Oberallgäu: DNA-Untersuchung bestätigt Wolfsverdacht

Wölfe am Werk

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Die Kälberrisse gehen auf das „Konto“ eines „Wolfes.

Mehrere Kälberrisse im Oberallgäu können nun eindeutig einem Wolf zugeordnet werden. Die Entschädigungszahlungen können eingeleitet werden. Mit einem „Runden Tisch Wolf“ wollten das Landesamt für Umwelt LfU und das Landratsamt Oberallgäu das aktuelle „Wolfsgeschehen“ in der Region beleuchten.

Seit Donnerstag liegen die Untersuchungsergebnisse vor und bestätigen einen Wolf. Weitere Analysen, so das Landesamt für Umwelt LfU, sollen nun Erkenntnisse zu dem Tier liefern. Der Runde Tisch soll eine weitere Auflage erfahren, um das weitere Vorgehen zu diskutiereen. „Das Rumgeeiere muss ein Ende haben“, stellte Landrat Klotz fest. 

Das Vertrauen der Landwirte und der Alpwirtschaft sei mittlerweile „ziemlich am Boden“, brachte der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz die Stimmung auf den Punkt. Mit dem Runden Tisch wollte die Kreisverwaltung und das Landesamt für Umwelt LfU zusammen mit den Vertretern der Landwirtschaftsverbänden und betroffenen Landwirten die Lage beurteilen und das weitere Vorgehen abstecken. Das lang ersehnte Ergebnis lag der Runde noch nicht vor. Alles deutete darauf hin, dass ein Wolf am Werk war – die Art der Verletzungen, das massive Ausweiden, so Klotz. 

Eine ganze Mappe voller Fotografien liegt vor ihm auf dem Tisch: Bilder von entsetzlich zugerichteten Tierkadavern. Der Wolf sei offenbar da. Es fehlte – zum Zeitpunkt des Runden Tisches – lediglich der wissenschaftliche Nachweis durch DNA-Untersuchungen, um alle Zweifel zu zerstreuen. „Wir hoffen auf eindeutige Resultate.“ Die Landwirte verlangten jetzt eine Entscheidung, betonte Klotz weiter. Zum einen, weil eine Entschädigung für Tierverluste durch Raubtiere nur bei eindeutigem Nachweis ausbezahlt werde. Zum anderen müssten die Landwirte und vor allem die Alpbeschläger sich darauf verlassen können, dass ihr Vieh auf den rund 680 Alpen im Ober- und Ostallgäu in Sicherheit ist. 

Zudem gebe es schon erste Anfragen von Urlaubsgästen, wie sicher das Allgäu denn jetzt noch sei. Der Schutzstatus für den Wolf müsse revidiert werden und „bei Gefahr“ ein Abschuss zulässig sein. Er erwarte politische Rückendeckung, um „Entnahmen“ gegebenenfalls zu ermöglichen. „Es geht auch um den Tourismus!“ 

In der Runde gab es auch Kritik am „Netzwerk große Beutegreifer“, das sich mit „Übergriffen“ von Raubtieren befasst. Die ehrenamtlichen Netzwerker übernehmen die erste Spurensicherung und Dokumentation bei Raubtierattacken; eine weitere Untersuchung des Kadavers erfolgt in der Tierkörperbeseitigungsanlage. Das Gremium ist der Meinung von Landrat Klotz zufolge „nicht professionell genug aufgestellt“. Das sehe auch Umweltminister Dr. Marcel Huber so, ergänzte Klotz. Claus Kumutat, Präsident des Landesamtes für Umwelt in Augsburg, beschrieb die schwierige Beweissicherung im Vorlauf einer DNA-Analyse. Das Verfahren sei zeitaufwändig und komplex. Es sei absolut wichtig eine verwertbare Speichelspur des Raubtieres zu sichern. In den konkreten Fällen im Oberallgäu fehle zunächst die „klare Faktenlage“. 

Zumindest sei das Ziel des Runden Tisches, mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen, erreicht worden. Bayern sei umgeben von Wolfspopulationen: „Da werden immer wieder Wölfe durchziehen.“ Den immer wieder geforderten Abschuss eines durchwandernden Wolfes durchzusetzen, sei ohnehin schwierig. Dieser ist nämlich nur möglich, wenn eine konkrete Gefahr für Menschen erkennbar ist oder wirtschaftlicher Schaden vorliegt. Die Wolfsjagd an sich sei zudem eine schwierige Angelegenheit. 

Franz Hage, Vorsitzender des Alwirtschaftlichen Vereins im Allgäu AVA, kritisierte, dass „schon zwei Jahre diskutiert wird und bis heute nicht viel passiert ist“. Man müsse undedingt eine Zuwanderung von Wölfen verhindern. Landrat Klotz ergänzte: „Dass Wölfe durchziehen, werden wir nicht verhindern können. Aber ein sesshaftes Rudel? Das hält die Region nicht aus!“

gts

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