Viele Gewinner im Moos

Stefan Pscherer (von rechts) und Herbert Seger vom Landschaftspfelgeverband Oberallgäu-Kempten besprechen mit Oberstdorfs Bürgermeister Laurent Mies und Toni Weiler die Maßnahmen im Moos.

Oberstdorf - „Basisarbeit“ in Sachen Naturschutz leistet der Landschaftspflegeverband Oberallgäu-Kempten derzeit bei einer Moor- und Streuwiesen-Renaturierung bei Oberstdorf. Mit Baumfällungen und Entbuschungsarbeiten sollen die einstigen Streuwiesen als attraktiver Lebensraum für seltene Tier - und Pflanzenarten erhalten werden. Zudem gewinnt das markante Landschaftsbild bei Oberstdorf.

Fast versteckt lag die Moorfläche beim Oberstdorfer Moorbad im Wald - nur einen Steinwurf weit vom Weg und doch kaum zu sehen. Jetzt, nachdem die Arbeiter des Landschaftspflegetrupps etliche Fichten, Birken und reichlich Gebüsch beseitigt haben, legt das idyllische Moor vor den hohen Bergen da „wie gemalt“. Genau dieser Anblick schätzten die Wanderer und Urlaubsgäste in Oberstdorf, weiß Toni Weiler vom Landschaftspflegetrupp. Das schöne Landschaftsbild ist eigentlich „nur“ ein willkommener Nebeneffekt der Streuwiesenrenaturierung am Moorweiher. In erster Linie soll das Gelände wieder zu einer funktionierenden Streuwiese und einem intakten Moor werden. Lebensräume für eine Vielzahl bereits seltener Tier- und Pflanzenarten. „Zehn Prozent der bedrohten Arten in Bayern lebt in Mooren“, weiß Stefan Pscherer, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes. Das Moos drohte zu verbuschen und zu verwalden. Von allen Seiten drängten Fichten und Büsche immer weiter ins Moos hinein; der typische Moor-Charakter war gefährdet und mit ihm die seltenen, hoch spezialisierten Pflanzen- und Tierarten. Moore, so erläutert Pscherer weiter, sind nicht nur wertvolle CO2-Speicher, sondern wirkten wie ein Schwamm indem sie Niederschläge quasi aufsaugen und speichern. Nach den Baumfällungen und Entbuschungsarbeiten ist die einstige Streuwiese wieder zugänglich; Landwirte können zu Mäharbeiten „anrücken“ und das Mähgut abfahren. Während früher die Streu nicht selten irgendwo am Waldrand verrottete, gibt es inzwischen eine organisierte „Streuwiesenbörse“, die Angebot und Nachfrage zusammen bringt, berichtet Herbert Seger, der Vorsitzende des Landschafts-pflegeverbandes Oberallgäu-Kempten. Auf die Hilfe der Landwirtschaft kann der Verband bei solchen Maßnahmen nicht verzichten. Häufig sind die Landwirte als Grundbesitzer ohnehin mit im Boot. Und als Fachleute vor Ort sind sie bei der Umsetzung von Maßnahmen unentbehrlich. „Für mich und viele meiner Berufskollegen ist der Einsatz mit dem Landschaftspflegetrupp ein wichtiger Zusatzverdienst“, sagt Toni Weiler. Also keine naturschützerische Spielerei. Das Allgäu ist vielmehr eine Beispielregion mit „gesamtstaatlicher Bedeutung“, so Pscherer. Nicht umsonst sei die Allgäuer Moorallianz mit Mitteln in Höhe von zehn Millionen Euro ausgestattet worden. Und das Geld soll für die Natur etwas bewirken, ergänzt Herbert Seger mit einem Seitenhieb auf den Verbandsnaturschutz: es werde keine teure Gutach-ten für fünf Millionen Euro geben. „Wir müssen etwas anfangen mit dem Geld.“ Rund 27000 Euro stehen für die Maßnahmen am Moorbad Oberstdorf zur Verfügung. 70 Prozent steuert der Freistaat Bayern bei, 20 Prozent der Markt Oberstdorf und zehn Prozent der Verband. Oberstdorf hat ein Summe von jährlich 20000 Euro für solche Maßnahmen fest im Haushalt verankert. Man wisse um die Bedeutung einer intakten Kulturlandschaft gerade für den lokalen Tourismus, so Bürgermeister Laurent Mies zum Engagement der Gemeinde.

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