Egga-Spiel auf dem Sonthofer Marktanger

Die Hex' ist los!

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Es ist vollbracht: Die Hexe ist gefangen, es kehrt wieder Ruhe ein auf dem Hof und bei der Feldarbeit!

Alle drei Jahre gibt es auf dem Sonthofer Marktanger ein ganz besonderes Spektakel zu sehen: Das Egga-Spiel. Heuer ist es wieder so weit: Am Funkensonntag, 10. März, um 14 Uhr, wird das uralte, vorchristlich-alemannische Brauchtumsspiel aufgeführt. 

Die Ursprünge des Egga-Spiels sind unbekannt, jedoch reicht die Tradition bis in vorchristliche Zeit zurück. Das Pantomime-Spiel versinnbildlicht den Kampf der Bauern gegen die Urgewalten der Natur. Die Hexe, die diese Urgewalten darstellt, bringt die Ordnung des bäuerlichen Lebens gründlich durcheinander, sie „eggt“ überall an. Ein „Herold“ erzählt die Geschichte zum Schauspiel.

Die 16 Darsteller tragen handgeschnitzte Holzmasken: Bauer und Bäuerin, „Bue“ und „Föhl“, Knecht und Magd, aber auch die Tiere des Hofes Pferd, Kuh, „Molle“ (Ochs), Katz, Hund, Sau, „Gockelar“ und Geißbock. Die eindrucksvollen Masken sind normalerweise im Sonthofer Heimathaus ausgestellt.

Los geht das Spektakel bereits um 13.30 Uhr mit einem Umzug der Teilnehmer über Mühlenweg, Richard-Wagner-, Promenade- und Hirnbeinstraße bis zum Marktanger. Hier befindet sich der Bauernhof mit dem Acker, der im Mittelpunkt des Egga-Spiels steht und Spielwiese wird für das Treiben der Hexe, die die tägliche Hofarbeit durcheinanderwirbelt: Gleich zu Beginn stört die Hexe die Feldarbeit der Bauern: sie verstellt die Feldmarken, treibt die Pferde beim Pflügen auseinander, wirft den Pflug um, schikaniert den Knecht beim Eggen, versucht, den „Molle“ zu melken, bohrt ein Loch ins Sätuch des Bauern.

Auch das Vieh wird nicht verschont: Die Hexe fegt den Gockelar vom Misthaufen, wirft Hund und Katz auf eben diesen, treibt die Sau über den eben geegten Acker, stellt den Geißbock in die Küche des Bauernhofs. Dort, in der Küche, haben die Frauen ihre Not mit dem Treiben der Hexe: das Herdfeuer lässt sich nicht entzünden, der Rahm im Butterfass lässt sich nicht buttern, der Flachs ist mit Reisig gemischt, das Spinnrad fällt auseinander,...

Bei der Brotzeit auf dem Feld und beim Dreschen treibt die Hexe weiter ihr Unwesen, die Menschen verdächtigen sich gegenseitig, doch die Hexe wird immer übermütiger und schließlich entdeckt. Es beginnt eine große Hexenjagd, mit Erfolg, die Hexe wird gefangen. Die Bauersleut, Knecht und Magd und auch das Vieh tanzt aus Freude darüber, den bösen Dämonen endlich besiegt zu haben. Die Hexe ist besiegt und wird am Abend im Funkenfeuer verbrannt – und mit ihr die harte Zeit des Winters. Musikalisch umrahmt wird das Egga-Spiel auch in diesem Jahr von der Stadtkapelle Sonthofen.

Eine lange Geschichte

Das Egga-Spiel wurde im 18. und 19. Jahrhundert in Sonthofen, Burgberg, und auch in Hindelang aufgeführt – immer am Funkensonntag. In den folgenden Jahren geriet es in Vergessenheit. Seit 1955 wird das Egga-Spiel auf Betreiben von Heimatpfleger Dr. Alfred Weitnauer in Sonthofen wieder regelmäßig aufgeführt. Laut Weitnauer gab es auch im Südtiroler Etschtal bei Tramin und Nals bis ins Jahr 1872 den Brauch des „Egetmanns“, ein Schauspiel mit derselben Handlung. Weitnauer war es auch der die Ursprünge des Eggaspiels in vorrömischer, keltischer Zeit verortet.

Die heute benutzten Holzmasken wurden nach einem Entwurf des Sonthofer Kunstmalers Robert Schraudolph gefertigt. Sie wiegen zwischen 10 und 12 Kilogramm. Die kulturelle und traditionelle Bedeutung des Egga-Spiels für Sonthofen zeigt sich an den Egga-Spiel-Figuren aus Bronze, die seit 1987 den Balkon des Sonthofer Rathauses zieren.

eva

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