Frischer Wind für die alte Schule

Kein Dorfgemeinschaftshaus in der "Alten Schule" in Bühl

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Frischen Wind für die alte Schule

Die Entscheidung ist gefallen: Die „Alte Schule“ in Bühl wird an den Freundeskreis „Zukunft Alte Schule Bühl“ verkauft. Damit ist zumindest der oft kritisierte drohende Abriss des historischen Gebäudes auf dem Kirchhügel abgewendet. Somit wird es kein Dorfgemeinschaftshaus in Bühl geben, dafür entsteht aber Platz für Vereine, Kinderkrippe und ein Café.

Immenstadt-Bühl – Ein „langer Weg der Entscheidungsfindung“ sei es gewesen, meinte Pfarrer Helmut Epp zu Beginn des „spannenden Abends“ der Entscheidung, den der Geistliche mit einem Gebet um die Hilfe des Heiligen Geistes einleitete: „Wenn der fehlt, können wir gar nichts hinbekommen.“ Rund 50 Interessierte, vor allem aus dem Lager des „Freundeskreises“ waren zu der Bekanntgabe der Entscheidung der Kirchenverwaltung ins Pfarrheim St. Nikolaus gekommen.

Ende Januar war die Frist abgelaufen, bis zu der Angebote zur Zukunft der „Alten Schule“ in Bühl abgegeben werden konnten. Die Bischöfliche Finanzkammer in Augsburg setzte den Kaufpreis auf 150 000 Euro fest. Tatsächlich sind bis dahin bei der Bischöflichen Finanzkammer fünf Kauf- angebote eingegangen, von der Stadt Immenstadt ebenso wie vom Freundeskreis „Zukunft Alte Schule Bühl“, aber auch von privater Seite (wir berichteten).

„Dann kam alles nach Immenstadt“, berichtete der Pfarrer weiter über die Prozedur. In intensiven Beratungen und vielen Gesprächen habe die gewählte Kirchenverwaltung die Angebote geprüft und auf die Tauglichkeit für einen geplanten Kauf der Alten Schule. Reine Wohnbau- oder Gewerbenutzung war nicht gewünscht; eine gewisse öffentliche Nutzung sollte vorgesehen werden.

Übrig blieben nach der „Vorrunde“ letztlich die Angebote der Stadt Immenstadt und des Freundeskreises. Die Stadt will anstelle der Schule ein Dorfgemeinschaftshaus bauen und den dringenden Raumbedarf der Feuerwehr und der Musikkapelle befriedigen. Das Projekt hätte allerdings den Abriss der Alten Schule vorausgesetzt.

Der Freundeskreis dagegen will das Gebäude sanieren und ebenfalls für örtliche Vereine zugänglich machen, plant eine Kinderkrippe und ein kleines Café. Später könne im Dachgeschoß auch ein Wohnung Platz finden.

 „Dann standen wir vor einem Dilemma“, erinnert sich Pfarrer Epp und forderte die Gäste im Pfarrheim auf, das Lied „Großer Gott wir loben Dich“ anzustimmen. Nach diesem Intermezzo berichtete Epp weiter von den Beratungen der Kirchenverwaltung: „Wir haben erkannt, dass beide Gruppierungen ein redliches Bemühen an den Tag legen. Die Leute wollen etwas erreichen.“ In geheimer, schriftlicher Abstimmung sei dann schließlich die Entscheidung gefallen, die wiederum in ein Dilemma führte: Drei Stimmen für den Freundeskreis, drei Stimmen für das Dorfgemeinschaftshaus. „Beides erschien uns plausibel, beides hat Schwächen“, so Epp. Angesichts einer vertrackten Situation bei einem weiteren Grunderwerb im Falle des Dorfgemeinschaftshauses habe sich die Kirchenverwaltung am Ende für einen Verkauf an den Freundeskreis entschieden. Vor allem die Katholische Jugendfürsorge KJF als unmittelbarer Grundstücksnachbar habe signalisiert, sich eine Entscheidung sehr gut und reiflich zu überlegen. 

„Es gibt auch andere Plätze, wo man bauen kann“, schloss Pfarrer Epp seinen „spannenden Abend“ ab. „Wir haben um eine gute Entscheidung gerungen; ich glaube, das ist uns gelungen.“ Jetzt müsse man noch sehen, wie man mit dem Notarvertrag vorankomme.

„Dann ist das Dorfgemeinschaftshaus gestorben und der Fall für uns erledigt“, meinte ein Bühler Bürger enttäuscht und verließ mit seinen Begleitern den Saal. Nicht minder enttäuscht zeigte sich auch Stadtrat Rudi Seber (die Aktiven) nach dem „Schul-Krimi“. „Jeder Ortsteil Immenstadts hat ein Vereinsheim, nur Bühl nicht.“ Und ob das mit der Genossenschaft gutgehe, die der Freundeskreis zudem erst noch gründen müsse, sei auch nicht sicher. Da gehe es nicht zuletzt um Geld, um Sicherheiten. Der Freundeskreis „Zukunft Alte Schule“ dagegen zeigte sich nach dem spannenden Abend erleichtert und optimistisch. Die Vorbereitungen für die zu gründende Genossenschaft sei auf gutem Weg; man habe einen kompetenten Berater gefunden, der schon ähnliche Projekte erfolgreich begleitet habe, so Susan Funk vom Freundeskreis. Dass dann das zugesagte Geld in Form von Einlagen fließen werde, sei auch sicher. Dann werde man alle Möglichkeiten für Fördermittel abklopfen, um bald mit der Sanierung der alten Schule beginnen zu können.

Einen Haken hat die Geschichte allerdings: Die Stadt Immenstadt hat ein Vorkaufsrecht und könnte die Entscheidung zugunsten des Freundeskreises noch aushebeln.

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