Fast kein Durchkommen

Winterdienst kämpft gegen gewaltige Schneemengen

Räumdienst in der Sonthofer Freibadstraße
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Montagfrüh in der Sonthofer Freibadstraße: Nach dem schneereichen Wochenende wird in der Stadt im Eiltempo gefräst, verladen, weggeschafft.

Sonthofen – Schneefälle (fast) ohne Unterbrechung: Vergangene Woche hielt der Winter richtig Einzug im Allgäu und hinterließ Schneehöhen, die flächendeckend einen Meter und mehr errichten. In den Ortschaften wurde es im Laufe der Tage eng und immer enger. „Zu eng“, wie etwa einige Anwohner der Frühlingstraße in Sonthofen meinen. Doch der Winterdienste der Kommune hatte dem massiven „Ansturm“ keineswegs verschlafen.

„Da kommt doch kein Rettungsdienst mehr durch“, sorgte sich eine Frau aus der Frühlingsstraße. „Was ist, wenn der Notarzt nicht ans Haus fahren kann?“ Die Frau wohnt in einem Seitenarm der Straße, der tatsächlich nach gut drei Tagen Schneefall nur mühsam mit einem PKW passierbar erscheint. Dicke, hohe Schneewände links und rechts lassen nur eine enge Gasse frei. Selbst am Dienstag sei die Stichstraße noch nicht geräumt gewesen, als sie mit ihrem Auto zu einem Arztbesuch aufbrach.

Ein Nachbar hatte während der Tage des andauernden Schneefalls eigenhändig mehrfach einen schmalen Fußweg freigeräumt und im Bauhof die „späte und schlechte Räumung“ der kleinen Straße moniert. Einen besonders hinderlichen Schneeberg in einer Kurve trug er schließlich ab und schippte den Schnee aufs eigene Grundstück. „Sonst wäre hier kein Durchkommen. Dabei ist das doch Teil einer öffentlichen Straße und kein Privatweg.“

Dicke Schneewände machten die Seitenarme der Frühlingstraße in Sonthofen noch schmaler.

Die verständliche Sorge der älteren Dame kann der Leiter des Fachbereichs Bauhofes der Stadt Sonthofen und Chef des Winterdienstes schnell zerstreuen. „Unsere Kräfte räumen bestmöglich, können aber nicht rund um die Uhr an jedem Ort des Stadtgebietes sein“, erläutert Winfried Geisteier. „Feuerwehr oder Rettungsdienste kommen immer durch – auch nach 22 Uhr!“ In dieser Hinsicht brauche sich niemand Sorgen zu machen.

Was die Tage des jüngsten endlosen Schneefalls angehe, so Geisteier, sei die gesamte Mannschaft des Winterdienstes im Einsatz gewesen: 36 Bauhof-Mitarbeiter mit fünf Fahrzeugen der Stadt sowie weiteren sieben von externen Dienstleistern. Die städtischen Mitarbeiter können bei Bedarf bis zu 12 Stunden im Einsatz sein, bevor eine Pause von fünfeinhalb Stunden fällig ist. „Zuerst werden die Hauptstraßen bearbeitet“, betont Geisteier weiter. Den Winterdienstleuten habe zuletzt auch der im Lockdown deutlich verringerte Straßenverkehr ein wenig in die Hände gespielt. Aber überall zur selben Zeit anpacken könnte seine Truppe nun einmal nicht, wiederholt er und appelliert an das Verständnis der Bürger.

Dass es da und dort mal andere Ansichten gebe, wie die enormen Schneemassen aus dem Weg geräumt werden, liege in der Natur der Sache, ergänzt der Bauhof-Leiter. Angesichts der schnell wachsenden Schneeberge seien viele Bürger „genervt“. Das sei verständlich, aber dabei müsse man sachlich bleiben und dürfe nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. „Falls es wirklich ernsthafte Meinungsverschiedenheiten gebe, kommt der Einsatzleiter auch an den Brennpunkt, um Schwierigkeiten einvernehmlich auszuräumen, betont Winfried Geisteier. Seine Leute könnten während des Einsatzes nicht auf – oft verständliche – Wünsche der Anwohner eingehen. „Wir arbeiten unter Zeitdruck.“

Umso dankbarer sei man über unkomplizierte Mithilfe, wie sie etwa das SWW an den Tag lege: „Top“. Andererseits sei es nicht dienlich, wenn von Privatgrundstücken Schnee einfach auf die Straße geschoben werde.

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