Gesprächsrunde "Regionalmarketing und Baukultur"

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Die Podiumsgäste Klaus Fischer (von links), Sarah Filippi, Günter Salchner und Moderator Klaus Noichl.

Immenstadt – Mit der Frage „Welche Rolle spielt Architektur in der Vermarktung der Alpenregion – und speziell in Südtirol, im Tannheimer Tal und im Allgäu?“ beschäftigte sich eine hochkarätige Gesprächsrunde im Rahmen der Ausstellung „Alpen Architektur Tourismus“, die im Grünen Zentrum in Immenstadt zu sehen war.

Fachkundig moderiert wurde die Veranstaltung des architekturforum allgäu in Kooperation mit dem BDA Augsburg – Schwaben vom Oberstdorfer Architekten Klaus Noichl. Eingangs stellte er den Podiumsgästen Sarah Filippi von Wein.Kaltern, Günter Salchner von der Regionalentwicklung Ausserfern und Klaus Fischer von der Allgäu GmbH die Frage nach dem liebsten Stück Baukultur in ihrer Region.

In Ihrem Eingangsstatement betonte Sarah Filippi, dass Touristen eine große Sensibilität für authentische Dinge empfinden und es gerne sehen, wenn „Altes und Neues“ harmonisiert, so wie bei Ihrem Lieblingsort in Kaltern, dem Weinhaus Punkt. Günter Salchner schloss sich diesem Standpunkt an und machte stellte einen abklingenden „Alpenbarock“ fest, den der Gast bis dato angeblich suchte. Die Gäste legten vielmehr zunehmend Wert auf qualitätvolle Architektur und stimmiges Design. Klaus Fischer meinte, dass Änderungen immer erwünscht seien, der Gast jedoch mitgenommen werden sollte. Er sehe aber gerade im Allgäu keine architektonische Aufbruchstimmung, als Bespiel nannte er neue Tourismusbauten etwa im Oberjoch. Sarah Filippi freute sich über den Niederschlag, den gute Gestaltung auch bei privaten Vermietern von Unterkünften in Südtirol findet – stets suche der Gast zum einen individuelle Konzepte, zum anderen erlebe er einen Ort wie Kaltern auch in seiner gesamten baulichen Ausprägung. Dem pflichtete Klaus Fischer bei, verkaufe Südtirol in touristischer Hinsicht doch ein Lebensgefühl und deswegen müsse vor allem das bauliche Umfeld passen. Das Allgäu wäre demgegenüber neben einer Tourismusregion auch Industrieregion.

Günter Salchner bemängelte für seine Region einen zunehmenden Schwund im sensiblen Umgang mit der Landschaft. Schließlich gehe es nicht nur um die Bedürfnisse von Touristen, sondern vor allem um die Lebensqualität der Bewohner. Auch für Sarah Filippi ist es wichtig, dass der Einheimische sich gerne in ihrer Ortschaft aufhalten, der Gast spüre nämlich eine stimmige Alltagskultur etwa wenn er mit Dorfbewohnern ins Gespräch komme – und wolle definitiv keine Inszenierungen. Oftmals wünschen sich Hiesige jedoch eine `Eventisierung` in ihrem Umfeld, weil die Fremden die Destination ansonsten als zu langweilig empfinden würden. Moderator Klaus Noichl zählte dazu zunehmend auch Infrastrukturmaßnahmen.

Zuhörerin Angelika Blüml lenkte den Fokus auf die politischen Entscheidungsträger und bemängelte, dass Baukultur leider meist auf Laienniveau verhandelt werde. Günter Salchner stimmte dem zu, konstatierte viel zu wenig Hintergrundwissen bzw. Gestaltungsverständnis und zu wenig öffentlichen Diskurs. Bauliche Entscheidungen wären jedoch für viele Jahrzehnte irreversibel. Klaus Fischer beobachtet eine fast nur noch rein juristische Betrachtungsweise von Bauvorhaben, Günter Salchner vermisst die kulturelle Komponente beim Bauen in unserer Zeit. Sarah Filippi hingegen beobachtet in Südtirol eine steigende Sensibilität in der Bevölkerung für Gestaltungsfragen. Thomas Kieschke aus dem Publikum warf das Problem der Raumordnung auf und die damit einhergehende Zersiedlung der Landschaft. Günter Salchner kritisierte in diesem Zusammenhang immer neue Flächenwidmungen, während Altbestände kaum mobilisiert würden. Seelenlose austauschbare Zwecklandschaften entstünden in ganz Europa, deswegen sei es umso wichtiger „Sehnsuchtsorte“ wie Südtirol, das Tannheimer Tal oder das Allgäu zu bewahren und nicht die dortigen Tourismusgrundlagen zu zerstören. Dazu müsse ein gesamtgesellschaftliches Bewusstsein geschaffen und langfristig gedacht werden. Sarah Filippi: „Nur wenn von allen an einem Strang gezogen werde, dann sind wir erfolgreich.“

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