Mit Nitrat nichts am Hut: Grünland schützt das Oberallgäuer Trinkwasser

Nitratbelastung im Allgäu weit unter den Grenzwerten

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Mit dem Oberallgäuer Wasser kann man gut anstoßen, meinen Geschäftsleiter Markus Spetlak (von links) von der Fernwasserversorgung Oberes Allgäu, Geschäftsführer Erich Krug vom BBV-Oberallgäu, Kreisbäuerin Monika Mayer und Verbandsvorsitzender Herbert Seger.

Oberallgäu – Hohe Nitratbelastung des Trinkwasser? Im Oberallgäu sieht man sich „auf der sicheren Seite“. Beim Grund- und Trinkwasserschutz setzt der Zweckverband Fernwasserversorgung Oberes Allgäu auf „seine“ Bauern und ein gutes, partnerschaftliches Miteinander.

Die Europäische Union hat Deutschland wegen der regional hohen Nitratbelastung des Grund- und Trinkwassers „im Visier“. Ursache der steigenden Belastung sei in erster Linie die Landwirtschaft: Hohe Düngegaben trieben die Werte in die Höhe und die Verbraucher müssten über kurz oder lang mit drastischen Preissteigerungen rechnen, da eine aufwändige Trinkwasserbehandlung unausweichlich sei.

Der Kreisverband Oberallgäu des Bayerischen Bauernverbandes BBV informierte sich jetzt bei der Fernwasserversorgung Oberes Allgäu über die Situation in der Region. Fazit: Nitrat im Grund- und Trinkwasser ist im Oberallgäu kein Problem. Im Gegenteil sei vielmehr das Dauergrünland eine optimale Prävention und ein natürlicher Grundwasserschutz.

Ganz weit weg von den Grenz­werten für Nitrat im Trinkwasser sei man bei der Fernwasserversorgung Oberes Allgäu, betont der stellvertretende Geschäftsleiter des Verbandes, Robert Paster. Der jüngste Prüfbericht weist für den Brunnen in Altstädten einen Wert von lediglich 2,6 Milligramm je Liter aus – bei einem Grenzwert von 50 Milligramm. Paster: „Da sind wir sehr gut aufgestellt.“ Alle zwei Wochen werden eigene Proben gezogen und untersucht. Dreimal im Jahr wird jeder Entnahmebrunnen von einem externen Institut „getestet“ und das Wasser der Brunnen bei Ortwang und Altstädten einer Analyse unterzogen. Der Verband versorgt rund 200 000 Verbraucher im südlichen Allgäu zwischen Oberstdorf und Kempten. Jährlich werden rund 7 Millionen Kubikmeter Trinkwasser über ein 150 Kilometer langes Leitungsnetz „an den Mann“ gebracht.

Gute Wasserqualität kommt nicht von ungefähr. Die im oberen Illertal zwischen Oberstdorf und Sonthofen lagernden natürlichen Grundwasservorräte sind von Haus aus ausgezeichnet. Aber ihre Gefährdung durch Einträge und Verunreinigungen muss ausgeschlossen werden. Grundlage dafür sind die Wasserschutzgebiete um die Brunnen. „Und dazu brauchen wir die Landwirte, denen der Grund und Boden letztlich gehört“, betont Verbandsvorsitzender Herbert Seger. Dabei, so ergänzt Seger, drohe man aber keinesfalls mit der Sozialpflichtigkeit des Eigentums. Vielmehr sei es dem Zweckverband wichtig, die Landwirte als Partner ins Boot zu holen.

Knackpunkt ist die landwirtschaftliche Nutzung innerhalb der engeren Schutzzone um die Brunnen der Fernwasserversorgung. In der Zone 2 wird weder Weidevieh geduldet noch darf Gülle oder Mist ausgebracht werden. Unterm Strich: Einschränkungen in der Nutzung durch die Bauern. „Es geht ja in der Regel um beste, ebene landwirtschaftliche Flächen“, räumt Geschäftsleiter Markus Spetlak ein.

Die Größe dieser wichtigen Schutzzone muss so bemessen sein, dass das Grundwasser von ihrer Außengrenze bis zum Brunnen mindestens 50 Tage im Untergrund unterwegs ist. So lange dauert es, bis es von möglichen Krankheitserregern gereinigt ist, heißt es in den amtlichen Bestimmungen.

Der Fernwasserverband gleicht über maßgeschneiderte vertragliche Vereinbarungen mit jedem betroffenen Landwirt die speziellen Benachteiligungen aus. Ertragseinbußen und ein Mehraufwand bei der Bewirtschaftung werden erstattet, etwa wenn die Gülle anderweitig „entsorgt“ werden muss, weil sie in der Zone 2 keinesfalls ausgebracht werden darf. Insgesamt handelt es sich beim Einzugsgebiet der Fernwasserversorgung um knapp 70 Hektar der Zone 2. Einfach seien die Gespräche über die Schutzzonenausweisung nicht, aber letztlich immer erfolgreich, so Seger und Spetlak.

Im Prinzip zögen im Oberallgäu Landwirtschaft und Wasserversorgung an einem Strang, schlossen Kreisbäuerin Monika Mayer vom BBV und Geschäftsleiter Markus Spetlak nach dem Besuch in der Betriebszentrale. „Das oft zitierte Nitratproblem beim Grundwasser haben wir im Oberallgäu offenbar nicht“, so die Kreisbäuerin. Monika Mayer führt das nicht zuletzt auf das Dauergrünland und die bäuerliche Weidewirtschaft in der Region zurück. Im Gegensatz zu Ackerland wirke Grünland wie ein natürlicher Puffer und Schutzmantel für das Grundwasser. „So schaffen wir es, die Wasserqualität hoch zu halten.“ Das sieht auch Markus Spetlak ganz ähnlich: „Gepflegte, bewirtschaftete Flächen sind aktiver Grundwasserschutz.“ Der Verband mache es „wie es die Natur auch macht“.

Josef Gutsmiedl

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