bundeswehr-Areale seien frühestens ab 2016 frei. Sonthofen müsse stolz sein, so einen tollen Wald zu haben. Die Idee, das Wäldchen als Gewerbegebiet zu nutzen, sei den Bürgern völlig unverständlich. Alle Anwesenden Gegner betonten, dass sie aus allen Richtungen in der Bevölkerung nur auf Kopfschütteln und Unverständnis als Reaktion auf die Überlegungen gestossen seien. Gerade für die Jugend sind Tannachwäldchen und Abenteuerspielplatz ein sinnvoller und wichtiger Ort, brachte Bettina Füß die Bedenken seitens der Arbeitsgemeinschaft Sonthofer Jugendverbände zur Sprache. Eine neu angelegte Grünanlage könne niemals einen natürlichen und gewachsenen Wald ersetzen. Auch die Themen erhöhte Verkehrsbelastung, Qualitätsverlust der anliegenden Wohngebiete und Bürgerwald Sonthofen kamen zur Sprache. „Wenn man jetzt prüft und rausfindet, das Tannachwäldchen ist nicht geeignet als Gewerbegebiet, dann ist es auch in zehn Jahren nicht geeignet und damit sicher“, zerstreute Buhl Bedenken, dass, sollte sich der Stadtrat für Variante 1 entscheiden, das Wäldchen noch lange nicht sicher davor sei, eines Tages doch noch abgeholzt zu werden. Gemeinsam Stärke zeigen Elmar Natter zeigte sich gegenüber dem KREISBOTEN zufrieden über den Dialog mit den Verantwortlichen: „Man muss der Stadt zugestehen, dass sie auf Transparenz bedacht ist.“ Die Gegner der Abholzung des Tannachwäldchens werden sich gerne in der ISEK-Planungsgruppe mit einbringen. Sie werden aber auf jeden Fall weiterhin in der Öffentlichkeit für den Erhalt des Wäldchens werben und protestieren. Die Anwohner, die Kleingärtner und die Facebook- gruppe haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam mehr zu erreichen und stärker auftreten zu können. „Wir verfolgen ein gemeinsames Ziel“ betont Natter, wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen.

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