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Wasseraktivistin Maude Barlow warnt vor Privatisierung und Verknappung

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Von: Susanne Lüderitz

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Wasseraktivistin Maude Barlow am Rednerpult
Einige Ehrendoktortitel auf der ganzen Welt hat die Wasseraktivistin Maude Barlow bereits erhalten. © Susanne Lüderitz

Kempten – Die berühmte Wasseraktivistin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises, Maude Barlow, sprach vor Kurzem im Thomas-Dachser-Auditorium in Kempten.

Die Kanadierin reist derzeit durch Deutschland und berichtet vom Kampf für das Menschenrecht auf Wasser und von den Problemen, die Wasserprivatisierung, Flächenversiegelung und Klimawandel mit sich bringen.

Aber sie motivierte eindringlich, nicht aufzugeben: Hoffnung entsteht im Tun, fasste es Moderator und Journalist Geseko von Lüpke zusammen. Und angetan zeigte sich Barlow von einer Idee, die Oberbürgermeister Thomas Kiechle aufs Tapet brachte.

Wasser ist Leben, doch es ist in Gefahr. „Verschwendung, Verschmutzung, Verdunstung, Versalzung, Verkauf“, nannte Moderator Geseko von Lüpke schlagwortartig die „globalen Sünden“, unter denen Mensch, Tier und Natur zu leiden haben. Dürren und Kriege sind die Folgen.

Auch in Europa stehe die Krise bereits vor der Tür: „In Deutschland müsste es drei Jahre durchgehend regnen, damit die Grundwasserspeicher wieder aufgefüllt sind.“ Selbst im Oberallgäu seien die Pegelstände gerade niedrig.

Ein ganzer Ozean von Problemen

Eindringlich formulierte es auch Maude Barlow: „Alle dreieinhalb Sekunden stirbt ein Kind an Wassermangel.“ Zwei Drittel der Weltbevölkerung sei „in water stress“. Die Kanadierin betonte den Zusammenhang von CO2-Ausstoß, Klimawandel und Wasserknappheit.

Aber auch die Privatisierung von Wasser sei sehr gefährlich. „Banken und Firmen kontrollieren einen großen Teil des Geldes auf der Welt“ und zahlten oft keine Steuern. Sie dürften nicht zu viel Macht bekommen.

Selbst der Regen sollte einer Firma gehören

„Ich sterbe lieber an einer Kugel, als zu verdursten.“ Dieser Satz stamme von Oscar Olivera aus Bolivien. Als das Land um die Jahrhundertwende einen Kredit von der Weltbank für seine Wasserversorgung beantragte, forderte diese, dass das Wasser dafür in private Hand übergehen müsse.

In kurzem Zeitraum habe die Firma die Gebühren dreimal erhöht und behauptet, selbst der Regen gehöre nun ihr. Im Jahr 2000 gab es Tote, die Armee schritt ein – Wasserkrieg. Oskar Olivera führte die Proteste an, die am Ende Erfolg hatten.

Der Krieg ums Blaue Gold

Schockierendes berichtete Barlow auch aus Australien, wo man die Idee hatte, dass die Landwirte Wasser sparen würden, wenn sie ihr überschüssiges Wasser verkaufen könnten. „Nun wissen sie nicht mehr, wie sie das System stoppen können.“ Investmentbanken und Firmen kauften die kleinen Höfe auf. Es werden Terminkontrakte gehandelt, um Gewinne mit Wasser zu erzielen. Es sei nie gut, Wasser vom Land zu trennen, so Barlows Fazit.

Die vielen schlechten Nachrichten um Natur und Umwelt seien sehr schwierig für die jungen Menschen. Ein gutes Prinzip sei die „Weise Hoffnung“: „Du musst verstehen, wie schlimm die Situation ist, aber etwas dagegen tun.“

Zu handeln, könne die Depression mildern. Und die Veränderung komme nicht von heute auf morgen. Barlow halte es mit dem Leitspruch eines befreundeten Landwirts: „Ich schaue, was ist der nächste Schritt. Und das tue ich.“

Zuerst Aktivistin für Frauenrechte, gründete Maude Barlow in den 1980-er Jahren den linksgerichteten „Council of Canadians“, die größte Bürgerrechtsorganisation dort. In diesem Rahmen entstand auch das „Blue Planet Project“. Der größte Erfolg: 2010 stimmten 122 Länder in den Vereinten Nationen dafür, den Zugang zu sauberem Trinkwasser zum Menschenrecht zu erklären.

Dafür hat Barlow den Alternativen Nobelpreis erhalten. Sie habe bereits 18 Bücher über den Kampf ums Wasser verfasst, so von Lüpke, und trage mittlerweile 15 Ehrendoktortitel. „337 Städte und Gemeinden haben nun wieder eine öffentliche Wasserversorgung“, berichtete die 74-Jährige.

Vor Kurzem sei ein Gesetzentwurf gegen Terminkontrakte auf Wasser eingebracht worden und „es sieht so aus, als würde Joe Biden das unterstützen“, sagte sie.

Das (Ober)Allgäu als Blue-Community?


Seit 2019 ist auch Kempten Mitglied der „Blue Community“. Die Stadt bekennt sich zu den vier Prinzipien der Bewegung. Die Kommune erkennt sauberes Trinkwasser und Sanitärversorgung als Menschenrechte an.

Sie behält die Wasserversorgung in öffentlicher Hand, bietet Leitungswasser anstelle von Flaschenwasser an, wo immer möglich, und engagiert sich für sauberes Wasser und Wissenstransfer in Länder mit schwieriger Versorgung.

Was kann der Einzelne für das Wasser tun?


Kempten unterstützt in diesem Rahmen den Verein „Wasser für Senegal“. Außerdem hat die Stadt die Kampagne „Trink Allgäuer Leitungswasser!“ ins Leben gerufen und einen öffentlich zugänglichen Trinkbrunnen im Rathaus errichtet. „Mit hohen Standards schützen wir unser Trinkwasser“, erklärte Oberbürgermeister Thomas Kiechle.

Vielleicht sei der Besuch von Maude Barlow Anlass für seine Bürgermeisterkollegen, selbst der Blue Community beizutreten, sagte das Stadtoberhaupt und berichtete von der Idee einer ganzen Blue-Community-Region im Allgäu.

Für praktische Alltagstipps interessierte sich ein Zuhörer. „Lernen Sie so viel wie möglich über die Wasserkrise, die in Deutschland kommen wird“, sagte Barlow. Unterrichtsmaterialien seien auch für Schulen und Universitäten vorhanden. „Leitungswasser ist besser als Wasser aus Flaschen.“

Und wenn man jemanden sehe, der etwas Schlechtes tue, solle man keine Angst haben und ihn darauf ansprechen. Außerdem brauche es gute Gesetze, die Biodiversität und Naturschutz vor dem Handel schützen, denn der habe „die falschen Gründe“.

Das kann die Kommune tun?

Die Blue Community sei die Grundlage, wie die Vorreiterin verdeutlichte. Man solle überlegen, was man tun könne. Berlin habe Toiletten ohne Wasser für Menschen eingerichtet, die auf der Straße leben. Auch weniger Flächenversiegelung sei wichtig, so von Lüpke. Barlows Schusssatz: „Verliert nicht die Hoffnung dabei!“

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