Mit viel Idealismus

Im zehnten Jahr seit der Neugründung nach dem so genannten "Dorfhelferinnen-Skandal" zeigt sich die Organisation der Katholischen Dorfhelferinnen und Betriebshelfer in Bayern GmbH als schlagkräftige Einrichtung. Die Auslastung ist auch im Bereich der Station Oberallgäu / Kempten gut, doch vor allem die Dorfhelferinnen müssen sich aufgrund der Politik mancher Krankenkassen "unter Wert verkaufen" und der Kern der gemeinnützigen GmbH ist auf Spenden und freiwillige Zuwendungen aus dem Haushalt des Landkreises Oberallgäu angewiesen.

Auftragslage und Auslastung der Aktiven draußen vor Ort sind gut. Damit der "Laden" in Krisensituationen - etwa bei Erkrankungen, Kuren oder auch Todesfällen - auf den Höfen weitergeht, ist die "Feuerwehr" bereit: Betriebshelfer springen ein, wenn auf dem Hof der Landwirt ausfällt; Dorfhelferinnen kommen ins Haus, wenn die Frau und Mutter für einige Zeit "zu ersetzen" ist. Die fünf Dorfhelferinnen hatten 40 Einsatzfälle zu meistern, die fast 3800 Arbeitsstunden erforderten. Zwei Drittel der Einsatzstunden wurde im landwirtschaftlichen Bereich geleistet, ein Drittel im privaten Bereich. "Jede zweite Einsatzstunde war durch Erkrankungen bedingt; Kuraufenthalte und Schwangerschaften waren weitere wesentliche Gründe für den Einsatz der Oberallgäuer Dorfhelferinnen", sagt Einsatzleiterin Cordula Schneider, die als selbständige Dorfhelferinnen arbeitet und so weiß, wie es "draußen zugeht". Tatsächlich geht es für die Dorfhelferinnen oft nicht allein darum, einen Haushalt in Schuss zu halten oder den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen. Vielmehr und verstärkt treffen die Dorfhelferinnen auf besonders schwierige Situationen in den Familien. Mehr denn je, so die Erfahrungen, sei soziale Kompetenz erforderlich. Die Aus- und Fortbildung - auch der Betriebshelfer - werde dem Rechnung tragen. Und zukünftig würden auch mehr Einsätze in Form von Familien- und Verhinderungspflege anfallen, deutet Hanni Hell von der Geschäftsleitung der GmbH der Katholischen Dorf- und Betriebshelfer in Landshut an. Die GmbH wird zu 52 Prozent vom Bayerischen Bauernverband getragen, weitere 48 Prozent trägt der Landes-Caritasverband Bayern. Auf 5675 Stunden kamen die sieben Oberallgäuer Betriebshelfer auf 40 landwirtschaftlichen Betrieben im Landkreis, so die Bilanz von Einsatzleiter Ludwig Mayr. Im Durchschnitt dauerte ein Einsatz rund 150 Stunden. "Von einem bis zu 120 Tagen", beschreibt Mayr die Bandbreite der Dauer. Beeindruckend auch die Wegstrecken: 65000 Kilometer "Arbeitswege" summierten sich im Jahr 2008. Allerdings nicht zuletzt, weil die Betriebshelfer oft zweimal am Tag anrücken, um morgens und abends die Stallarbeit zu übernehmen. Im Rahmen der Förderung caritativer und sozialer Einrichtungen stellte der Oberallgäuer Kreistag auch heuer wieder 20000 Euro für die Station Oberallgäu zur Verfügung. Auf diesen Zuschuss sei man auch dringend angewiesen, um einen "sauberen Abschluss" der Bilanz zu erreichen, stellte Geschäftsführer Thomas Britzger fest. "Eine freiwillige Leistung des Kreises", fügt Stationsvorsitzende Elisabeth Koch an. Die Stellvertretende Landrätin, Gertrud Knoll, ergänzt: "Gut angelegtes Geld". Sie dankte den Dorfhelferinnen und Betriebshelfern für ihr Engagement; nur allzu oft seien sie "die Perlen und Helfer in der Not". Während die Betriebshelfer weit gehend Kosten deckend im Einsatz sind für einen Stundensatz von rund 29 Euro, geht die Rechnung für die Dorfhelferinnen-Station nicht ganz auf. Eine Lücke, die über so genannte Stationsbeiträge der Kommunen geschlossen werden soll- was allerdings nicht immer gelingt. Um so wichtiger seien Einsätze in der Landwirtschaft, betont Hanni Hell in diesem Zusammenhang, da die Landwirtschaftliche Versicherung den vollen Satz abrechne, wohingegen viele Krankenkassen nur gerade mal die Hälfte der anvisierten 28 Euro pro Einsatzstunde zahlten.

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