"Wir brauchen keinen Park" - Projektgruppe Agenda 21 und JuPa für den Erhalt des Tannachwäldchens

Auch der beliebte Waldspielplatz im Tannachwäldchen müsste dem Gewerbegebiet weichen... Foto: Eva Veit

Die Projektgruppe Agenda 21/Umwelt und das Sonthofer Jugendparlament positionieren sich klar gegen eine mögliche Abholzung des Tannachwäldchens und dessen Nutzung als Gewerbegebiet. Dies beschlossen die beiden Gremien in einer Sondersitzung.

Das Thema Tannachwäldchen bewegt viele Sonthofer, deshalb befanden sich bei der Sitzung der Projektgruppe Agenda 21 wohl auch erstmals Gäste im Sitzungssaal. „Es ist schön, dass so viele Zuhörer da sind, es wäre aber schön, wenn das sonst auch so wäre,“ begrüßte Petra Wilhelm, Referentin von Bürgermeister Hubert Buhl, die Anwesenden. Im Vorfeld der Abstimmung erläuterte Christoph Stöberl, Projektkoordinator des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes ISEK, nochmals die beiden Varianten der künftigen Nutzung von Grüntenkaserne und Tannachwäldchen. Variante 1 sieht vor, ein ca. 5,5 Hektar großes Gewerbegebiet im Nordosten der Grüntenkaserne einzurichten und das Tannachwäldchen zu belassen, in Variante 2 soll das Tannach- wäldchen mit einer Größe von 5,5 Hektar in ein Gewerbegebiet umgewandelt und im Bereich der Grüntenkaserne und der Standortverwaltung 11 Hektar Grünfläche geschafft werden (der KREISBOTE berichtete). Stöberl betonte, dass alles nur „Planungsüberlegungen, noch keine Entscheidungen“ seien. Auch sei die Idee, das Tannachwäldchen als Gewerbegebiet zu Nutzen, aus den Reihen des Stadtrates gekommen, der Landschaftsplaner habe zunächst auch „die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen“, nach einer Betrachtung des Gesamtzusammenhanges sei man allerdings zu dem Schluß gelangt, dass „zumindest die Überlegung einer gewerblichen Nutzung möglich erscheint.“ Fritz Weidlich, Bereich Wirtschaftsförderung der Stadt Sonthofen, erläuterte, dass nach einer Umfrage bei den Unternehmen in der Region ein mittelfristiger Bedarf an neuen Gewerbeflächen von 4,5 Hektar bestünde – Gewerbeflächen, die es im südlichen Oberallgäu derzeit aber nicht gebe. Deshalb wäre es für die weitere Entwicklung Sonthofens und der Region unbedingt nötig, im Rahmen der Konversion neue Gewerbeflächen zu schaffen. Nach einer kurzen Diskussion sprachen sich die Mitglieder der Projektgruppe Agenda 21/Umwelt und des Jugendparlamentes eindeutig für den Erhalt des Tannachwäldchens als Naherholungsgebiet aus. Das Tannachwäldchen sei ein naturnahes und gewachsenes Naherholungsgebiet – es würde Jahre dauern, bis eine neu angelegte Grünanlage dieselbe Vegetationsdichte habe. Im Übrigen „brauchen wir keinen Park in Sonthofen, wir brauchen Natur,“ so Rudi Gropper, Stadtrat und Mitglied der Projektgruppe. Das Tannachwäldchen sei ein wichtiger Faktor zur Kohlendioxidbindung, gerade in Hinblick auf die Nähe zu B19 und B308, diese „grüne Lunge Sonthofens“ müsse dringend erhalten bleiben. Abenteuerspielplatz, Skatepark und Waldspielplatz – beliebte Treffpunkte der Sonthofer Jugend, alles würde dem Gewerbegebiet zum Opfer fallen. Ein Sonthofen ohne diese Orte können sich die Gremienmitglieder nicht vorstellen. Ebenso wie die Kleingärten am Rande des Wäldchens. Und auch in Hinblick auf Sonthofen als Tourismusort sei die Abholzung des Wäldchens nur schwer nachvollziehbar: würde man dann doch von Bundesstrasse und Bahn aus Richtung Kempten kommend nur noch Gewerbe und Industrie sehen, was die Attraktivität der Stadt erheblich schmälern würde. Die Entscheidung der beiden Gremien wird nun dem Stadtrat als Empfehlung vorgelegt für eine endgültige Entscheidung über die zukünftige Nutzung der Areale, die frühestens Ende Mai stattfinden wird. Zum Thema: Projektgruppe Agenda 21/Umwelt Die Projektgruppe Agenda 21/Umwelt entwickelte sich aus dem Projekt „Zukunft Sonthofen“ heraus, das im Frühjahr 1996 vom Stadtrat ins Leben gerufen wurde, um gemeinsam mit den Bürgern in einem fortlaufenden Prozess ein zukunftsweisendes Konzept für eine ganzheitliche und nachhaltige Stadtentwicklung zu schaffen.“ Nachhaltigkeit bedeutet, den Ausgleich zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Interessen im Hinblick auf die globale Verantwortung und die Vorsorge für nachfolgende Generationen zu suchen. Die Aktivitäten der Gruppe waren bislang unter anderem die Einrichtung des Alpenstadt Erlebnisweges, eine Positionierung zum Klimaschutz, die Umgestaltung des Schneiderhofes in einen Spiel- und Wiesenhof, der Anstoß zur Bezeichnung Sonthofens als „Fair-Trade-Stadt“ und die Umgestaltung des Tannachwäldchens. Die Gruppe hat an der Umgestaltung (Logos, Tafeln, Sitzmöglichkeiten) aktiv mit ca. 20 Arbeitseinsätzen mitgewirkt. Sie hätte sich schon damals eine Beteiligung der Anwohner und der Bevölkerung gewünscht – Interessierte sind jederzeit herzlich eingeladen mitzuwirken! Weitere Informationen auf der Homepage der Stadt Sonthofen.

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