Wie im falschen Film: Sonthofer Kinobetreiber ärgert sich über Zwangsschließung

Ohne Kultur und Kunst wird es still

Filmburg Sonthofen von außen
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Die erneute Schließung der Kinos trifft die Branche mitten in der Hauptsaison. Stephan Deidl von der Filmburg Sonthofen hofft, bald wieder öffnen zu können.

Sonthofen – Bereits im Frühjahr mussten die Lichter in den Theater- und Kinosälen für dreieinhalb Monate dunkel bleiben. Nach einer kurzen Verschnaufpause im Sommer kam im Herbst der zweite Lockdown. Seit Anfang November ist die Kunst- und Kulturlandschaft wieder in einer Zwangspause. Kinos, Theater, Museen und Ausstellungen sind geschlossen. Stephan Deidl, Geschäftsführer der Filmburg Sonthofen, berichtet über die Auswirkungen der Krise auf die Kinobranche.

Die Tage sind wieder kürzer geworden und die Temperaturen sinken allmählich – eigentlich perfekt für einen gemütlichen Abend im Kino. „Herbst und Winter ist für uns die wichtigste Zeit im Jahr“, erklärt Stephan Deidl. Doch die erneute Schließung der Kinos trifft die Branche mitten in der Hauptsaison. Und das obwohl Stephan Deidl bereits im ersten Lockdown viel Geld in sein Buchungssystem sowie die Belüftung der Kinosäle investiert hat. „Wir haben uns gut auf den Winter vorbereitet. Unser Buchungssystem errechnet bei der Online-Buchung automatisch anhand der aktuellen Kontakt-Regeln, wie viele Personen zusammen sitzen dürfen und wie viel Abstand zwischen den Gruppen sein muss. Außerdem sind unsere Säle sehr gut belüftet. Unsere Anlage kann bis zu 300 Personen in einem Saal mit 100 Prozent Frischluft versorgen.“ Außerdem betont der Geschäftsführer einen wesentlichen Vorteil der Online-Buchung von Kinokarten: „Unsere Gäste müssen bei der Buchung ihre Kontaktdaten angeben. Wir können also genau nachvollziehen wer bei uns zu Gast war.“ Bereits im Sommer mussten die Tickets vorab online gekauft werden. Deidl berichtet, dass dies auch zu kürzeren Wartezeiten beim Einlass führte. „Die Akzeptanz der Abstandsregeln war wirklich vorbildlich“, so das Fazit von Deidl über die Öffnung während der Sommermonate.

Unter dem Titel „Alarmstufe rot“ riefen Kunst- und Kulturschaffende bereits mehrfach zu Aktionen auf, um auf ihre bedrohliche Situation aufmerksam zu machen. Auch das Kino in Sonthofen leuchtete den leeren Kinosaal rot aus.

„Wir fühlen uns mit der zweiten Zwangsschließung vor den Kopf gestoßen, dabei könnten doch gerade wir die Problemlöser sein.“ Stephan Deidl erklärt, dass die Kinos die Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen sehr gut einhalten und kontrollieren können. „Bei einem privaten Filmabend zu Hause mit Freunden sieht das sicher anders aus“, merkt Deidl an. Außerdem habe es laut Deidl weltweit keinen einzigen nachgewiesenen Infektionsfall in einem Kino gegeben. Er befürchtet, dass die Kinos jetzt als Infektionsherd wahrgenommen werden, obwohl das gar nicht so sei.

„Die erneute Schließung ist ein Rückschlag, nicht nur wirtschaftlich – es trifft die gesamte Kultur und Veranstaltungsbranche erneut sehr hart. Das macht ja auch mental mit einem etwas und so geht es uns derzeit allen“, so Deidl. Er sieht die Branche als Bauernopfer. Auf der Leuchttafel an der Filmburg in Sonthofen steht geschrieben: „Ohne Kultur und K-UNS-T wird es still“.

Die Politik entscheide meist sehr kurzfristig über die kommenden Maßnahmen. „Aber wir brauchen Planbarkeit“, betont Deidl. Denn die Filmproduzenten und Verleiher brauchen einen gewissen Vorlauf für die Produktion und Vermarktung der Filme. Selbst wenn die Kinos kurzfristig wieder öffnen dürfen, dauert es zwei bis drei Monate bis der Betrieb wieder normal laufen kann. Deidl erklärt: „Die Verleiher geben die Filme erst frei, wenn sie wissen, dass der Kinostart tatsächlich stattfinden und beworben werden kann. Auch sie brauchen wirtschaftliche Sicherheit.“ Zwar gibt es staatliche Hilfe für Kunst- und Kulturschaffende, doch laut Deidl ist die Antragsstellung und Auszahlung ein langwieriger Prozess. „Für die November-Hilfe gibt es noch nicht einmal ein Antragsformular, aber unsere Kosten laufen weiter. Die Behörden tun zwar alles, was in ihrer Macht steht, aber der Prozess ist kompliziert und langwierig.“

Trotz der schwierigen Umstände gibt sich Deidl kämpferisch: „Auch wenn der Popcorngeruch langsam schwindet, so hoffen wir auf eine Perspektive von unserer Politik, um bald wieder öffnen zu dürfen.“

Bis es soweit ist können Kinofans ihr Lieblingskino mit dem Kauf von Gutscheinen unterstützen. Kinogutscheine für die Filmburg gibt es direkt auf der Internetseite der Filmburg www.filmburg-sonthofen.de oder an der Lotto-Annahmestelle neben dem Kino. Auch die weiteren Kinos in der Region bieten Geschenk-Gutscheine an.

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