Unsichere Zukunft im Faltenbachtobel

Das steile Gelände erwies sich als weniger stabil als erwartet. Foto: Heinrich Bonert

Das regnerische Wetter passte zur Stimmung beim Ortstermin des Oberstdorfer Gemeinderates: Nachdenkliche Mienen neben meterhohen Betonwänden angesichts der immensen Schäden durch Hangrutschungen im Faltenbachtobel. Vertreter des Planungsbüros, der Geologe, Landschaftsplaner und Mitarbeiter der Genehmigungsbehörden standen den Gemeindevertretern und interessierten Bürgern Rede und Antwort über die Ursachen und wie es mit dem Kraftwerksbau weiter gehen kann und soll.

Wie berichtet kam es beim Bau des Wasserkraftwerkes zu mehreren Hangrutschungen und nicht genehmigten Baumaßnahmen, worauf das Landratsamt einen Baustopp verhängte. Bauherr ist die „Kraftwerk Faltenbach GmbH &Co KG“, je zur Hälfte im Besitz der kommunalen „Energieversorgung Oberstdorf“ (EVO) und dem „Verein der ehemaligen Rechtler“. Derzeit sind Bauarbeiter in dem steilen Gelände dabei, mit Bohrungen und Verankerungen im Fels, Eisenmatten und Spritzbeton den Hang zu stabilisieren. Insgesamt ist es zu drei größeren und einem kleineren Hangrutsch gekommen, die teils berg- teils talseitig abgegangen sind und die Baustraße unpassierbar machten, erläuterte Matthias Kappeler vom zuständigen Planungsbüro. Als Ursache sehen er und der neu hinzugezogene Geologe Michael Strohmenger den „enormen Wasserdruck auf die Böschung“ durch anhaltende Regenfälle. Bauherren und Planer drängen auf eine zügige Wiederaufnahme der Baumaßnahmen und wollen bis zur Gemeinderatssitzung am 26. August die neuen Planungen und Renaturierungmaßnahmen vorstellen. Hürde für den Weiterbau ist ein neues Genehmigungsverfahren, bei dem alle Beteiligten – inklusive der Naturschutzverbände - gehört werden müssen. Wolfgang Tschinkl von der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt wollte darum keine zeitliche Prognose abgeben, wann mit der Genehmigung gerechnet werden kann. Die Druckrohre sollen nun auf der Baustrasse verlegt und von oben mit Erdbereich bedeckt werden. Wodurch sich der Weg wieder um knapp zwei Meter erhöht. Er soll dann auf drei Meter Breite zurückgebaut werden - befahrbar für schmale Fahrzeuge. Längerer Prozess Die Tobelseite soll mit Holzverbauungen und standortgerechter Bepflanzung - die Betonwände mit einer „Spritzbegrünung“ renaturiert werden. „Ein längerer Prozess“, wie der Vertreter des eingeschalteten Landschaftsplanungsbüros einräumte. Manfred Brunner vom Wasserwirtschaftsamt bestätigte den Bauherren „gute Arbeit“ bei der Hangsicherung und sieht derzeit nur geringe Gefahren für den Faltenbach. Allerdings gelte es „immer ein Auge drauf zu halten“. Im Mittelpunkt der sachlichen Diskussion standen die geologischen Verhältnisse in dem Gebiet und deren Bewertung durch die Fachleute. Sicherheit habe nun Vorrang - die Kosten hierfür müssten die Gesellschafter tragen, so Gemeinderat Martin Rees. „So etwas habe er noch nicht erlebt“, bezeichnete Toni Huber die Schäden als „erschütternd und hart“. Der Gemeindrat habe „das Heft des Handelns aus der Hand gegeben“, zeigte er Verständnis für den Unmut in der Bevölkerung. Siegmund Rohrmoser forderte eine genaue Auflistung der Niederschlagsmengen in dem betreffenden Zeitraum. Er verwies auf eine Karte des Landesamtes für Umweltschutz, auf dem das Faltenbachgebiet als geologisches Risikogebiet eingetragen ist. Dieser Karte wollte Kappeler allerdings keine so große Bedeutung beimessen. Das Gebiet sei „grundsätzlich rutschgefährdet“ – man habe aber mit einer höheren Festigkeit gerechnet. So Kappeler auf die Nachfrage von Bürgermeister Laurent Mies, warum im Vorfeld des Projekts die geologischen Risiken anders bewertet wurden. Der Boden habe „sich nicht so verhalten, wie er sich verhalten sollte“. Die Frage von Toni Weiler „ob die Mauer nun halte“, bejahte der Planer mit Hinweis auf die bis zu zehn Meter tiefen Nägel im Fels. Nicht zufrieden sind die Grünen mit den Erklärungen. Sie sehen die Ursache für die Schäden nicht in den Niederschlägen sondern in den Eingriffen durch die Baumaßnahmen. Weiter gebaut werden dürfe erst, wenn sicher gestellt ist, dass absolut keine Gefahren für den Ort durch Muren und Verklausungen ausgehen. Sie fordern eine Überprüfung, wie weit es bei den Genehmigungen rechtliche Bestimmungen verletzt wurden.

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