Walsertaler lehnen "Panoramabahn" und Bergbahnkonzept ab

75 Prozent der Walsertaler gingen zur Volksabstimmung - 55 Prozent forderten die Gemeinde auf, zurück zu rudern. Foto: Heinrich Bonert

Die Würfel sind gefallen: eine Mehrheit der Kleinwalsertaler Bevölkerung hat sich gegen die Verbauung des Alpbords und eine Panoramabahn zwischen dem Ifen und dem Walmendinger Horn entschieden. Das Ergebnis fiel dabei mit 55 zu 45 Prozent deutlicher als von Vielen erwartet aus. Alle drei Gemeinden stimmten ähnlich ab. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 75 Prozent. Beobachter hatten ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit offenem Ausgang erwartet.

Vor dem Wahllokal in der Mittelberger Schule wagte am Morgen des Wahlsonntags kaum jemand eine Prognose: „Es wir auf jeden Fall knapp“, war die meist geäußerte Meinung. So war weniger der Sieg der Ifengegner als dessen Deutlichkeit die eigentliche Überraschung. Damit ist das Projekt, um das in den letzten Wochen so heftig gerungen wurde, erst einmal „gestorben“. Die Gemeinde wird nun ihre Bekundung des „öffentlichen Interesses“ zurücknehmen. „Die Panoramabahn wird in dieser Form wohl nicht kommen“, so Bürgermeister Andi Haid nach Verkündung des Abstimmungsergebnisses. Nach dem Erwerb der Ifenlifte durch die Kleinwalsertaler Bergbahn AG (KBB) stellte diese im Dezember 2010 ihre Modernisierungspläne vor. Nachdem im März dieses Jahres die Gemeinderäte mit 14 zu 10 für das Vorziehen des Baus der Verbindungsbahn gestimmt hatte, leiteten die Gegner der Ausbaupläne eine Volksabstimmung ein. Bis zum Schluss hatten Gegner und Befürworter des Ifenprojekts für ihre Argumente geworben. Die Befürworter sahen vor allem die touristische Zukunft im Tal gefährdet und argumentierten mit einer landschaftsschonenden Planung. Die Gegner führten vor allem Naturschutzgründe, eine Zunahme des Verkehrs und eine zu einseitige Ausrichtung auf den Wintertourismus ins Feld. Einigkeit herrscht darüber, dass eine Modernisierung der Ifenlifte notwendig ist. Alternativen für eine talnahe Verbindung der Skigebiete liegen auf dem Tisch. Die KBB hatte allerdings immer betont, dass die Modernisierung des Ifengebietes nur im Zusammenhang mit dem Bau der Panoramabahn rechnerisch Sinn macht. Mit Enttäuschung reagierte die KBB auf das für sie negative Ergebnis. „Wir respektieren diese Entscheidung“, so Vorstand Augustin Kröll in einer ersten Stellungnahme: „Leider hat damit das Kleinwalsertal eine große Chance vertan.“ Die Bahnen hätten bei dem Projekt fast 40 Millionen Euro in die Verbesserung der touristischen Infrastruktur investiert. „Ich hoffe nun, dass im Tal wieder Normalität einkehrt“, so Kröll. Die Anlagen am Ifen würden nun weiterbetrieben wie bisher. Ein Verkauf scheide aus, da man die Bahnen mit der Absicht erworben habe, ein Gesamtskigebiet Kleinwalsertal zu verwirklichen. Man habe „viel Potential im Konzept der KBB gesehen“, bedauerte auch Tourismus-Chefin Anne Riedler. Nach der Entscheidung müsse man nun schauen welche Möglichkeiten es gebe, den Tourismus im Tal weiter voranzubringen. Freude und Erleichterung dagegen bei den Gegnern des Projektes. „Die Walsertaler haben sich für den Ifen und gegen den Massentourismus entschieden“, so Karl Kessler vom Landschaftsschutz Kleinwalsertal. Michael Finger vom Bund Naturschutz Oberstdorf möchte nun „zusammen mit den Walsern auch das Gebiet auf österreichischer Seite als FHH-Gebiet auszuweisen“. „Die Bürger wollen die Panoramabahn nicht“, dankte der Hermann Haller allen, die sich dagegen engagiert und gestimmt haben. „Im Tourismus gibt es keinen Stillstand“, so der Hotelier. Er will „den Fokus nun nach vorne richten“ und „mit schlüssigen Konzepten auf Augenhöhe“ die Entwicklung voranbringen. „Man muss das Ergebnis so akzeptieren“, möchte auch Befürworter und Vize-Bürgermeister Matthias Bischoff „jetzt nach vorne schauen“. Er habe mit einem knapperen Ergebnis gerechnet, kommentierte er den Abstand von zehn Prozent. Überhaupt überwogen bei Siegern wie Verlierern die versöhnlichen Töne. Es gelte nun den Streit zu beenden und weiter gemeinsam an der touristischen Zukunft zu arbeiten, so der Tenor. „Es gibt noch viele Projekte, die wir anpacken wollen“, so Bürgermeister Haid.

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