Teurer "Schnee" in der Region

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Thomas Gehring (von links), Toni Hofreiter und Ulli Leiner nahmen beim Grünen Aschermittwoch in Sulzberg die große und die kleine Politik aufs Korn.

Sulzberg - Neben Kässpatzen und anderen Schmankerln gab es beim Grünen Aschermittwoch im voll besetzten Hirschsaal in Sulzberg deftige Politikkost von den beiden Landtagsabgeordneten Ulli Leiner und Thomas Gehring. Den bundes- und weltpolitischen Part spielte der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag Dr. Toni Hofreiter, der mit Kommentaren zur politischen Großwetterlage für Stimmung sorgte.

Beim Politischen Aschermittwoch der Kemptener und Oberallgäuer Grünen traf Allgäuer Dialekt auf das Oberbayrische, was zu einigen Spötteleien über Heimat und Dialekt führte. Schwerstarbeit also für die beiden Gebärdendolmetscherinnen, die für Gehörlose die Reden übersetzten.

Der grüne Aschermittwoch im Oberallgäu ist der größte in Bayern, bemerkten die beiden Allgäuer Landtagsabgeordneten selbstbewusst. Sie verwiesen auf die kommunal- politischen Erfolge ihrer Partei, bevor sie die lokalen und landespolitischen Ereignisse des letzten Jahres aufs Korn nahmen.

Leiner bezeichnete den ehemaligen Landrat Gebhard Kaiser als den „Mehdorn von Memmingen, der nun durch Flächenmanagement die Defizite des Flugverkehrs ausgleichen soll“. „Flughafen zumachen und sonst gar nichts“, so Leiners Fazit nach einem Besuch des Flughafens. Der ähnle eher einem „Trockenrasenbiotop als einem Airport“. Fliegen sei in Oberstdorf sogar noch etwas günstiger, obwohl da 11,6 Millionen für den Umbau der Skiflugschanze gebraucht würden. Die Tourismuschefin habe wohl auch hingeschmissen, weil sie nicht alles finanzieren könne, was sich die Oberstdorfer so wünschen. Da sei für eine halbe Million Euro Kunstschnee für die Vierschanzentournee gemacht worden. „Wenn man für den Schnee einen Kilopreis ansetzt, sind wir auf Kemptener Niveau“, so Leiner. „Nur, dass da der Schnee im Schrank bei der Polizei liegt“, ergänzte Gehring mit Blick auf die Kokainaffäre.

Überhaupt Kempten: "Drogenskandal, Salafisten, Schießerei im Alex, Mafiagerüchte. Kempten ist bekannt wie kaum eine andere Stadt und dazu stellt sie noch den Fraktionsvorsitzenden der CSU im Landtag", spottete Leiner. Außerdem gebe es noch ein "Loch mit Deckel", in das gut der neue XXL-Lutz hineingepasst hätte.

„In Oberstdorf hat der Hirsch TBC – In Missen hat er Trigema“, so Gehring zum Thema Wild und zu den miserablen Abschussquoten in manchen Revieren. Und Leiner legte nach: „In Oberstdorf schießt der Jäger erst wenn der Hirsch hustet“. Sonthofen sei einen Stadt der verpassten Chancen (kein Bankenviertel am Oberallgäuer Platz), und Immenstadt sei „in punkto Zerstrittenheit so gut wie die Oberstdorfer“, konstatierten die beiden Abgeordnete. Eine Stoiber-Parodie von Leiner, wie man mit der neuen Allgäubahn aus dem südlichen Landkreis bis zum ZUM in Kempten ohne Umsteigen „fliegen“ kann, sorgte für besonders viel Beifall.

Über den großen Flächenverbrauch im Allgäu und neue Pläne für Lift- und Beschneiungspläne spannten die Abgeordneten den Bogen zur Landespolitik. „Heimatminister“ Markus Söder sei eher ein „Beton-, Straßenbau- und Startbahnminister“. „Mit dem Heimatminister ist es genau so, wie mit dem Leberkäs, da ist auch keine Leber und kein Käs drin“, so Gehring: „Und wenn man zu viel davon isst, dann wird einem schlecht“. Vom Ministerpräsident „Drehhofer“ der ständig seiner Meinung ändert, über die Bildungspolitik, den Pflegenotstand und den Hausärztemangel auf dem Lande bis zum riesigen finanziellen Aufwand für den G7-Gippel in Elmau, reichte die landespolitische Palette. Um damit den Stab an Hofreiter für die „große Politik“ weiter zu geben.

Hofreiter schlug zu Beginn seiner Rede erst einmal ernste Töne an. Die Weltlage sei nicht gerade „aschermittwochstauglich sondern erschreckend“, sprach er die zahlreichen Kriege, Konflikte, Flüchtlingsströme und den internationalen Terrorismus an. Er lobte die Welle der Hilfsbereitschaft in Deutschland, um Flüchtlinge zu unterstützen. Kritik übte er an der europäischen Flüchtlingspolitik: „Wir müssen dafür sorgen, dass keine Menschen mehr im Mittelmeer ertrinken“. „Krisen kommen nicht über Nacht“, mahnte er eine vorausschauende Politik und „keine Politik der Trippelschritte“ an. „Lasst uns aufhören, die Atmosphäre als CO2 Lager zu missbrauchen“, warnte er vor den Auswirkungen massiver Klimaveränderungen.

Zur Brust nahm sich Hofreiter dann vor allem Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und dessen Energiepolitik. Seehofer sei gegen erneuerbare Energien und gegen Stromleitungen. Stattdessen setze er auf Gaskraftewerke, die neue Abhängigkeiten schaffen und für die die anderen Länder zahlen sollen. Auch Bundesverkehrsminister Dobrindt müssen die Ohren geklungen haben, als der Grünen-Fraktionschef zu einem fulminanten Rundumschlag gegen dessen PKW-Maut anhob. „Der macht eineinhalb Jahre nichts Anderes als an der bescheuerten Maut herumzuschrauben“, nannte er das Ganze ein „Bürokratiemonster“. Das könne nicht funktionieren, weil innerhalb der EU keine Diskriminierung stattfinden dürfe. Beim Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA gehe es darum „die Rechte von Parlamenten und Verbrauchern zugunsten von Großkonzernen einzuschränken“.“Das sollten wir auf jeden Fall verhindern“, so Hofreiter.

Heinrich Bonert

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