Wege für den Schutzwald

Immenstadt erreicht mit "kleinem Geld" großen Fortschritt

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Ohne eine fachgerechte Erschließung bliebe der Schutzwald im Steigbachtal auf lange Sicht auf der Strecke, betonen Immenstadts Bürgermeister Nico Sentner (links) und Stadtförster Gerhard Honold.

Immenstadt – Waldnutzung im Berggebiet ist mitunter schwierig. In Immenstadt ist man jetzt einen guten Schritt weitergekommen: Mit einem einem LKW-tauglichen Forstweg und zwei anschließenden Schlepperwegen werden im Steigbachtal rund 120 Hektar Wald, davon hohe Anteile von Schutzwald, „zugänglich“ und nutzbar gemacht. Zudem hängen am Weg 50 Hektar Alpweide der Alpen Kessel und Alp.

Hektarweise Bergwald werde jetzt aber nicht gefällt, stellt Gerhard Honold, Chef des Forstreferats der Stadt Immenstadt fest. Es gehe vielmehr darum, den Wald in der Fläche fit zu machen und seine Nutzung zu verbessern. Der Schutzwald und Sanierungsflächen sollen in den kommenden Jahren „bearbeitet“ werden, um sicherzustellen, dass der Wald auf lange Sicht seine Funktionen erfüllen kann.

„Mit dem neuen Weg wurde eine zukunftsfähige Lösung geschaffen“, fasst Immenstadts Bürgermeister Nico Sentner das Ziel des Wegebaus zusammen. Die Erschließung sei das A und O für eine für eine funktionierende Alp- und Forstwirtschaft.

Der Bau des neuen Weges zu den städtischen Alpen Alp und Kessel hat eine lange Vorgeschichte, wie Gerhard Honold berichtet. Nach vielen Planungen, die aber immer wieder verworfen wurden, wollte die Stadt jetzt Nägel mit Köpfen machen in dem steilen Gelände mit schwieriger Trassenführung.

Neben dem Gelände erwies sich vor allem die Materialgewinnung als problematisch. Schließlich lag die Lösung dann ganz nahe: An mehreren Stellen konnte aus Felsriegeln das erforderlich Baumaterial beschafft werden. Ganz einfach war es dennoch nicht, da 9000 Kubikmeter Schotter aus dem Nagelfluhgestein gesprengt werden musste. „Natürlich mit den Genehmigungen der Fachbehörden“, versichert Honold. Diese Lösung ersparte dem engen Tal und der Stadt zahllose LKW-Fuhren. „Und viel Geld“, so Honold.

Eine andere Schwierigkeit zeigte sich schon bei Beginn der Bauarbeiten im Mai vergangenen Jahres. Eine „Autobahn“ auf die Alpen werde da gebaut, hatte man Förster Gerhard Honold vorgeworfen. Es habe viel Nerven und Überzeugungskraft gebraucht, um den zum Teil aufgebrachten Kritikern der Baumaßnahme die Zusammenhänge zu erklären, erinnert sich Honold. Mit vielen Gesprächen und guter Öffentlichkeitsarbeit habe man die Kritik aufgefangen. Auch hier werde sich eine alte Försterweisheit bewahrheiten, meint Honold weiter mit Blick auf die neue Schotterfahrbahn: Fünf Jahre weg schauen. Dann sieht man das Ergebnis. Die Bankette des neuen 1 500 Meter langen Forstweges werden schon ein ein, zwei Jahren weitgehend von Gras bewachsen sein wie jeder Feld- oder Waldweg. Sogar eine besonders geeignete Saatgutmischung habe man dafür besorgt.

Ganz bewusst wurde die Fahrbahndecke mit losem Schottermaterial gebaut und für entsprechende Entwässerungseinrichtungen gesorgt. „Alles in allem keine übertriebene Erschließung“, betont Gerhard Honold. In ein paar Jahren sehe man einen sehr naturnahen Weg.

Erster Nutznießer des neuen Weges ist das Pächterehepaar der Alpe Alp. Jedes Jahr habe man auf dem alten Weg ein Auto verschlissen auf dem alten bestehenden holprigen Karrenweg. Das sei jetzt vorbei. Und auch die Forstwirtschaft kommt nun besser an die Flächen heran, kann etwa punktuellem, Borkenkäferbefall schneller entgegentreten oder Sanierungsflächen im Schutzwald besser bearbeiten.

Den „guten Preis“ für den Wegebau verdankt die Stadt Immenstadt vor allem der Beschaffung des Baumaterials vor Ort. Insgesamt kostete der Bau rund 250 000 Euro, wovon allerdings 180 000 Euro aus dem bayerischen Waldförderprogramm getragen werden. Dass die neue „Piste“ auch Besucher ins Gelände bringen wird, verkennt Gerhard Honold nicht. Ein spezielles Besucherlenkungskonzept soll sensible Bereiche aussparen und vor allem Mountainbiker auf den geeigneten Wegen halten.

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