Triathlon-Athlet Axel Reusch machte die "Streif" andersrum

In der Nacht die Piste rauf

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Für Axel Reusch gings steil nach oben.

Sonthofen / Kitzbühel - Verrückt: Dort hinauf laufen, wo andere mit 100 Stunden Kilometer die legendäre Abfahrt herunterbrechen? Das geht. Bereits zum dritten Mal ging der Laufwettbewerb „Vertical Up“ auf der berühmt-berüchtigten Skiabfahrt der „Streif“ bei Kitzbühel über die Bühne. 

Im Feld der „Skipistenkletterer“ war auch der Oberallgäuer Ausdauersportler Axel Reusch aus Sonthofen. „Schon eine irre Sache“, bringt Axel Reusch seine Premiere auf der „Streif“ auf den Punkt. „Wenn die 500 Leute mit den Stirnlampen in die Nacht laufen... ins Nichts...einfach irre.“ 

Die Atmosphäre sei mit einer „gewöhnlichen“ Laufsport-Veranstaltung nicht zu vergleichen. Irre eben. 3312 Meter nicht über Stock und Stein wie sonst beim Berglauf, sondern über betonharten Schnee und glatte Eisplatten - mit 860 Metern Höhenunterschied! Schon in der dritten Auflage hat der Vertical Up regelrecht Kultstatus in Sportlerkreisen. Und bereits nach dem ersten Flachstück, das bei Skirennen auf der Streif als Zielraum dient, musste Reusch, selbst routinierter Triathlet und Läufer, seine geplante Renntaktik über Bord werfen. 

Reusch ging bewusst verhalten los im Feld der 500 Sportler, um später im ersten Steilstück seine Stärke auszuspielen. „Aber als ich eigentlich ans Überholen gehen wollte, fand ich mich in einer Gruppe wieder, die mehr oder weniger im Gänsemarsch nach oben zog über die eisige Piste“, sagt Reusch. „Da bleibst Du halt dann hinter Deinem Vordermann, Hauptsache, dass es weiter geht.“ Positionskämpfe und Überholmanöver in diesem Gelände mit Steigungen von bis zu 85 Prozent seien eh riskant. Besser versuche man, in die Tritte der anderen Läufer zu gelangen. „Wenn Du Pech hast und fällst, findest Du Dich ziemlich weit unten wieder.“ 

Die Strecke kann sich übrigens jeder selbst aussuchen - nur Start und Ziel sind Pflichtpunkte für alle. Weite Teil der steilen Abfahrtspiste sind an diesem frühen Abend hell ausgeleuchtet; da und dort im Gelände machen sich Stirn- und Brustlampen aber doch bezahlt. Und dass man nicht mit „Slicks“ antritt zum Vertical Up, versteht sich von selbst. 

Reusch hat das Gehen und Laufen im vereisten Steilhang in den Wochen vor dem außergewöhnlichen Rennen trainiert auf Oberallgäuer Pisten. Die Laufschuhe müssen auf diesem Terrain schon „mehr als griffig“ sein, bei einem druchschnittlichen Gefälle von 27 Prozent! „Im Prinzip hat es viel mit einem klassischen Berglauf gemein“, meint Reusch. Es seien ähnliche Belastungen, wenn man vom zusätzlichen Stress durch die Glätte der Skipiste einmal absehe. 

Immer auf der Suche nach pfiffigen Sportveranstaltungen kann sich Reusch eine „etwas bescheidenere Version“ des Vertical Up auch im heimischen Oberallgäu vorstellen. „Mal überlegen, ob man nicht...“, deutet er an und verrät nicht mehr. Nach 34:46 Minuten erreichte der Sieger, Martin Schider, das Ziel – dort oben wo sich sonst die Skirennläufer in die Streif werfen. Für Axel Reusch dauerte der Kampf gegen die eisige, steile Piste 43:29 Minuten. „Ein tolles Erlebnis!“ ist Reusch begeistert wie alle anderen 180 Sportler der „Speedklasse“, darunter 20 Frauen, des abendlichen Spektakels. In der Rucksack-Klasse auf einem etwas weniger extremen Kurs nach oben gingen 400 weitere Athleten ins Rennen. 

Mit Rabea und Andi Brittain aus Rettenberg waren hier zwei weitere Oberallgäuer dabei. Das Duo gewann den Hauptpreis der Kategorie für die kreativste Ausstattung – als Disneys Shrek und Prinzessin Fiona. Ergebnisse und Fotos auf www.verticalup.at.

Josef Gutsmiedl

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