AOI will "wasserdicht" werden

Fit für die Zukunft werden will der Abwasserverband Obere Iller AOI. Auch wenn der Verband mit seinen elf Mitgliedsgemeinden bis heute „gut dasteht“, sollen jetzt die Weichen gestellt werden, die eine Weiterentwicklung erlauben unter Berücksichtigung ökologischer wie ökonomischer Belange. Handlungsbedarf machte die Verbandsversammlung vor allem bei der Änderung des so genannten Umlageschlüssels aus. In Zukunft soll die Abwassermenge der Kommunen nicht mehr über den Frischwasserverbrauch der Haushalte ermittelt werden, sondern exakt durch Mengenmessungen des kommunalen Abwassers. Die Wirtschaftlichkeit der Kläranlage lasse sich zudem über verschiedene Spar- und Synergieeffekte weiter verbessern.

Zwei Dinge werden den Abwasserverband in naher Zukunft beschäftigen: Die Abwasserabgabe wird umgestellt auf ein Verfahren, das sich an den tatsächlichen Abwassermengen orientiert. Zum anderen wird der Verband Serviceleistungen anbieten, um die Kommunen bei der Betreuung des Kanalnetzes zu unterstützen. Rund neun Millionen Kubikmeter Abwasser aus dem Verbandsgebiet werden jährlich in der Verbandskläranlage gereinigt. Doch längst nicht alles ist „richtiges Abwasser“ aus Haushalten. Auf rund ein Viertel schätzt Jörg Riechert, der Technische Betriebsleiter des AOI den Anteil an „Fremdwasser“. Wasser also, dass ins Kanalnetz der Gemeinden einsickert oder - aus welchen Gründen auch immer eingeleitet wird, obwohl es nicht zur Kläranlage gelangen braucht. „Das belastet nicht nur die Verbandskläranlage“, betont Riechert, „das kostet auch.“ Deshalb soll ein spezielles Messsystem in Zukunft die Abwassermengen, das aus den Kommunen in die Sammelkanäle des Verbandes gelangt genau erfasst werden. Schmelzwasser bei tauwetter und Regenwasser werden nicht für die Ermittlung der Mengen herangezogen. Die Technik dazu ist bereits weitgehend installiert. Rund 150000 Euro wurden schon investiert. An der „Quelle“ des Abwassers, bei den Haushalten müsse sich das nicht unbedingt als Teuerung auswirken, ergänzt Riechert. Allerdings soll das neue Verfahren zur Mengenerfassung die Gemeinden dazu bewegen, ihre Kanalnetze dicht zu machen, um Kosten zu senken. Andererseits können sich diese Investitionen in höheren Abwassergebühren für Verbraucher niederschlagen. „Das sind die Hausaufgaben der Gemeinden“, sagt Verbandsvorsitzender Hubert Buhl. Immerhin koste ein Liter Fremdwasser pro Sekunde den Verband im Jahr 1200 Euro. „Die Kommunen müssen fortan noch besser dafür Sorge tragen, dass möglichst wenig Fremdwasser ins Kanalnetz gelangt“, betont Buhl weiter. Der Abwasserverband werde Kommunen betreuen und unterstützen in den Aufgaben rund ums Abwasser. Sein Bürgermeister-Kollege Dieter Fischer aus Burgberg ergänzt: „Dafür haben wir einfach nicht das geeignet Personal und das nötige Knowhow.“ Die Fähigkeiten sollen beim Abwasserverband gebündelt und als Serviceleistung den Verbandsmitgliedern angeboten werden. Um diesen Service zu stärken, wird der AOI in Zukunft regelmäßig Lehrlinge ausbilden. Derzeit sind es vier Auszubildende, drei im technischen Bereich, eine in der Verwaltung. Bei einer weiteren Aufgabe, die der Abwasserverband angehen will, geht es um den Stromverbrauch. Die stark nährstoffhaltigen Abwässer aus der Schlammentwässerung sollen als separater Teil in konzentrierter Form gereinigt werden. Dadurch lasse sich die Qualität des gereinigten Abwassers weiter verbessern; zudem versprechen sich die AOI-Techniker einen „positiven Einfluss“ auf die Betriebskosten. Von den jährlichen Stromkosten in Höhe von rund 250000 Euro will man herunter kommen. Derzeit läuft eine Untersuchung, welches Einsparpotenzial durch den Einsatz verbesserter Belüftungstechnik möglich ist. Mit der bislang praktizierten Entsorgung des Klärschlammes im Landschaftsbau ist man beim AOI nicht ganz glücklich. Dennoch sprach die die Verbandsversammlung mehrheitlich dafür aus, diesen Weg weitere drei Jahre zu gehen. Rund 650000 Euro kostet diese Entsorgung von 9500 Tonnen Klärschlamm aus der Verbandskläranlage. Die Menge wird mit 350 LKW-Fuhren pro Jahr in die neuen Bundesländer geschafft. Ein Bahntransport, so Riechert, sei wegen diverser Umladevorgänge unwirtschaftlich. Zudem lege die Bahn AG keinen Wert auf solche Frachtaufträge. Mehrkosten, die bei einer Verbrennung entstünden, also der thermischen Verwertung, stehe kein positiver ökologischer Effekt entgegen, etwa aus einer CO2-Gutschrift. Zudem sei nicht auszuschließen, dass auch bei einer Verbrennung der Klärschlamm ähnlich weit transportiert werden muss wie bei der Verwendung im Landschaftsbau. Um den Spagat zwischen Ökonomie und Ökologie zu meistern, soll die Verwaltung entsprechende Kriterien erarbeiten und in künftigen Ausschreibungen einbinden. Als aktiven Beitrag zum Klimaschutz sieht der AOI die Suche nach regionalen Verwertungsmöglichkeiten.

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