Jäger "feuern" auf den Wolf

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Halbzeitbilanz bei der Herbst-Hegeschau des Kreisjagdverbandes: Die Jäger sollen weiter „beherzt Strecke machen“, betonte der Oberallgäuer Landrat.

Wann kommt der nächste? Ist er noch da? Was kann man tun? Die Fragen zum „Umgang“ mit den Wolf beschäftigen derzeit neben den Landwirten auch die Jäger im Allgäu.

Die dichtbesiedelte und land- und forstwirtschaftlich genutzte Region biete weder Platz noch geeigneten Lebensraum für das Raubtier, so das Fazit bei der jüngsten Herbsthegeschau des Kreisjagdverbandes Oberallgäu in Fischen. 

Jetzt müssten die Weichen gestellt werden, damit aus der „Bedrohung“ kein „Problem“ werde, das die Jagd massiv beeinträchtige und in der Folge auch die Forstwirtschaft. Massive Unterstützung fordert die Jägerschaft von der Politik ein.

Das „Feuer auf den Wolf“ eröffnete der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes Oberallgäu, Heinrich Schwarz: „Wer glaubt, der Wolf trägt zur Artenvielfalt bei, lebt in einer anderen Welt. Genau das Gegenteil ist der Fall: in anderen Bundesländern sind schon ganze Muffelwild-Populationen ausgelöscht worden.“ Wo der Wolf sesshaft werde, sei eine planbare Rotwildbewirtschaftung nicht mehr möglich; die Reviere seien nicht mehr zu verpachten. Das wiederum müsse man als Eingriff in das Eigentumsrecht werten, so Schwarz. Die Anwesenheit des Wolfes schade nicht nur der Jagd, sondern auch der Landwirtschaft und dem Tourismus in der Region.

In die selbe Kerbe schlug der Vorsitzende der Hochwildhege-Gemeinschaft Sonthofen, Erich Fürst von Waldburg-Zeil. Wie die Landwirte sehe die Jägerschaft die gewachsene Kulturlandschaft der Region durch eine Ausbreitung des Wolfes nachhaltig bedroht. Die attraktive Kulturlandschaft des Allgäus sei „reines Produkt der Bewirtschaftung“, so seine Argumentation. Und ohne Beweidung, gerade der Bergregion, nicht vorstellbar. Mit Schutzzäunen und Hütehunden, wie immer wieder vorgeschlagen werde, sei der Wolf dauerhaft nicht vom Weidevieh abzuhalten. In der Folge sei der allmähliche Rückzug aus der Beweidung zu befürchten und in der späteren Konsequenz eine baldige Verbuschung und Verwaltung der einst offenen Landschaft. „Dann ist die Landschaft wie wir sie kennen erledigt“, warnte der Fürst. Er finde es ignorant, einfache Konzepte vorzuschlagen, ohne sich mit den Verhältnissen vor Ort zu beschäftigen.

Die Jägerschaft fürchte den Wolf zudem keineswegs als Beutekonkurrenten, betonte von Waldburg-Zeil weiter. Der Wolf werde letztlich die praktizierten und bewährten Bejagungskonzepte über den Haufen werfen. Die Rotwildrudel würden größer und heimlicher werden, die Verbissproblematik werde sich entgegen der bislang erzielten Erfolg wieder verschärfen. „Der Wolf steht dem Auftrag ‚Wald vor Wild‘ entgegen!“ so der Fürst, der forderte: „Das Oberallgäu muss zur wolfsfeien Zone erklärt werden!“ Das bedeute auch, dass eine entsprechende Entnahme möglich und legal sein müsse. Alles andere sei vielleicht politisch korrekt und diplomatisch, aber nicht im Sinne der Menschen und der Natur. Und: Die Entnahme müsse Sache der Jäger sein, nicht eine Angelegenheit der Spezialisten. „Klare Regeln, klare Rechtsgrundlage. Die Entnahme wird dann kein Spaß sein.“

Landrat Anton Klotz ließ seine Sichtweise wegen Abwesenheit durch Kai Bomans von der Unteren Jagdbehörde der Kreisverwaltung darstellen. Für die Artenvielfalt sei die Rückkehr des Wolfs zwar erfreulich, nicht aber für die Weidetierhalter und die Alpwirtschaft. „Die zunehmende Ausbreitung führt gerade im ländlichen Raum zwangsläufig zu wachsenden Konflikten.“ Er werde sich „auf allen Ebenen dafür einsetzen, dass der Schutzstatus des Wolfes gesenkt wird. Der Landkreis stehe hinter seinen Jägern, versicherte Klotz.

Der Landrat lobte zudem die Jäger, die bei der Erfüllung der Abschussplanung einen entscheidenden Beitrag leisteten, um gesunde, an den Lebensraum angepasste Wildbestände zu erhalten. Diese wiederum seien Grundage für stabile, standortgerechte Mischwälder mit ihren Schutzfunktionen. Die „hervorragende Leistung“ im vergangenen Jagdjahr und die aktuellen positiven Ergebnisse des jüngsten Vegetationsgutachtens müsse erneut Ansporn sein, in den Anstrengungen nicht nachzulassen. Für die restliche Jagdzeit gelte es, „beherzt Strecke zu machen“ und den ehrgeizigen Abschuss- plan beim Rotwild zu erfüllen. appellierte Klotz. Man sei auf gutem Weg.

Die Sollvorgabe von 1 049 Tieren beim Rotwild ist mit 449 erlegten Hirschen zum Stichtag 20. Oktober zu 43 Prozent erfüllt. Die Jagdzeit endet hier Ende Januar. Beim Gamswild (Soll: 642 Tiere) steht die Ist-Marke bei 53 Prozent. Beim Rehwild endet im kommenden Jahr die dreijährige Abschussplanung; hier ist das Soll von 6 614 Rehen bereits zu 93 Prozent erfüllt.

gts

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