Übung zahlt sich aus!

Die Mitglieder der Bergwacht Hinterstein mit Notarztkoffer und Frühdefibrillator: Christoph Kögel (von links), Michael Fügenschuh, Markus Wittwer, Marzel Blanz und Matthias Stetter. Foto: privat

An einer Gummipuppe Wiederbelebungsmaßnahmen üben ist eine Sache, die Realität – insbesondere wenn es sich bei der Person, die wiederbelebt werden muss, um einen Freund und Kameraden handelt – ist eine ganz andere. Diese Erfahrung mussten die Bergwachtler der Bergwachtbereitschaft Hinterstein machen, als einer ihrer Kameraden nach einem Fahrradunfall einen Herzstillstand erlitt.

Im September letzten Jahres machte Markus Wittwer, Mitglied der Bergwachtbereitschaft Hinterstein, eine Fahrradtour. Kurz vor seinem Haus kam der 28-Jährige aus bislang ungeklärter Ursache mit seinem Rad ins Straucheln, stürzte eine steile Böschung herab und blieb reglos liegen. Anwohner hatten den Unfall glücklicherweise beobachtet – er ereignete sich an einer schwer einsehbaren Stelle – und alarmierten sofort den Rettungsdienst. Innerhalb kürzester Zeit trafen die Bergwacht-Einsatzleiter Michael Fügenschuh und Marzel Blanz mit ihrer Notarztausrüstung am Unfallort ein und begannen sofort mit den Erste-Hilfe-Maßnahmen. Die aufmerksamen Anwohner und die schnelle Hilfe durch die Bergwachtler, die sich zufällig gerade in der Nähe des Bergwachtdepots aufgehalten hatten und somit mit Arztrucksack und Frühdefibrillator ausrücken konnten, retteten Markus Wittwer das Leben. Beim Erst-Check der lebenswichtigen Funktionen des Verunglückten erkannten Fügenschuh und Blanz, dass die Vitalfunktionen ausgefallen waren. Markus Wittwer drohte, durch Kreislauf- und Atemstillstand zu sterben. Durch Beatmung, Herzdruckmassage und Elektro- schocks mit dem Defibrillator brachten seine Kameraden sein Herz wieder zum Schlagen und konnten ihn stabilisieren, bis er mit dem Rettungshubschrauber abtransportiert wurde. In der Klinik Kaufbeuren erwachte er nach bangen Tagen, die neben seiner Familie ganz Hinterstein lähmten, aus dem Koma. Von seinem Unfall hat er keine bleibenden Schäden behalten. „Während der Reanimation liefen mir die Tränen über die Wangen“ schildert Michael Fügenschuh seine Empfindungen während des Einsatzes, seine Sorge um den Freund und Kameraden. Für die beiden Retter war es schwer, die Situation zu begreifen und zu akzeptieren, dass der lebensgefährlich Verletzte diesmal keine anonyme Person oder Übungspuppe war, sondern aus dem engsten Freundeskreis kam. Trotz der persönlichen Betroffenheit konnten die beiden das jahrelang Gelernte abrufen und lebensrettend einsetzen. Das ungeliebte Üben an der Gummipuppe „Little Ann“ hat sich bezahlt gemacht – und auch die Tatsache, dass nach der Auflösung der BRK-Rettungsstelle in Hinterstein ein Frühdefibrillator für die Bergwacht als „Helfer vor Ort“ angeschafft wurde. Für die Bergwacht Hinterstein steht seit diesem Tag im September eines fest, wie Marzel Blanz betont: „Durch diesen Notfalleinsatz wurde allen klar, dass ein ehrenamtlicher Rettungsdienst vor Ort Menschenleben retten kann, sofern die Einsatzkräfte motiviert und gut ausgebildet sind!“

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