Voith Streik in Sonthofen: Keiner folgte der Aufforderung zum Streikbruch

Voith Belegschaft kämpft weiter um ihre "Hütte" in Sonthofen

+
Die Streikposten vor dem „Hüttenwerk“ hoffen auf „positive Signale der Konzernleitung“.

Sonthofen – Im Streik beim Getriebebauer Voith in Sonthofen setze das Management offenbar auf weitere Eskalation und sprach Streikbrechern eine Prämien aus, so die IG Metall Allgäu. Beschäftigte, die trotz des Streikes ihre Arbeit aufnehmen, sollen für eine begrenzte Zeit mehr Geld erhalten, heißt es in einem Schreiben des Interimsmanagers an die Mitarbeiter von Voith in Sonthofen. Am Maifeiertag stellten die Streikenden einen eigenen Maibaum auf und starteten eine Unterschriftenaktion an der Straße zur Werkszufahrt. Niemand der Belegschaft folgte der Aufforderung zum Streikbruch.

Der Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Allgäu, Carlos Gil, wundert sich: „Zuerst beschuldigt der Interimsmanager die Mannschaft der Manipulation und des Vandalismus und jetzt fordert man dieselben Menschen zum Streikbruch auf?“

Gil ist überzeugt, dass weder die Interimsgeschäftsführung noch die Konzernleitung verstanden haben, wie sehr die Beschäftigten in Sonthofen mit „ihrer Hütte“, wie sie das Werk nennen, verbunden sind. Gil weiter: „Menschen, die zum Teil in der dritten und vierten Generation hier arbeiten, werden sich kaum für Streikbrecherarbeiten einsetzten lassen.“

Die Gewerkschaft sieht der Maßnahme des Interimsmanagers gelassen entgegen: „Da die IG Metall ohnehin 24 Stunden am Tag vor dem Werkstor ist, werden wir ja sehen wie viele Menschen am Montagmorgen dem Aufruf zum Streikbruch folgen. Wir sind gespannt!“ Es sei kein einziger gewesen, so Gil später.

Am 1. Mai hatten die „Hüttenwerker“ zwar keine „richtige“ Versammlung und Kundgebung organisiert, doch das traditionelle Aufstellen eines Maibaums wollte man angesichts der aktuellen Streiksituation als weiteren Signal nutzen. „Eine öffentliche Maikundgebung war das natürlich nicht“, so Carlos Gil. Man habe alles „Corona-konform“ gehandhabt. Der traditionelle „Tag der Arbeit“ war auch Auftakt für das Sammeln von Solidaritätserklärungen: Auf großen Transparenten können Passanten solidarische Grüße und Wünsche hinterlassen.

Die Stimmung im Lager der Streikenden sei sehr gut, betont Gil weiter. Man habe ein rollierendes System für die Streikposten-Mannschaft entwickelt, um alle, die aktiv mitmachen wollten, einzubinden. Wie lange der Streik letztlich dauern werde, sei völlig offen, betont Gewerkschafter Gil weiter. Solange jedenfalls gehe es weiter, bis „Signale in unserem Sinn“ zu verzeichnen seien. „Wir haben einen unbefristeten Streik ausgerufen. Zu dem stehen die Beschäftigten.“ Die IG Metall jedenfalls sei gut gerüstet für den Arbeitskampf.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona-Virus: Aktuell sind 30 Personen im Oberallgäu und Kempten infiziert
Corona-Virus: Aktuell sind 30 Personen im Oberallgäu und Kempten infiziert

Kommentare