Sofortigen Stopp von Straßenaus- und Neubauten in den bayerischen Alpenlandkreisen

Zu viel, zu nah: Naturschutz-Verband fordert Stopp

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Verkehrsalltag: die B 19 bei Fischen.

Oberstdorf – Der Kreis an Personen, die mit dem PKW innerhalb von 2,5 Stunden nach Oberstdorf fahren können, hat sich zwischen 1970 und 2020 in etwa verdreizehnfacht. Das zeigt der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland in einer Analyse auf. Lebten im Jahr 1970 nur etwa 660 000 Menschen im deutschen 2,5-Stunden-Einzugsgebiet um Oberstdorf, können im Jahr 2020 über 8,5 Millionen Deutsche den Urlaubsort im Allgäu in derselben Zeit erreichen. Massive Straßenausbauten und ein Bevölkerungswachstum in Süddeutschland hätten dazu geführt, betont die Analyse.

Auch die Anzahl der Deutschen, die in weniger als einer Stunde Oberstdorf mit dem PKW erreichen können, habe massiv zugenommen, so der BUND weiter. „Waren es 1970 nur etwa 160 000 Menschen, so können 2020 in etwa 470 000 Menschen in einer Stunde oder weniger nach Oberstdorf gelangen. Den mit Abstand größten Teil der Einzugsgebietszunahme machen dabei die Straßenausbauten aus. Das Bevölkerungswachstum spielt nur eine untergeordnete Rolle“, erklärt Thomas Frey, Regionalreferent für Allgäu-Schwaben beim Bund Naturschutz in Bayern BN.

„Vor dem Hintergrund des aktuellen Massenansturms auf die Bayerischen und Allgäuer Alpen ist es unverantwortlich den Tagestourismus mit weiteren Straßenausbauprojekten, wie dem geplanten autobahnähnlichen B12-Ausbau, oder touristischen Infrastrukturprojekten, wie am Grünten, weiter auszubauen“, so Martin Geilhufe, der Landesbeauftragte des BN. „Es besteht die Gefahr, dass der für die Region wichtige Übernachtungstourismus unter die Räder kommt“.

Schon heute kämen auf eine Gästeübernachtung im Allgäu rund drei Tagesgäste. Auf die circa 10 Millionen Übernachtungen pro Jahr im gesamten Allgäu kommen rechnerisch etwa 30 Millionen Tagesgäste (DWIF 2013). In der Folge leide die Natur bereits jetzt stark am immer intensiver werdenden Tourismus: Wertvolle alpine Biotopflächen würden durch den Massenansturm zerstört, der Lebensraum ruhebedürftiger Arten reduziere sich immer weiter.

„Daher liegt die Zukunft des Tourismus in einem qualitativ hochwertigen Übernachtungstourismus. Die Anreise und die Mobilität im Urlaubsgebiet muss überwiegend über Bahn und Bus erfolgen“, so Michael Finger, Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Oberstdorf.

Der Naturschutzverband fordere daher einen sofortigen Stopp von Straßenaus- und Neubauten in den bayerischen Alpenlandkreisen; im Allgäu insbesondere: keine weiteren beschleunigenden Ausbaumaßnahmen an der B19; kein autobahnähnlicher Ausbau der B12. Entsprechend vordringlich sei eine Verlagerung der Investitionen in einen gut ausgebauten Öffentlichen Nahverkehr, damit Bahn und Bus sowohl bei der Anreise also auch bei der Fortbewegung in den bayerischen Alpen eine echte Alternative zum Auto darstellten.

Einher gehen müsse damit ein Stopp von Parkplatzaus- und Neubauten an touristischen Infrastrukturen und an Ausgangspunkten für touristische Aktivitäten, sowie ein flächendeckendes Parkraummanagement mit einer deutlichen Erhöhung der Parkplatzgebühren, so dass im Regelfall eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln deutlich günstiger sei (Richtwert Bayernticket).

Schließlich dürfe es keine weitere Kapazitätssteigerungen mehr von Bergbahnen geben, fordert der BUND weiter. Eine Neufassung der bayerischen Seilbahnförderrichtlinie müsse auf Bestandserhalt setzen, statt auf Seilbahnausbau, unterstreicht der BUND in seiner Erklärung.

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