Mehr Platz für Flüchtlinge

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Blitzbesuch in Sonthofen: Bundes-Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen informierte sich in der Erstaufnahme-Einrichtung in der Grüntenkaserne.

Sonthofen - Der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz betrachtet die Zusage von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen als eine Art Gastgeschenk: Die Zusage, dass auf einem Areal der Grüntenkaserne 25 Wohncontainer aufgestellt werden können, helfe dem Landkreis zumindest ein Stück weit aus der Klemme.

Hier können schon im September weitere 100 Flüchtlinge untergebracht werden und damit so, Landrat Klotz, die Situation zumindest befristet etwas entspannen. Der Landkreis hat bereits 25 Wohncontainer in Rotterdam angepachtet, die demnächst auf einer 3000 Quadratmeter großen Teilfläche der Kaserne aufgestellt werden.

Bei einem Blitzbesuch hatte sich Bundes-Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen einen persönlichen Eindruck von der Erstaufnahme-Einrichtung in der Sonthofener Grüntenkaserne verschafft. Dabei führte die Ministerin auch kurze Gespräche mit den örtlichen Vertretern der Bundeswehr, Politikern und nicht zuletzt mit Asylbewerbern und Mitarbeiterinnen des Helferkreises.

Ein Medienaufgebot wie es die Kreisstadt wohl seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hatte, begleitet den zweistündigen „Staatsbesuch“ in der Grüntenkaserne. Während sich die Ministerin mit Politikern und einigen Flüchtlingen über die aktuelle Situation in der Erstaufnahme-Einrichtung unterhielt, sprachen auch die Pressevertreter mit Asylsuchenden. Dabei berichtete etwa eine Frau aus Gabun von ihrer Flucht über Libyen, das Mittelmeer und Italien. Zuhause sei der Mann im Gefängnis, der Vater wurde ermordet, das Haus zerstört, berichtet sie stockend und sichtlich bewegt. „In Afrika gibt es keine Demokratie.“ Sie sei froh, endlich in Deutschland zu sein. Ein junger Mann aus Afghanistan schildert eine ähnlich erschütternde Flucht; die Lage in seiner Heimat sei unsicherer denn je.

Beim Sonthofener Helferkreis haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Tat alle Hände voll zu tun. „Jede Woche kommen bis zu 200 Flüchtlinge in Sonthofen an“, schildert Elfriede Roth die Lage in der Erstaufnahme-Einrichtung im „Gebäude 4“. Hier erhalten sie eine Grundausstattung an Kleidung und werden ärztlich untersucht bevor sie nach wenigen Tagen weitergeschickt werden - an Unterkünfte in Deutschland. Für die Kleiderklammer benötige der Helferkreis dringend gut erhaltene Kleidung, appelliert Elfriede Roth. Gesucht würden vor allem T-Shirts (Größe S bis L) und Schuhe. Abgeben könne man die Kleidung jederzeit beim Helferkreis oder beim Hausmeister der Unterkunft in der Salzstraße.

„Zur Zeit können wir die Probleme bewältigen“, sagt Landrat Anton Klotz. Das Landratsamt arbeite bei der Flüchtlingsthematik im „Krisenmodus“ und 25 seiner Mitarbeiter seien ausschließlich damit befasst. Im Herbst rechne er aber mit neuen Herausforderungen bei der Unterbringung. „Die Suche nach geeignetem Wohnraum läuft.“ Die Bundeswehr, ergänzt Klotz, „bewege sich inzwischen“, nachdem er immer wieder auf weitere Bereitstellung von leerstehenden Unterkünften dränge.

„Wir können es schaffen, wenn wir alle zusammenstehen und an einem Strang ziehen“, betonte die Verteidigungsministerin zum Abschluss ihres Besuches. Die Bundeswehr leiste ihren Beitrag bei der Rettung von Flüchtlingen etwa im Mittelmeer, aber auch bei der Bereitstellung von Unterkünften in Kasernenarealen. Derzeit seien rund 8000 Menschen in Bundeswehr-Unterkünften untergebracht. Die Bundeswehr werde nach Möglichkeit auch weitere Flächen zur Verfügung stellen, wie etwa jetzt in der Grüntenkaserne. Ob etwa auf absehbare Zeit auch Bundeswehr-Liegenschaften in Kempten herangezogen würden, ließ von der Leyen allerdings offen.

Sie sei zudem „tief beeindruckt“ von der engagierten Arbeit der Helferkreise, die wie die festen Mitarbeiter „Außergewöhnliches“ leisteten. Dennoch, da ließ die Ministerin wie ihr Kabinettskollege, der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dr. Gerd Müller, keine Zweifel aufkommen: man müsse in den Krisenregionen helfen und investieren, um den Menschen dort eine Perspektive zu geben. „Der Hauptgrund für die Flucht liegt in den Heimatländern der Menschen...“

Josef Gutsmiedl

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