Der Schatz im Blauseemoos

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Geschäftsführer Stefan Pscherer (links) und der Vorsitzende des Landschaftspflegeverbandes Oberallgäu-Kempten, Herbert Seger (rechts), erläuterten Umweltminister Marcel Huber die Arbeiten im Blauseemoos.

Mit außergewöhnlichen Methoden und Köpfchen hat der Landschaftspflegeverband Oberallgäu-Kempten e.V. den Blausee bei Oy-Mittelberg vor dem Austrocknen gerettet und so ein wertvolles Moorgebiet erhalten.  Bayerns Umweltminister Dr. Marcel Huber kam ins Oberallgäu, um sich den „Schatz“ anzusehen.

Mit Lob sparte Bayerns Umweltminister dann wirklich nicht bei seinem Besuch im Blauseemoor. „Sie wissen wie‘s geht“, sagte Dr. Marcel Huber und meinte weiter, dass der Landschaftspflegeverband Oberallgäu-Kempten das richtige Rezept gefunden habe. Ein Rezept, das auf Freiwilligkeit und Zusammenarbeit aller Betroffenen basiere, wie es schon der Vorsitzende des Verbandes, Herbert Seger, auf den Punkt gebracht hatte. Das sei der richtige Weg, fand auch Staatsminister Huber.

Die Landschaftspflegeverbände seien ein „geniales Konstrukt“, so Huber. „Man müsste sie erfinden, wenn es sie nicht gäbe.“ Dieses praktizierte Hand-in-Hand von Land- und Fortstwirtschaft, Naturschutz, Jagd und anderen Akteuren mache den Erfolg aus, räume Konflikte schon frühzeitig aus. „Nur so funktioniert erfolgreicher Naturschutz.“ Das „Gemeinschaftswerk Blausee“ sei ein Paradebeispiel für dieses Erfolgsrezept. Aus Überzeugung , mit Heimatliebe und auch technischer Fantasie sei es den Akteuren beim Landschaftspflegeverband gelungen, den Blausee und das Moor auf Dauer zu erhalten. Beim Vertragsnaturschutz, also der staatlichen Förderung und Entgeltung von artenschutz-konformen landwirtschaftlichen Arbeiten „gehe richtig etwas“, ergänzte Huber. Jeder Cent sei beim Moorschutz gut angelegt, so Huber mit Blick auf das Klimaprogramm 2050. Er hoffe auf weitere Projekte „zum Wohle der Natur und der Menschen“.

Mit Hilfe des Klimaprogrammes hat der Landschaftspflegeverband Oberallgäu-Kempten am sogenannten Blausee an der Grenze der beiden Landkreises Ost- und Oberallgäu in den vergangenen Jahren wichtige Arbeiten zur Moorrenaturierung durchgeführt. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde am Rand des Moores Torf gestochen und so die allmähliche Entwässung begünstigt. Eine Art Höhepunkt des Projektes war in den vergangenen Monaten der naturschonende Einbau von drei Dämmen, um das allmähliche „Auslaufen“ des einzigartigen Moorsees, eines sogenannten Kolks, zu stoppen und dauerhaft zu verhindern. Beim Bau des Hauptdammes zur hydrologischen Sanierung wurde eine Lösung gewählt, die die erforderliche Konstruktion - wie Venedig - auf zahlreiche in den Untergrund eingebrachte Pfähle stellte. Die anderen Dämme wurden auf konventionelle Art gebaut mit Lehm, Kies und Torf. Um die großen Materialmengen ins Moor zu bringen, mussten vorhanden Wege ertüchtigt oder provisorische errichtet werden. „Die behutsame Erschließung erlaubt jetzt auch eine nachhaltige Wald- und Streuwiesenbewirtschaftung“, wie Stefan Pscherer, der Geschäftsführer des Verbandes beim Rundgang mit dem Staatsminister erläuterte. Ohne diese Infrastuktur könnten sich langfristig nur Waldstrukturen entwicklen, die allerdings mit der gewünschten Artenvielfalt des Lebensraumes Moor nichts zu tun hätten. Insgesamt belaufen sich die Gesamtkosten auf eine knappe halbe Million Euro, wovon der Freistaat Bayern 90 Prozent übernimmt.

„Mehr Vielfalt für die Heimat“, brachte Pscherer diese Strategie auf den Punkt. Der Geschäftführer nutzte die Gelegenheit, allen beteiligten Landwirten und Waldbesitzern im Projektgebiet für eine überaus gute Zusammenarbeit zu danken. Auch die Allgäuer Moorallianz war beim Projekt mit im Boot.

Dem Dank schloss sich der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz an. Es gebe noch manche „Edelsteine und Schätze ökologischer Art“ in der Allgäuer Kulturlandschaft, die letztlich der Land- und Alpwirtschaft zu verdanken seien. Für manche Landwirte sei der Vertragsnaturschutz inzwischen ein zweites Standbein des Betriebes. Allein im Landkreis Oberallgäu würden jährlich rund 1,5 Millionen Euro durch Vereinbarungen zum Vertragsnaturschutz umgesetzt.

„Wir können und wollen noch mehr tun!“, sagte Verbandsvorsitzender Herbert Seger bei der Exkursion mit dem Umweltminister. „Wir alle hoffen auf weitere Unterstützung - und unbürokratisches Handeln.“ Mit wenig Personalaufwand vollbringe der Landschaftspflegeverband „Großartiges“. Er, Seger, erkenne, dass der Staatsminister auf der Seite des Verbandes stehe. Immerhin habe Huber auch die Arbeiten des Landschaftspflegetrupps im Strausbergmoos bei Sonthofen besucht, einem weiteren großen Projekt im Rahmen des Klimaprogrammes.

Josef Gutsmiedl

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