Ultra-Trail: Grenzerfahrung im Oberallgäu

Ein außergewöhnliches Lauf-Erlebnis steht dem Oberallgäu ins Haus: Am frühen Morgen des 23. August fällt der Startschuss für den Ultra-Trail. Wer glaubt, das Lauf-Abenteuer findet nur bei einer Handvoll „Spinnern“ Anklang, wird eines Besseren belehrt: Mehr als 230 Meldungen liegen den Organisatoren Axel Reusch und Christian Feger schon vor für den Lauf über 69 Kilometer mit rund 3000 Metern Höhenunterschied. Mit dem Marokkaner Mohamad Ahansal vom MTV 1881 Ingolstadt geht auch ein Weltklasse-Ultra-Wettkämpfer ebenfalls an den Start.

Von dem Andrang zum jüngsten Kind aus seiner Werkstatt ist LaufLaden-Chef Axel Reusch nicht einmal überrascht. Klar, als die Idee noch nicht reif war für die Praxis, rechnete er mit vielleicht 30 bis 50 „Verrückter“. Doch als er sich in der Ultra-Szene umsah, war er erstaunt, wie groß die Teilnehmerfelder mitunter sind. Wer mit einem soliden Ultra-Lauf an die Öffentlichkeit gehe, müsse mit ganzen Heerscharen von Läufern rechnen. weiß Reusch inzwischen. Die meisten dieser Wettkämpfe bei denen es nicht in erster Linie um Bestzeiten geht, haben Teilnehmer-Limitierungen. „Die Leute suchen spektakuläre Veranstaltungen“, berichtet Reusch. „Eine wahnsinnige Nachfrage.“ Kein Wunder für die beiden Organisatoren, dass der Ultra-Trail eingebettet in den Allgäu Panorama Marathon am Sonntag, 23. August, offene Türen einrannte. Als langjähriger erfolgreicher Langstreckenläufer und Triathlet weiß Reusch auch, dass ein Ultra-Trail - also die Kombination von Geländelauf und „mehr als Marathon“ - nichts für Anfänger und Sonntagvormittag-Jogger ist. „Wir lassen nur Leute starten, die einschlägige Berglauf- und Marathon-Erfahrung nachweisen können“, betont Reusch. Man müsse schon wissen, dass man sich auf etwas anderes einlasse als auf eine gesellige Runde durch den Park. Für Stammtischrunden, die aus einer Laune heraus starten, sei der Ultra-Trail durchs Oberallgäu jedenfalls nichts. Christian Feger vom SC Sonthofen und Axel Reusch können sich den Zulauf auch so erklären: Der neue Ultra-Trail verbindet ein außergewöhnliches Lauferlebnis mit der faszinierenden Landschaft des Oberallgäus. Die Trumpfkarte Landschaft war eher Zufall. „Bei der Streckenplanung zeigte sich, dass unsere Strecke fast überall der Route des Oberallgäu-Rundwanderwegs folgt“, sagt Feger. „Phantastische Ausblicke und einmalige Bergerlebnisse lassen die schweren Beine vergessen...“, macht die Beschreibung des Ultras Appetit auf 69 Kilometer mit rund 3000 Höhenmetern. Damit der Ultra-Trail für die Läuferinnen und Läufer „glatt läuft“, müssen die Teilnehmer eine kleine Notfallausrüstung mitführen: Telefon, Rettungsdecke, Signalpfeife und leichte Jacke sind Pflicht für den Weg zur Grenzerfahrung. „Die Ereignisse beim Zugspitzlauf im Jahr 2008 sollten Warnung sein“, meint Reusch. Wobei man den Oberallgäuer Kurs nicht mit dem Extrem-Berglauf vergleichen könne. Der höchste Punkt der Strecke. der Sonnenkopf-Gipfel, liegt knapp über 1700 Metern. Ein schneller Abstieg ins Tal sei jederzeit möglich, ergänzt Reusch. Und falls das Wetter total verrückt spielen sollte, werde es kurzfristige Streckenänderungen geben. Wer sich mit dem Ultra-Trail zu viel vorgenommen hat und dies unterwegs erkennt, hat in Oberstdorf bei Kilometer 49 die Möglichkeit, „anständig“ auszusteigen. Läufer, die dieses Zwischenziel nach mehr als siebeneinhalb Stunden, also nach 13.30 Uhr, passieren, werden aus dem Rennen genommen. „Sonst kommen die Läufer in die Dunkelheit“, gibt Axel Reusch zu bedenken. Die Abbrecher werden aber nach Sonthofen zurück gefahren. Auf diese „Notbremse“ wird die Startnummer 1, der für den MTV 1881 Ingolstadt startenden Marokkaner Mohamad Ahansal, wohl nicht zurückgreifen müssen. Der Ultra-Spezialist hat bereits den legendären „Marathon des Sables“ in der Sahara zweimal gewonnen und mehrfach den Schweizer Klassiker Swiss Alpin über 78 Kilometer. „Mohamad kam auf uns zu und fragte, ob er bei uns laufen kann“, freut sich Reusch über das offenbar gute Image, das der noch junge Allgäu Panorama Marathon genießt. Immerhin haben mehrere Laufsport-Fachmagazine die beiden bisherigen Veranstaltungen überaus positiv bewertet. Und noch eine Auszeichnung: Der neue Allgäuer Ultra-Trail gilt als eines der ganz wenigen Qualifikationsrennen für den Ultra-Trail Mont Blanc 2010. Erfolgreiche Teilnehmer verdienen sich hier zwei Quali-Punkte. Die meisten der bislang gut 220 gemeldeten Starter sind zwischen 40 und 60 Jahre alt. „Alle haben Marathon-Erfahrung“, so Reusch. „Vielleicht ist es ja der Reiz des Abenteuers“, meint er, „für Leute, die sonst wenig Möglichkeiten haben, körperlich an die Grenze zu kommen.“ Mehr als 230 „Ultras“ sind für die Premiere schon angemeldet - täglich werden es mehr. Mit Stefan Timmermann ist ein erfahrener Allgäuer Langstreckler aus dem Oberallgäu mit dabei. Der Sonthofener trainiert seit Monaten speziell für diesen Wettkampf. Fritz Weidlich vom SC Sonthofen und Uli Guranti vom TV Jahn Kempten wollen sich ebenfalls ins Ultra-Abenteuer stürzen. Gestartet wird der erste Ultra-Trail des Allgäus am Sonntag, 23. August, um 6 Uhr beim allgäu-outlet. Die Spitze des Ultra-Trail-Feldes wird schon gegen 12.30 Uhr im Ziel beim Wonnemar in Sonthofen erwartet. „Der Sieger könnte in sechseinhalb Stunden sein Rennen beendet haben“, schätzt Reusch. Schon vor der Premiere des Ultra-Trails haben Christian Feger und Axel Reusch die erste Verbesserung ausgemacht: Im nächsten Jahr soll die Ultra-Strecke auch in drei Teilen als Staffel angeboten werden. „Da gibt es eine Menge Leute, die sich das zutrauen“, wissen die beiden Lauf-Organisatoren. Eine ganze Menge Vorarbeit war angesichts des Unternehmens Allgäuer Ultra-Trail für Axel Reusch und Christian Feger mit ihrer Helfermannschaft zu leisten. Rund 150 helfer stehen als Streckenbetreuer, als Kuriere oder in anderen Rollen auf ihrem Posten. Die Skiclubs Sonthofen, Fischen, Bolsterlang, Ofterschwang und das TriTeam Kleinwalsertal sind dabei. „Ohne diese Unterstützung ginge es gar nicht“, weiß Reusch. Die Helfer sind natürlich auch für die anderen Wettkämpfe an diesem Tag im Einsatz. Um 9 Uhr gehen knapp 200 Läufer auf die Marathon-Strecke, und um 10.15 Uhr folgen die Halbmarathon-Läufer. Im Ziel werden ab 11.30 Uhr die ersten Halbmarathoner erwartet, ab 12 Uhr die besten Marathonläufer.

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