»Geheimer Wegebau«

Wegebau in der Sulzburg: Bund Naturschutz und Grüne üben Kritik

Forstweg in der Sulzburg
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Forstweg in der Sulzburg: Bund Naturschutz und Grüne sprechen von absichtlicher Geheimhaltung

Oberstdorf – Von überzogenen Wegebaumaßnahmen sprechen Naturschützer im Fall der Tiefenbacher Sulzburg bei Oberstdorf. Nur zur Bestandspflege, sagen die Forstleute.

Schutzwald muss „fit“ sein, wenn er seine Aufgaben erfüllen soll, sagen die Forstleute. Dazu gehöre Pflege des Bestandes, also auch eine Form der Holzernte. Im Fall der Tiefenbacher Sulzburg bei Oberstdorf können Naturschützer dies nicht nachvollziehen: Ein „naturnahes Kleinod“ werde durch einen privaten Wegebau massiv beschädigt. Noch dazu werde der Bau staatlich gefördert.

„Der Verdacht liegt nahe, dass hier unter strenger Geheimhaltung agiert wurde, um keinen Widerstand aufkommen zu lassen“, vermuten die Ortsgruppe Oberstdorf-Fischen des Bund Naturschutz und der Grünen-Ortsverband Oberstdorf. Die staatliche Förderung für Holzbringung ebne geradezu den Weg für überzogene Wegebaumaßnahmen wie in der Sulzburg, statt über „sinnvolle Alternativen nachzudenken“.

Keine Rücksicht auf seltene Tiere?

Zudem, so die Stellungnahme von Bund Naturschutz und Grünen weiter, habe man keinerlei Rücksicht auf brütende Vögel genommen oder auf hier vorkommende seltene Tier- und Pflanzenarten, wie etwa den Alpensalamander. Auch eine spätere Nutzung des neu gebauten Weges sei offenbar ausgeblendet worden.

„Das Verfahren ist ordnungsgemäß durchgezogen worden“, betont Klaus Dinser, Schutzwaldmanager am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten, und zeigt Verständnis für die Bedenken. Alle Auflagen seien jedoch eingehalten worden.

Behörde sieht Naturschutz gewährleistet

Dinser weiter: Der Wald der Sulzburg gehöre bewirtschaftet, damit dieser auf lange Sicht seine Rolle als Schutzwald für die am Fuß des Hügels verlaufende Straße und die Gebäude erfüllen könne. Zu beurteilen, ob sich ein Hieb letztlich wirtschaftlich rechne, wie es von den Gegnern der Arbeiten in Frage gestellt werde, sei nicht Sache der Behörde. Die staatliche Förderung werde entsprechend der geltenden Bedingungen gewährt. Zudem sei die Forstbehörde hier nicht der Bauherr, sondern trete nur als fachliche Begleitung auf. „Wir bauen, mehr nicht.“

Die naturschutzrechtlichen Auflagen im Verfahren seien allesamt erfüllt worden, wiederholt Dinser. Und von den vermeintlich hier lebenden Alpensalamandern sei bei einer Absuchaktion nichts zu sehen gewesen.

++Update++ 7.Juni 2021

Die Polizeiinspektion Oberstdorf teilte mit, dass betreffend den Baumaßnahmen eines forstwirtschaftlichen Rückeweges im Ortsteil Tiefenbach Anzeigenerstattungen nach dem Bundesnaturschutzgesetz eingegangen sind. Inhaltlich wurde befürchtet, dass die Bauarbeiten den dort angesiedelten und streng geschützten Alpensalamander gefährden könnten. Weitere Ermittlungen in Abstimmung mit den Fachbehörden wurden eingeleitet.

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