Wölfe im Oberallgäu: In Wertach wurden zwei Kälbchen gerissen

Alpwirtschaftlicher Verein: Den Wolf jetzt stoppen

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Es soll nicht soweit kommen, dass die Bauern ihr Weidevieh vor dem Wolf verstecken müssen, meint der Vorsitzende des Alpwirtschaftlichen Vereins. Wo der Wolf auftauche, müsse eine Abwehr durch Abschuss das Mittel der Wahl sein.

Die Fachleute und Landwirte sind sich einig: Die beiden vor Kurzem auf Viehweiden bei Wertach gerissenen Kälber gehen auf das Konto des Wolfes. Bereits vor einigen Tagen wollen Wanderer und Jäger einen Wolf in der Gegend am Grünten beobachtet haben.

Am Wochenende wurde jetzt nicht weit von Wertach entfernt ein Kadaver eines gerissenen Kalbes aufgefunden; schon wenige Tage zuvor war ein Kalb in derselben Gegend ausgeweidet und angefressen entdeckt worden. Alles deute auf einen Wolfsangriff hin, so die Landwirte und die Fachleute. Ob es ein Wolf war oder mehrere Raubtiere unterwegs sind, ist noch ungewiss. Die DNA-Analysen liegen dem Landratsamt Oberallgäu zufolge erst gegen Ende der Woche vor. Franz Hage vom Alpwirtschaftlichen Verein AVA im Allgäu sieht sich erneut bestätigt: „Das Allgäu verträgt den Wolf nicht!“ Er fordert eine sofortige Entscheidung der Landespolitik, damit das „Zuwarten“ bei dem heiklen Thema endlich ein Ende findet. Sprich: Abschuss jedes zuwandernden Wolfs.

Franz Hage kann nur noch den Kopf schütteln: Seit Jahren warnen der Alpwirtschaftliche Verein und er als Erster Vorsitzender vor dem „großen Beutegreifer“. In der Praxis passiere aber nichts, um Weidevieh vor der Bedrohung durch zuwandernde Wölfe zu schützen. Man nehme die Warnungen einfach nicht Ernst. „Ich vermisse in den Medien die entsetzlichen Bilder aus der Praxis!“, wettert Hage. Die Fotos von zerfetzten, angefressenen Tierkadavern erschienen nirgends. „Aber die Älpler und Bauern sollen den Anblick ertragen, wenn sie nach dem Vieh sehen und dabei auf ein gerissenes Tier stoßen?“

Für Hage steht außer Zweifel, dass die beiden jüngsten Fälle ein Werk eines Wolfes sind. „Dass sich einer oder mehrere Tiere in der Gegend herumtreiben, ist klar.“ In einem weiteren Fall bei Oberstdorf stehe die DNA-Untersuchung zwar noch aus, doch das Bild sei eindeutig. „Man schaut schon zu lange zu und hört nicht auf die Praktiker“, sagt Franz Hage weiter. Einerseits fördere man durch Nichtstun die Zuwanderung des Wolfes geradezu, andererseits erwarte man von den Berg- bauern, dass sie Vieh auf den Weiden halten und in den Bergen sömmeren. „Das passt doch nicht zusammen.“ Ein Schutz der Herden durch welche Maßnahmen auch immer sei in der Praxis nicht machbar. „Ein Wolf überspringt auch einen 1,8 Meter hohen Zaun.“

Solange der Wolf nicht gestellt ist, wollen die Bauern in Wertach nach den jüngsten Attacken erst einmal keine Jungtiere mehr auf die Weide treiben. Doch genau das sei jetzt wichtig, findet Franz Hage, selbst Älpler und Landwirt. „Unser Jungvieh braucht den Weidegang.“ Er, so Hage weiter, würde jetzt erst recht austreiben, um zu zeigen, wie „es wirklich aussieht“, wenn der Wolf zuschlage.

Jetzt sei die Politik gefragt, appelliert Franz Hage. „Wenn der Wolf da ist, muss ein sofortiger Abschuss durch Jäger erlaubt sein!“ Dazu muss allerdings der Wolf aus der strengsten Artenschutz-Kategorie „abgestuft“ werden, um als jagdbares Wild zu gelten. Der Alpwirtschaftliche Verein fordere diese Ändrung schon seit Jahren, betont Hage weiter. „Die Politik muss jetzt schnell etwas tun!“ Noch vor der Wahl im Herbst müssten sowohl Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Umweltminister Dr. Marcel Huber in die Gänge kommen, um eine Lösung herbeizuführen, die den Wolf stoppe.

Beim „Umgang mit dem Wolf“ müsse man ja nichts neu erfinden betont Hage. In Oberbayern und in sämtlichen Nachbarstaaten gebe es längst einschlägige Erfahrungen. Und die zeigten Hage zufolge: Weidevieh und Wolf das geht nicht gut. Das könnten Naturschutzverbände bestreiten wie sie wollten. „Keiner will den Wolf im Alpenraum ausrotten. Aber der Lebensraum verträgt das Nebeneinander von Wolf und Weidevieh nicht. Dort, wo es passt, kann der Wolf meinetwegen bleiben...“ Vom Instrument eines „Wolfsmanagements“ hält der AVA-Vorsitzende nicht viel. Da verliere man nur Zeit, statt zu handeln. „Geschehen tut da nichts.“ Die Behörden sollten endlich auf die Erfahrungen der Praktiker hören und die Initiative ergreifen.

gts

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