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Im Süden kaum Neues

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Von: Josef Gutsmiedl

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Peter Götz VdK
Peter Götz vom VdK monierte viele Baustellen. © Gutsmiedl

Oberallgäu – „Im Süden nichts Neues“ – die jüngste Gesprächsrunde zum Dauerthema „Die Bahn – Abstellgleis Allgäu“ zeitigte keine wesentlichen Fortschritte. Zuviele „Fragezeichen“ begleiteten die Gesprächsrunde in Sonthofen, an der neben Staatsminister Klaus Holetschek auch die Allgäuer Landtagsabgeordneten , sowie die Bürgermeister Sonthofens und Immenstadts teilnahmen. Erneut beklagte der Ortsverband Sonthofen des Sozialverbandes VdK den schleppenden Fortschritt bei der Abarbeitung der Mängel in puncto Barrierefreiheit.

Peter Götz, Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes Sonthofen und treibende Kraft für mehr Barrierefreiheit beim ÖPNV im Allgäu, begrüßte die Gesprächsrunde mit seinem Eindruck: Seit dem ersten Anstoß in Form einer Bereisung der Bahnstrecke Kempten-Oberstdorf im Sommer 2018 sei „bislang leider nicht allzu viel passiert“. Immer wieder erlebe er „ein vielfaches Hin und Her“ zwischen den Beteiligten – Bahn AG, Bund, Land, Kommunen. Und alle versuchten, mit besten Mitteln etwas zu erreichen, um sich dem staatlicherseits erklärten Ziel der barrierefreie Bahnhöfe zu nähern.

Auch Immenstadts Referent für Barrierefreiheit und Mitinitiator der regelmäßigen Gesprächsrunde sprach die Defizite an und meinte: „Zu uns, den kleinen Stadträten, kommen die Leute und wollen wissen, was passiert.“ Barrierefreiheit sei längst keine alleinige Sache für Behinderte, so Fetzer weiter. Die Bahn müsse ihr Mobilitätsangebot dringend verbessern. Als Hoffnungsschimmer bezeichnet der Stadtrat, dass im Jahr 2025 die Umgestaltung der Bahnhöfe in Immenstadt und Sonthofen „funktionieren“ solle.

Auf Nachfrage wie weit die Planungen für die Bahnhöfe Immenstadt und Sonthofen seien, versicherte Bernhard Christ vom Bahnhofsmanagement der Bahn optimistisch: „Wir sind soweit, dass wir 2025 Baurecht haben.“ Schon ein Jahr später wolle man fertig sein. Aber: Es sind viele Abstimmungen nötig. „Und die Finanzierung muss stehen. Dann geht‘s!“, ist Christ zuversichtlich.

„Mit vorhandenen Mitteln das Bestmögliche erreichen“

Stefan Schell vom bayerischen Bau-Ministerium zeigte in der Runde zwar Verständnis für die Klagen und bekannte, dass „es im Oberallgäu besonders schlimm“ sei und „sehr wenig passiert“ sei. Er ergänzte aber: Was passiere, dauere seine Zeit. Auch er schüttele manchmal den Kopf, erkenne aber, dass letztlich „alles den richtigen Weg“ gehen müsse. Immerhin investiere der Freistaat 120 Millionen Euro pro Jahr in Projekte der Barrierefreiheit. Schell verwies auf die unterschiedlichen Schwerpunkte der Betrachtung: Während die Bahn auf möglichst großes Fahrgastaufkommen setze, priorisiere das Land die Verbesserung der Infrastruktur. „Ziel ist es, mit den vorhandenen Mitteln das Bestmögliche zu erreichen.“

Auch die Kommunen investierten in die Bahnhöfe und das Umfeld, gaben Bürgermeister Nico Sentner (Immenstadt) und sein Kollege Christian Wilhelm (Sonthofen) zu bedenken. In Immenstadt denkt man über einen Durchstich in die Südstadt nach, wenn der Bahnhof „überarbeitet“ wird. „Aber alles ist für uns nicht finanzierbar“, betonte Sentner.

Oft sei die Bahn der Profiteur, von kommunalem Engagement, weil deren Kunden bequemer zum Zug kämen. Das gelte auch für Sonthofen, wo ein Durchstich zu einem neuen Park- und Rail-Gelände erwogen wird, ergänzte Bürgermeister Wilhelm. Andererseits, so gab Stefan Schell zu bedenken, müsse man die unterschiedlichen Förderprogramme und Förderkriterien beachten. Konkreter Fall: Gefördert werde nur ein barrierefreier Zugang zum Bahnhof.

Ärger und Unzufriedenheit

Die Landtagspolitiker aus der Region sicherten zu, alle Bemühungen zu unterstützen, die die Situation verbessern könnten. Eric Beißwenger (CSU) appellierte: „Wir brauchen einen Reiseplan bei dem Thema!“ Alexander Hold (Freie Wähler): „Wir verlieren uns in Ungenauigkeiten.“ Der Ärger und die Unzufriedenheit sei nachvollziehbar. Und der CSU-Fraktions-Chef im Landtag, Thomas Kreuzer aus Kempten, unterstrich: „Wir können so nicht zufrieden sein – weder mit den Zuständen, noch mit den Abläufen.“ Er wolle „dran bleiben“ und hohe Summen ins Allgäu bringen. „Wir müssen in den nächsten Jahren ganz gewaltig aufholen.“ Dominik Spitzer (FDP): „Wir können uns oft treffen, und Sätze um die Ohren hauen - aber was passiert?“

Peter Götz brachte seine Sicht der Gesprächsrunde nach zwei Stunden auf den Punkt: „Wir reden immer – wieder ohne Ergebnis.“ Den nächsten Gesprächstermin könne er sich vorstellen wenn die Finanzierung stehe.

Ganz so enttäuschend sah es Immenstadts Bürgermeister Sentner allerdings nicht in seinem Fazit des Treffens. Er zumindest erkenne: „Der Wille ist da.“ Aber verlässliche Zusagen oder Aussagen über die weitere Entwicklung seien angesichts vieler Unwägbarkeiten und der komplexen Gemengelage „hier nicht möglich“.

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