Umleitung statt Umsatz

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JOSEF GUTSMIEDL, Sonthofen - Die Straßensanierung der B 308 im Stadtgebiet von Sonthofen, sorgt für Ärger: Warum wird ausgerechnet in den Sommerwochen die Straße an zwei wichtigen Kreuzungen aufgerissen? Firmen an der B 308 klagen über krasse Umsatzeinbrüche. Wolfgang Frick, Chef eines Obst- und Gemüse-Großhandels, stellt einen deutlichen Rückgang beim Privatverkauf in seinem Geschäft im Sontra-Park fest. Und Herbert Karg, Vertriebsleiter von McDonalds, schätzt seinen Umsatzrückgang im Restaurant Sonthofen auf 30 Prozent. Seit mehr als drei Wochen wird die B 308 im nördlichen Stadtgebiet von Sonthofen saniert. Betroffen sind die so genannte Scharpf-Kreuzung und die Brüchle-Kreuzung. Wegen einer zehntägigen Vollsperrung der Scharpf-Kreuzung waren die ausgeschilderten Umleitungen in der Stadt überlastet. Obwohl die Firmen und Geschäfte an der B 308, der Östlichen Alpenstraße, auch während der Bauzeit erreichbar waren, stellten die Unternehmen deutliche Umsatzrückgänge fest. Wie man eine solche große Baumaßnahme ausgerechnet in die Hauptsaison legen könnte, fragt sich etwa Herbert Karg, Vertriebsleiter von McDonalds im Oberallgäu. Sein Restaurant in Sonthofen liegt ebenfalls unmittelbar zwischen den Baustellen an der Scharpf- und Brüchle-Kreuzung. „Auf rund 30 Prozent weniger schätze ich den Umsatz in den vergangenen drei Wochen seit der Straßensperrung“, sagt Karg. Dabei seien die Monate Juli und August die Spitzenmonate - genau die zeit der Sperrungen. McDonalds steht offenbar nicht allein als „Verlierer der Sanierung“ da. Auch Wolfgang Frick, der neben seinem Obst- und Gemüse-Großhandel im Sontra-Park auch einen Privatverkauf betreibt, klagt über einen massiven Einbruch im Absatz. „Rund ein Viertel weniger Verkauf in den vergangenen Wochen“, sagt Frick. Das schreibt er wie Karg den Straßensperrungen zu. Dass es nicht ganz ohne Beeinträchtigungen abgehen würde, stellte Bürgermeister Hubert Buhl schon im Juni in der Bürgerversammlung fest. Zugleich warb er um Verständnis: Eine solche aufwändige Sanierung sei die Ausnahme. Man habe schließlich viele Jahre wieder Ruhe. Mit der Sanierung der Kreuzungsbereiche werden neben der Erneuerung des Fahrbahnbelags auch wichtige Versorgungseinrichtungen auf Vordermann gebracht und die Ampelsteuerung optimiert. Danach soll auch die Grüne Welle funktionieren, hofft Buhl. Dass sich die Stadt und das für die Baumaßnahmen zuständig Straßenbauamt Kempten wohl „den dümmsten Zeitpunkt“ (so der Vorwurf) für die Arbeiten ausgesucht hätten, lässt Hans Soul, Leiter des Fachbereichs Verkehr der Stadt Sonthofen, nicht gelten. Zum einen seien solche Bauarbeiten nur in den Sommermonaten überhaupt möglich. „Da muss das Wetter mitspielen“, so Soul. Im April oder November könne man solche Baustellen einfach nicht aufmachen. „Andererseits waren die notwendigen Bundesmittel Anfang Mai noch nicht verfügbar“, erläutert Soul den Ablauf. Sprich: Die Ausschreibungen durch das Straßenbauamt Kempten konnten erst Ende Mai erfolgen, als das Geld abrufbar war. Loslegen konnten die Baufirmen dann erst Anfang Juli. Und Thomas Hahnrieder von Straßenbauamt ergänzt: Es habe den Fixpunkt bei der Terminabstimmung „vor den großen Viehscheiden“ im Oberallgäu Mitte September gegeben, wenn auch nicht speziell der Hindelanger Viehscheid Ausschlag gebend gewesen sei. Zur Zeit liegen - auch Dank des Wetters - die Bauarbeiten „voll im Zeitplan“, berichtet Thomas Hahnrieder. Ende August sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Hahnrieder gibt zudem zu bedenken: „Wenn die Bundesmittel nicht fristgerecht abgerufen werden, geht das Geld schnell woanders hin.“ Dann werde eben nicht im Oberallgäu gebaut, und man bleibe auf den schlechten Straßen sitzen. So „dumm“ gewählt hält Hans Soul den Termin für die Sanierungsarbeiten an der B 308 überdies aus einem anderen Grund gar nicht: In den kommenden Wochen entfalle der Schulbusverkehr; das reduziere das Verkehrsaufkommen. Auch was die Umleitungen im Stadtgebiet angeht, sieht Soul kaum Alternativen. Zusammen mit dem Straßenbauamt in Kempten habe sein Bereich die Routen „abgeklopft“ und schließlich die Verkehrsführung für die Umleitungen festgelegt. Ganz ohne Beeinträchtigungen für Anlieger und Verkehrsteilnehmer gehe das nun einmal nicht ab.

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