Das Thema "Wölfe" spaltet die Gesellschaft

Wolfgang Schröder

„Die Wölfe kommen!“ – ein Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Schröder mit Diskussion findet statt am Mittwoch, 24. April, um 19.30 Uhr im Haus Oberallgäu in Sonthofen. Die Wölfe in den Allgäuer Bergen hinterlassen wenig Spuren. Doch der Kälberreisser vom Sommer 2018 erregte die Gemüter.

Wölfe in den Alpenländern breiten sich aus, gründen Rudel. Die Gesellschaft ist darüber tief gespalten. Der Widerstand der Wolfsgegner treibt die Politik vor sich her, der durch den strengen Schutz des Wolfes die Hände gebunden sind. Der Kreisbote sprach mit Prof. Dr. Wolfgang Schröder über die Rückkehr der „großen Beutegreifer“ im bayerischen Alpenraum.

Kreisbote:Ihr Anorak hat einen Pelzkragen vom Wolf?

Schröder: Ja, den Anorak hat eine Dene-Indianerin im Norden Kanadas gefertigt. Bei Schlitten- und Bootsfahrten dort ist der Pelz prima; da legen sich die Wolfshaare im eisigen Wind vors Gesicht.

Kreisbote: Gibt es dort Probleme mit dem Wolf? 

Schröder: Nein. Es gibt keine Nutztiere in der Subarktis, außer Schlittenhunden. Der Wolf ist dort ein geschätztes Pelztier.

Kreisbote: Wie sieht es bei uns aus, gibt es derzeit Wölfe im Oberallgäu?

Schröder: Ja, einzelne. Sie werden gelegentlich von Wildkameras erfasst. Diese Wölfe leben meist von wilden Huftieren, also Rehen, Hirschen, auch Gämsen. Nur ein Wolf hat sich im letzten Sommer an Kälbern und Schafen vergriffen.

Kreisbote:Woher kommen diese Wölfe?

Schröder: Bisher sind es „Nordlichter“, also Tieflandwölfe aus dem Norden und Osten Deutschlands. Dort leben an die siebzig Rudel, deren Jungtiere abwandern. In Zukunft wird es noch andere Zuwanderer geben.

Kreisbote: Woher denn?

Schröder: In der Schweiz, in Graubünden hat ein Wolfsrudel bereits über vierzig Welpen geboren. Die sind als Jungwölfe bis in den Schwarzwald und nördlich von Ulm abgewandert. Auch im südlichen Alpenraum breiten sich die Wölfe aus.

Kreisbote:Warum nimmt der Wolf heute wieder zu?

Schröder: Der wichtigste Grund ist der gesetzliche Schutz in den Ländern Europas und damit die Einschränkung der Abschüsse.

Kreisbote: Somit ist die Rückkehr des Wolfes eine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes?

Schröder: In gewisser Weise ja. Aber es ergeht uns wie dem Zauberlehrling: Wir haben den Wolf streng geschützt, haben Kontrollabschüsse erschwert, und jetzt holt uns der Erfolg ein. Kaum einer hat anfangs geahnt, dass der Wolf mit seinem Vermehrungspotential in der Lage ist, sich so auszubreiten.

Kreisbote: Wölfe gründen auch Rudel?

Schröder: Das ist ihre natürliche Art zu leben und zu jagen. Wir haben in jüngster Zeit gesehen, wie die Rudelbildung funktioniert: Jungwölfe wandern aus ihrem Elternrudel ab, oft mehrere hundert Kilometer, und treffen auf einen Partner. Wenn sie in Ruhe gelassen, nicht gewildert werden, gründen sie ein Rudel. Truppenübungsplätze spielen dabei eine Rolle. Dort haben sie ausreichend Ruhe vor menschlicher Nachstellung. Der Lärm macht den Tieren nichts aus.

Kreisbote: Was sind die größten Probleme mit Wölfen heute?

Schröder: Die Konflikte in der Weidetierhaltung und die grundsätzliche Ablehnung von Wölfen in Teilen der ländlichen Bevölkerung. Wir sehen heute, dass Wölfe, wenn sie im Rudel jagen, sich auch an Rinder in der Alpwirtschaft halten können. Das Problem ist noch nicht gelöst.

Kreisbote:Sind Wölfe für den Menschen gefährlich?

Schröder: Wölfe sind sehr flexible Raubtiere. Sie sind sehr scheu, wenn ihnen nachgestellt wird. Sie lernen aber auch, die Nähe des Menschen zu ertragen, wenn ihnen nichts geschieht. Dann können Wölfe auch dreist werden, sich dem Menschen nähern. Solche Wölfe müssen dann geschossen werden. Am besten ist, man lässt es nicht so weit kommen.

Prof. Wolfgang Schröder (78) ist auf einem Bauernhof in der Steiermark aufgewachsen und hat in den USA und Europa Wildbiologie studiert. Einige seiner Studenten arbeiten heute in der Forschung an Großraubtieren. Im Oberallgäu ist er durch seine Schalenwildplanungen bekannt.

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