145 Wanderer erkranken in Allgäuer Bergen

Ein Defekt an der Trinkwasser-Aufbereitungsanlage der Rappenseehütte in den Allgäuer Alpen könnte die Ursache für eine Masseninfektion bei fast 150 Bergwanderern sein. Am vergangenen Wochenende waren 35 erkrankte Bergsteiger von mehreren Hütten ins Tal geflogen worden, weil sie durch die Magen-Darm-Infektion zu geschwächt waren, um selbst abzusteigen. Die Rappenseehütte wurde inzwischen vorübergehend geschlossen. Die Trinkwasserversorgung und die Hütte wird durch eine Spezialfirma komplett desinfiziert. Umliegende Hütten am so genannten Heilbronner Weg stehen Bergwanderern aber uneingeschränkt zur Verfügung.

Geradezu lawinenartig nahmen die gemeldeten Infektionsfälle unter Bergwanderern im Laufe des Freitags und am Samstag zu. Alle klagten über Kreislaufbeschwerden, Durchfall und Erbrechen. Bald zeigte sich, dass das Trinkwasser der Rappenseehütte Quelle der Infektion sein musste. Da viele Erkrankte nicht mehr selbst ins Tal absteigen konnten, lief eine großangelegte Aktion an, bei der bis Sonntagmittag insgesamt 35 Personen mit Rettungshubschraubern von Hütten aus dem Gebiet des Heilbronner Weges ausgeflogen wurden. Im Tal konnten sie medizinisch versorgt werden und erholten sich zusehends. Laut Angaben des Landratsamtes Oberallgäu wurden 44 Erkrankte in Kliniken der Region vorübergehend stationär betreut. Während des Wochenendes waren Ärzte, die sich freiwillig zur Verfügung gestellt hatten, zur Versorgung von Patienten auf mehreren Hütten am Heilbronner Weg stationiert. Offenbar lag es am Trinkwasser auf der Rappenseehütte, dass Bergwanderer reihenweise erkrankten. Die Aufbereitungsanlage sei bereits mehrere Tage defekt gewesen. Aufgrund von Ergebnissen der Laboruntersuchungen, die zwischenzeitlich beim Landratsamt Oberallgäu eingegangen sind, zeichnet sich ab, dass es möglicherweise zwei Infektionsschienen gibt. Neben der zunächst als Hauptursache angenommenen Infektion durch verunreinigtes Trinkwasser wurde jetzt bei einigen Proben von Gästen eine Infektion durch Noro-Viren zweifelsfrei nachgewiesen, so einen Stellungnahme des Landratsamtes Oberallgäu. Aufgrund dieser Laborergebnisse hat sich der Deutsche Alpenverein in Abstimmung mit dem Landratsamt Oberallgäu entschlossen, die Desinfektionsmaßnahmen über die Rappenseehütte hinaus zu erweitern. Auch auf der Kemptner Hütte und dem Prinz-Luitpoldhaus, auf denen in den letzten Tagen erkrankte Bergwanderer anwesend waren, wird eine Desinfektion durch staatlich anerkannte Desinfektoren durchgeführt. Diese Vorsichtsmaßnahme soll dazu dienen, dass jedwede möglichen Infektionsquellen ausgeschaltet werden. Die Hütten sind aber bei eingeschränktem Betrieb weiter geöffnet. Seit Sonntag seien keine Neuerkrankungen mehr aufgetreten. Abschließende Untersuchungen lägen noch nicht vor, so Brigitte Klöpf, Pressesprecherin am Landratsamt Oberallgäu. Am Landratsamt wurde speziell zu der Erkrankungsserie ein Bürgertelefon unter der Nummer 08321 / 612-900 eingerichtet. Die Rappenseehütte, eine der meistbesuchten Unterkunftshütten im Gebiet des Heilbronner Wegs, wurde bis auf weiteres geschlossen. Inzwischen hat ein Spezialbetrieb mit der Sanierung der Trinkwasser-Aufbereitungsanlage begonnen. Darüber hinaus wird die Hütte des Deutschen Alpenvereins vollständig desinfiziert. Damit sollen weitere Infektionsursachen ausgeschlossen werden. Die Polizei leitete Ermittlungen ein wegen „Anfangsverdacht der fahrlässigen Körperverletzung“. Die strafrechtlichen Ermittlungen in dem Fall wurden in der Zwischenzeit aufgrund des Ausmaßes der Krankheitsfälle von der Kriminalpolizeiinspektion Kempten übernommen. Im Laufe des Montags meldeten sich aufgrund der Berichterstattung in den Medien zahlreiche Personen bei der Polizeiinspektion Oberstdorf und bei der Kripo Kempten, die im Zusammenhang mit dem Besuch der Rappenseehütte den Verdacht einer Erkrankung äußerten. Diese Meldungen werden dem Landratsamt Oberallgäu weitergeleitet. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch nicht bekannt, an welcher Stelle im Trinkwassersystem, das derzeit primär als Auslöser der Erkrankungen gilt, es zu dem Eintrag des Erregers gekommen ist“, so Christian Owsinski, Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. Die Ermittlungen der Kripo wegen des Anfangsverdachts einer fahrlässigen Körperverletzung richteten sich gegen Unbekannt.

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