Ein ganz edler Stinkkäse

+
Milena und Florian durften mithelfen und beim Schaukäsen einen zukünftigen Weißlacker aus dem Käsekessel schöpfen.

Wertach – Mit einem kunterbunten Straßenfest feierten die Marktgemeinde Wertach und das Molkereiunternehmen Arla Foods den 140. Geburtstag des Weißlacker-Käses. In Wertach wurde diese Allgäuer Käsespezialität nämlich „erfunden“, als in den 1870er Jahren die Gebrüder Anton und Josef Kramer mit Limburgerkäse experimentierten. Damals eher ein Zufallstreffer ist der „Aristokrat unter den Stinkkäsen“ längst eine ausgesprochene Delikatesse.

Ein international tätiger Molkereikonzern und eine kleine Dorfsennerei feiern zusammen „ihren“ Weißlacker. Für Arla Foods war es Ehrensache, die bei Kennern geschätzte Allgäuer Käsespezialität gebührend zu feiern. Die regionalen Spezialitäten, mithin auch der Weißlacker, lägen dem Unternehmen sehr am Herzen, betonte John Faurholdt von Arla Foods. Die Sennerei Wertach fiel vor drei Jahren an den dänischen Molkereikonzern als dieser die Allgäuland-Käsereien übernommen hatte. Heute wird der Weißlacker in der Arla-Käserei in Sonthofen hergestellt.

Als eine „klare Entscheidung für den Standort Allgäu“ will Arla sein Engagement in der Region verstanden sehen. Das Unternehmen wisse sehr wohl was es an seinen „kleinen Sennereien“ habe, ergänzte Wolfgang Rommel, Pressebeauftragter bei Arla Deutschland. „Hier werden Käsespezialitäten in höchster Qualität hergestellt.“ Das zeige, dass sich Regionalität und Globalität nicht ausschließen müssten. Arla habe sich fürs Allgäu entschieden, weil es die regionale Käsetradition schätze. „Es lohnt sich, dieses Erbe weiter zu vermarkten.“ Nicht zuletzt sei das „Dach“ eines weltweit agierenden Unternehmens auch eine Art Absatzsicherung für die Milchlieferanten der Region.

Der Absatz machte tatsächlich auch die Brüder Anton und Josef Kramer in Wertach erfinderisch. Die Inhaber eines Käsehandelsunternehmens experimentierten Anfang der 1870er Jahre damit, den damals gängigen Limburger haltbarer zu machen. Sie setzten dabei darauf, den Fett- und Salzgehalt zu steigern. Enttäuscht von den Ergebnissen der Versuche, gab Josef Kramer auf.

Als echter Allgäuer wollte er die wässrigen Käse nicht einfach wegwerfen, sondern ließ einige erst einmal im Keller liegen. Und: nach etlichen Monaten erwiesen sich die kleinen Käse als durchaus schmackhaft, wenngleich auch „räs“ – was man wohl mit 'sehr würzig' oder 'deftig' umschreiben kann. Der neue Käse war „erfunden“. Die Brüder Kramer ließen sich ihren Käse auch gleich patentieren. Der erste patentierte Käse der Welt war 1876 „geboren“ und begeisterte sogar den königlichen Hof in München.

Zu Ehren des Weißlacker-Käses und der „Erfindung“ der Gebrüder Kramer wurde anlässlich des Weißlackerfestes ein Platz auf den Namen des legendären Käses getauft, der bislang zur Kramerstraße gehörte, also den „Erfindern“ gewidmet ist. Der „Weißlackerplatz“ mitten im Ort sei eine gute Adresse, deutete Wertachs Bürgermeister Eberhard Jehle bei der feierlichen Enthüllung des Namensschildes an. Zu Zeiten der Gebrüder Kramer habe Wertach mit seinen Ortsteilen neun Sennereien gehabt.

Der „Stinkkäse“ wurde an seinem Jubiläum kräftig gefeiert. Beim Schaukäsen konnten die Besucher erleben wir Weißlacker aus dem Käsekessel geholt wird; und welche Köstlichkeiten man aus dem ein Jahr gereiften Käse machen kann, zeigte der Lindauer Profi-Koch Ralf Hörger.

Josef Gutsmiedl

Auch interessant

Meistgelesen

Raubüberfall in Kempten
Raubüberfall in Kempten
Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
Mächtig was los beim Stadtfest Sonthofen
Mächtig was los beim Stadtfest Sonthofen
Tödlicher Bergunfall am Hindelanger Klettersteig
Tödlicher Bergunfall am Hindelanger Klettersteig

Kommentare